Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2013
© Bruce Rolff, 123RF

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Vier Zeitleisten-Tools im Test

Zeitreise

13 Tage lang drohte im Jahr 1962 der Ausbruch eines dritten Weltkriegs, aber was passierte wann in der Kubakrise? Und wie war noch gleich der zeitliche Ablauf der ersten Mondlandung? Vier Zeitleisten-Tools stellen komplexe Themen der Weltgeschichte und tagesaktuelle Ereignisse anschaulich dar.

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Zeitleisten bevölkern das WWW – und das nicht erst, seit Facebook von der Pinnwand auf die Chronik umgestellt hat. Onlinemedien, wissenschaftliche Einrichtungen und Privatanwender profitieren gleichermaßen von der anschaulichen Umsetzung abstrakter Zahlen und Fakten. Im besten Fall bindet der Zeitstrahl nicht nur Daten, sondern auch Fotos, Videos, Texte und Links zu externen Inhalten ein und erlaubt einen virtuellen Bummel durch die Geschichte.

Vier Zeitleisten-Tools treten in dieser Bitparade zur Zeitreise an: der kommerzielle Cloud-Dienst Dipity [1], das Simile-Widget Timeline [2], das Desktoptool The Timeline Project [3] und die Javascript-Bibliothek Timeline JS [4]. Unter Ubuntu 12.10 und Linux Mint Cinnamon zeigen die Kandidaten, wie gut sie mit modernen Browsern und Linux-Systemen zusammenarbeiten. Auch die Bedienung steht auf dem Prüfstand. Die Tester untersuchen, wie komfortabel die Daten in den Zeitstrahl wandern, welche multimedialen Inhalte dort erlaubt sind und wie benutzerfreundlich die Navigation ist. Last but not least stellen sie die Frage nach den Im- und Exportformaten.

Dipity

Die Firma Underlying Inc. aus San Francisco gründete Dipity [1] im Jahr 2007. Bei der kommerziellen Plattform handelt es sich um einen Cloud-Dienst, das heißt, dass alle Timelines auf dem Server des Anbieters verbleiben. Insgesamt fünf Tarifmodelle sind im Angebot. Der kostenlose, durch Werbung finanzierte Zugang heißt Personal und bietet drei Zeitleisten mit bis zu 150 Einträgen. Bindet der Anwender die Leiste in seine eigene Webseite ein, erlaubt Dipity maximal 5000 Abrufe beziehungsweise Einblendungen pro Monat. Auch der Upload ist begrenzt auf 50 MByte.

Die Bezahltarife Plus, Prime und Pro kosten rund 5 bis 100 US-Dollar monatlich. Das Plus-Modell erlaubt den Massenimport vorbereiteter Daten, bietet zehn Timelines mit unbegrenzten Einträgen und 10000 Aufrufen in eigenen Seiten. Die nächsten Stufen, Prime und Pro, enthalten 50000 und 100000 Einblendungen, unbegrenzte Zeitleisten sowie weitere Extras. Wer das Design seiner Zeitleisten ans eigene Corporate Design anpassen möchte, sollte den Partner-Tarif in Erwägung ziehen und dazu mit der Firma Kontakt aufnehmen [5].

Bereits ab der Plus-Variante surfen Anwender werbefrei, eingebettete Leisten verzichten auf Reklame ab Dipity Pro. Auch für die kommerzielle Nutzung ist mindestens Pro erforderlich. Ab diesem Modell steht der so genannte Kioskmodus zur Verfügung, der Zugriff auf die Bedienelemente des Browsers und auf die anderen Anwendungen unterbindet. Diese Betriebsart eignet sich somit ideal für Ausstellungen oder Museen, bei denen Besucher an einem PC selbst eine Zeitleiste durchforsten dürfen.

Im Auge des Betrachters

Dipity nutzt zur Darstellung gängige Webtechnologien wie HTML, CSS und Javascript/Ajax. Die Plattform arbeitet daher mit allen modernen Browsern (Firefox, Internet Explorer, Safari und Chrome) zusammen. Der Anbieter selbst empfiehlt für beste Ergebnisse Safari und Chrome.

Die Leisten sind schlicht gehalten. Am unteren Rand befindet sich ein schmaler Zeitstrahl. Er zeigt wahlweise Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte an, von 9999 vor bis 9999 nach Beginn der Zeitrechnung. Im großen Feld über dem Zeitstrahl platziert Dipity die eigentlichen Inhalte, Events genannt. Sie zeigen den Titel, das genaue Datum und eine Vorschau für Bilder und Videos (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Übersichtlich, bunt und mit mehreren Zoomstufen präsentiert sich der Cloud-Dienst Dipity. Neben der klassischen Ansicht bietet er eine Flipbook-, Listen- und Kartendarstellung.

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