Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2013

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Procenv 0.16, Crun 0.1.3, Pstoedit 3.61,
Muddog 1.0.0, Xidel 0.6, und PNG Crush.

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Procenv 0.16

Umgebungsvariablen ermitteln

Quelle: https://launchpad.net/procenv

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Printenv, Stat

Procenv fragt die Umgebungsparameter und -variabeln eines Systems ab. Je nach Aufrufoption verrät das Tool etwa die aktuellen Systemlimits oder präsentiert die Konfiguration von »locale« , »env« oder des Compilers. Auch ermittelt es Informationen zu »cgroups« , zu geladenen Bibliotheken oder den Thread-Parametern der aktuellen Sitzung.

Ohne Parameter gestartet präsentiert Procenv alle verfügbaren Fakten auf der Standardausgabe. Über »--file« leiten Anwender sie in eine Datei um. Alternativ schickt »--output« die Informationen an »stderr« , »stdout« oder an Syslog.

Angesichts der umfangreichen Abfragemöglichkeiten empfiehlt sich unbedingt ein Blick in die Manpage. Neben einer ausführlichen Erläuterung der Optionen bietet das Handbuch auch Konfigurationsbeispiele und Anregungen für den Procenv-Einsatz auf verschiedenen Systemen. Die Entwickler empfehlen das Tool vor allem zur Fehleranalyse eigener Programme oder Skripte, um herauszufinden, welche Umgebungsbedingungen zur Ausführungszeit herrschen.

Procenv bestimmt die Umgebungsparameter der aktuellen Sitzung im Handumdrehen. So vergleichen Anwender zum Beispiel Systeme miteinander und finden heraus, in welcher Umgebung ein Prozess läuft. 

Crun 0.1.3

Programme wiederholt starten

Quelle: http://code.google.com/p/koolkit/wiki/crun

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Cron

Um Programme zu bestimmten Zeiten oder in regelmäßig wiederkehrenden Intervallen zu starten, greifen die meisten Anwender zu Cron. Das Anpassen der Crontab ist jedoch zu aufwändig, um kleine Tools oder selbst geschriebene Skripte zu testen. Mit Crun empfiehlt sich eine leicht zu bedienende Alternative. Anders als Cron arbeitet Crun nicht als Daemon im Hintergrund und benötigt daher auch keine Rootrechte.

Nutzer geben beim Start insgesamt drei Parameter zur Steuerung an. Der erste definiert, wie oft Crun ein Programm aufruft, der zweite bestimmt, in welchen Abständen das geschieht. Am Schluss steht der eigentliche Befehl, wahlweise mit Optionen. So sorgt beispielsweise »crun 10 5 netstat -na« dafür, dass Crun den Netstat-Befehl zehnmal jeweils im Abstand von 5 Sekunden startet. Alle Ausgaben landen auf der Standardausgabe. Mehr Konfiguration ist nicht erforderlich und derzeit auch nicht möglich. Eine Einrichtungsdatei existiert nicht.

Das handliche Tool macht es einfach, Programme zu Test- und Analysezwecken in festgelegten Intervallen auszuführen. Eine Anpassung der Crontab entfällt. Mit Crun läuft jede Anwendung unkompliziert mehrfach und in bestimmten Abständen.

Pstoedit 3.61

PS- und PDF-Dateien konvertieren

Quelle: http://www.pstoedit.net

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Gsview

Pstoedit wandelt Postscript- und PDF-Dateien in Vektorgrafiken um. Die Liste der unterstützten Dateitypen umfasst über 25 Formate, darunter SWF, DXF, HPGL, Skencil, GNU Plot und Latex2e-Picture. Das Programm kennt darüber hinaus die Metaformate WMF, OS/2 Metafiles oder GNU Metafile. Weitere Gattungen wie etwa SVG sind über (teilweise) kostenpflichtige Plugins verfügbar.

Da das Tool keine eigenen Postscript- und PDF-Routinen besitzt, ist eine Ghostscript-Installation Voraussetzung. Für die Vektorgrafikformate greift es auf die Imagemagick-Bibliotheken zurück. Pstoedit bietet Optionen, um das Dokument in mehrere Seiten aufzuteilen, einzelne Seiten zu extrahieren, sie zu drehen oder zu kippen. Andere Parameter stellen Text als Zeichnung dar oder übernehmen Kurven des Originals. Die Position von Bildern und die Seitengröße sind ebenfalls konfigurierbar.

Nicht alle Optionen funktionieren für jedes Ausgabeformat. Ein Blick ins Handbuch verrät Näheres dazu. Darüber hinaus kommt Pstoedit nicht mit allen Quelldokumenten gleich gut zurecht.

Pstoedit bietet umfangreiche Möglichkeiten, Postscript- und PDF-Dateien in Vektorgrafiken zu konvertieren und die Ergebnisse nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Muddog 1.0.0

Prozesse verfügbar halten

Quelle: http://code.google.com/p/muddog

Lizenz: BSD New

Alternativen: Autocheck

Bestimmte Programme und Dienste dürfen niemals ausfallen, sondern sollten stets verfügbar sein. Muddog hilft Administratoren solche Services zu überwachen. Das Tool basiert auf dem Free-BSD-Inetd und läuft unter Free BSD und Linux. In der Konfigurationsdatei »/etc/muddog.conf« legt der Anwender fest, welche Programme Muddog aufrufen und im Auge behalten soll. Das Tool kontrolliert regelmäßig, ob der entsprechende Prozess noch läuft, und startet ihn gegebenenfalls neu. Um ihn zu beenden, terminieren Nutzer Muddog.

Ein Eintrag enthält jeweils vier Felder, die durch Leerzeichen oder Tabs getrennt sind. Im ersten steht ein eindeutiger Bezeichner für den Dienst. Es folgen Angaben zu Benutzern oder Gruppen, mit deren Rechten das Programm läuft. Dahinter steht der volle Pfad zum Binary, im letzten der Aufruf mit allen Parametern und Optionen. Anwender sollten beachten, keine Services zu definieren, die von sich aus als Daemon laufen. Muddog würde in diesem Fall das Programm wieder und wieder starten, obwohl es ein SIGCHLD-Signal erhalten hat.

Muddog bietet nur drei Aufrufoptionen: Über »-v« zeigt es seine Version an, hinter »-P« dürfen Benutzer eine alternative Konfigurationsdatei angeben, und »-d« schaltet das Debugging ein. Seine Fehlermeldungen reicht das Programm an Syslog weiter.

Mit Muddog stellen Systemverwalter Programme ohne eigene Daemon-Funktion dauerhaft bereit. Das Tool behält seine Schützlinge genau im Auge und erleichtert den Einsatz durch eine übersichtliche Konfiguration.

Xidel 0.6

Daten aus Webseiten extrahieren

Quelle: http://videlibri.sourceforge.net/xidel.html

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Curl, Wget

Programme, die HTML- und XML-Dateien aus dem Internet auf den eigenen Rechner spiegeln, gibt es in Hülle und Fülle. Xidel geht noch einen Schritt weiter und extrahiert gezielt Daten aus den übertragenen Dokumenten. Welche Detailinformationen das sind, legt der Benutzer über ein Suchmuster fest. Xidel erkennt selbstständig, ob es sich bei dem Filtertyp um Xpath, Xquery, CSS oder ein einfaches Template handelt. Klappt das nicht, so geben Anwender über »--extract-kind« Hilfestellung. Komplexere Muster oder reguläre Ausdrücke schreiben Anwender optional vorher in eine Datei und übergeben diese dann beim Start.

Darüber hinaus ist es möglich, Daten von der Verarbeitung auszunehmen oder gezielt einzubinden. Besitzt eine Webseite beispielsweise Links, geben Nutzer über »--follow« vor, welchen Verknüpfungen Xidel folgen soll. Auch diese Option verfügt über »exclude« - und »include« -Parameter, mit denen die Link-Verarbeitung steuerbar ist. Außerdem verhindert »--follow-level« , dass Xidel sich auf komplexen Seiten zu lange aufhält.

In der Voreinstellung schreibt das Tool die Ergebnisse in gut lesbarer Form als reinen Text auf die Standardausgabe. Zum Weiterverarbeiten ist auch eine Formatierung in Json- oder XML-Syntax möglich. Als Standardkodierung nutzt Xidel UTF-8, Latin 1 und UTF-16 kennt es ebenfalls. Wer die Ergebnisse lieber in einer Datei speichern möchte, der verwendet »--download« .

Xidel erfasst präzise Datenschnipsel aus HTML- und XML-Dateien. Das Tool punktet mit vielfältigen Filtermöglichkeiten.

PNG Crush 1.7.41

PNG-Dateien komprimieren

Quelle: http://pmt.sourceforge.net/pngcrush

Lizenz: OSI Approved License

Alternativen: Opti PNG

Dieses Kommandozeilen-Werkzeug optimiert die Komprimierung von PNG-Bildern – und das ganz ohne Qualitätsverluste. In den meisten Fällen verkleinert es damit die Dateien und hilft so dabei, Plattenplatz einzusparen.

PNG-Dateien bestehen aus mehreren Blöcken, darunter einem Pixeldatenblock (IDAT, Image Data). PNG Crush reduziert die Größe dieser IDAT-Fragmente und versucht die Daten mit einer Kombination aus LZ77- und Huffmann-Algorithmen zu komprimieren. Auch das Entfernen von Farbkorrekturen, etwa des Weißabgleichs, oder das Löschen des ICC-Farbprofils verringern die Größe. Während das Tool sich selbstständig um die Kompression kümmert, müssen Anwender die Farbkorrektur-Tilgung explizit beauftragen. Das Anpassen der Farbtiefe oder der Bildauflösung ist ebenfalls möglich, fällt jedoch bereits in den Bereich der Bildmanipulation.

Um eine PNG-Datei zu verkleinern, rufen Anwender »pngcrush« zusammen mit dem Namen der Quell- und der Zieldatei auf. Alternativ übergeben sie beim Start direkt ein ganzes Verzeichnis mit Bildern. In der Voreinstellung überschreibt die Anwendung die Originale nicht. Sie erwartet daher für Verzeichnisse mit mehreren Dateien die Option »-e« und eine neue Erweiterung des Dateinamens. Über alle Arbeitsschritte berichtet das Tool auf der Standardausgabe, sodass Benutzer stets im Bilde sind.

Mit PNG Crush reduzieren Anwender die Größe der Bildersammlung, ohne an Qualität einzubüßen. (U. Vollbracht/hej)

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