Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2013

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Ffmpeg 1.0, Htppp, Lftp 4.4, Ncdu 1.9, Netstat-Monitor und Preziplayer 1.0.

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Ffmpeg 1.0

Multimediadateien konvertieren

Quelle: http://ffmpeg.org

Lizenz: LGPLv2.1, GPLv2

Alternativen: Perl Audio Converter

Audio- und Videodateien in andere Formate umwandeln, digitales Video- und Audiomaterial aufnehmen, streamen und in Containerformate verpacken – das alles und noch viel mehr leisten die Werkzeuge des Ffmpeg-Projekts, darunter das gleichnamige Kommandozeilentool, das auch das Aufnehmen und Kodieren von TV-Karten in Echtzeit unterstützt. Zudem enthalten ist Ffserver, ein HTTP-Multimedia- und RTP-/RTSP-Streamingserver für (Live-)Übertragungen.

Kürzlich veröffentlichten die Entwickler Version 1.0, die interessante neue Features enthält. Dazu zählt der Channelsplit-Audiofilter, der es ermöglicht, Audiostreams in mehrere einzelne Streams aufzuspalten. Außerdem unterstützt das Framework nun geschützte Streamingprotokolle, unter anderem RTMPS und RTMPE. Enthalten sind auch neue Dekoder zum Einlesen verschiedener Formate, beispielsweise MS ATC Screen, Opus, Canopus oder Cpia.

Filterfunktionen erweitern das Portfolio. So erkennt der Edge-Detection-Filter Kanten und zeichnet diese nach, während der Concat-Filter kurze Audiosegmente durch Einfügen von Ruhe erweitert.

Ffmpeg ist ein wahrer Tausendsassa, die Software konvertiert alle gängigen und auch eine Reihe exotischer Formate und sollte daher auf keinem (Multimedia-)Rechner fehlen. 

Lftp 4.4.0

Leistungsfähiger FTP-Client

Quelle: http://lftp.yar.ru

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Ncftp, Jftp

Der freie FTP-Client für die Konsole beherrscht neben den Standardprotokollen FTP und HTTP auch deren verschlüsselte Varianten FTPS und HTTPS, FXP, SFTP, Fish und Bittorrent. Lftp bietet sogar für alle Protokolle IPv6-Unterstützung. Über »get« - und »put« -Kommandos bewegen Anwender ihre Daten. Sämtliche Befehle dürfen sie auch in einer Warteschlange parken und damit sequenziell abarbeiten. Zudem ist es möglich, Aktionen zeitversetzt auszuführen und die Bandbreite anzupassen.

Die Konfiguration des FTP-Clients findet systemweit in »/etc/lftp.conf« statt. Benutzer tragen persönliche Vorlieben in »~/.lftprc« ein oder geben sie direkt beim Aufruf über Parameter an; »set -a« gibt einen Überblick über alle gesetzten Optionen.

Die Lftp-Entwickler veröffentlichen häufig neue Versionen, so verwundert es nicht, dass sich in den letzten Jahren sehr viel getan hat. Neben der erwähnten IPv6-Unterstützung hat der Client vor allem in Hinblick auf Bittorrent Fortschritte gemacht. Hierzu zählen Erweiterungen wie Fast, DHT, PEX oder Multitracker.

Die Funktionsvielfalt von Lftp überzeugt auf der ganzen Linie. Wer viele Daten überträgt, der profitiert vor allem von den zahlreichen Möglichkeiten zur Verbindungsverwaltung.

Netstat-Monitor 1.1rc1

Netzwerkverbindungen überwachen

Quelle: https://github.com/stalexan/netstat-monitor

Lizenz: AGPLv3

Alternativen: Netstat, Constat

Netstat-Monitor beobachtet die IP-Verbindungen auf allen Interfaces und schreibt seine Informationen auf die Standardausgabe. Diese sehen ähnlich wie bei »netstat -alp« aus, allerdings kann Netstat-Monitor die Anzeige aktualisieren und somit auch auf neue Verbindungen oder Statusänderungen von bestehenden hinweisen. Für den Betrieb sind Rootrechte erforderlich.

Jede Zeile der Netstat-Monitor-Ausgabe beginnt mit einem Zeitstempel, gefolgt vom Protokoll und dem Account. Danach kommen Start- und Zieladresse, der aktuelle Status und das laufende Programm mit allen Parametern. Die Stärke der Python-Anwendung liegt vor allem in der Filterfunktion. Anwender definieren die Regeln in einer Konfigurationsdatei und übergeben diese beim Start.

Jede Regel beschreiben Nutzer in einer eigenen Sektion, die mit einem eindeutigen Namen in eckigen Klammern beginnt. Bis zu zehn Parameter filtern nach Programmnamen, PID, Benutzer, Aufrufoptionen, Hostadressen, Ports und Verbindungsstatus. Die Quellen von Netstat-Monitor bieten vordefinierte Filter.

Netstat-Monitor beobachtet Verbindungen und beschränkt sich dank der Filter auf jene Daten, die der Anwender wirklich sucht.

Httppp 1.4.0

HTTP-Verbindungen analysieren

Quelle: http://httppp.g76r.eu

Lizenz: AGPLv3

Alternativen: Wireshark

Verbindungen im Netzwerk mitschneiden ist schnell erledigt. Zeitaufwändig gestaltet sich eher die anschließende Analyse der erfassten Daten. Speziell für HTTP-Verbindungen empfiehlt sich daher Httppp (HTTP Passive Probe). Bei der Analyse der Ergebnisse beachtet das Tool vor allem die Antwortzeiten von Anfragen, Statistiken erstellt es nicht.

Httppp begutachtet Mitschnitte im Libpcap-Format, wie beispielsweise Tcpdump oder Wireshark sie liefern. Das Tool filtert alle HTTP-Pakete heraus und ordnet den Anfragen die Antwortpakete zu. Außer den Standardinformationen wie Hostname, IP-Adresse und Returncode ermittelt es die Reaktionszeiten eines Servers. Im GUI navigieren Benutzer anschließend bequem durch die aufgezeichneten HTTP-Verbindungen und können die Paketdetails betrachten. Diese geben Aufschluss über die Start- und Zieladresse sowie die zugehörigen Ports und verraten, wann jeweils das erste und das letzte Byte übertragen wurde.

In drei frei definierbaren Feldern zeigen Anwender weitere Daten wie etwa Referer-Informationen, SOAP-Aktionen, »POST« - oder »GET« -Statements an. Was hier genau auftaucht, steuern reguläre Ausdrücke. Beispiele und Anschauungsmaterial liefert die Projekthomepage. Zusätzlich legen Benutzer über die kleinen Pfeile neben den Feldern fest, ob der Ausdruck für empfangene oder gesendete Pakete gelten soll. Fertige Tabellen exportiert Httppp ins CSV-Format.

Das Tool ist gut geeignet, um HTTP-Verbindungen zu analysieren. Die Oberfläche präsentiert sich übersichtlich und intuitiv gestaltet.

Ncdu 1.9

Disk Usage im Ncurses-Outfit

Quelle: http://dev.yorhel.nl/ncdu

Lizenz: MIT/X

Alternativen: Du, Di

Um den Platzverbrauch von Dateien und Verzeichnissen auf der Konsole zu ermitteln, ist Disk Usage das Werkzeug der Wahl. Etwas mehr Komfort und Übersicht bietet allerdings Ncdu. In der Ncurses-Oberfläche navigieren Nutzer durch den Verzeichnisbaum, sortieren die Anzeige nach ihrem Geschmack und speichern die Ergebnisse sogar ab.

Ohne Parameter aufgerufen berechnet das Programm den Bedarf des aktuellen Verzeichnisses samt Unterordnern. In der Voreinstellung erscheinen die größten Objekte ganz oben. Wer möchte, der kann die Sortierreihenfolge umkehren oder Inhalte alphabetisch anordnen. Eine Prozentangabe und eine Art Balken aus Rautezeichen weisen darauf hin, wo die speicherhungrigsten Komponenten liegen. Eine Aktualisierung der Anzeige ist derzeit nicht möglich. Die Navigation zu Unterverzeichnissen erfolgt über die vom Editor Vi gewohnten Tastenkombinationen.

Die aktuelle Ncdu-Version unterstützt erstmalig das Abspeichern der aktuellen Zustände. Die so entstandenen Dateien dürfen Anwender jederzeit wieder mit dem Tool öffnen und damit vergangene Belegungen nachvollziehen. Das Feature bietet sich geradezu an, um mit Cron zusammen regelmäßig den Speicherverbrauch auf Servern zu protokollieren. Eine verbesserte Erkennung von Hardlinks haben die Entwickler ebenfalls implementiert. Das Werkzeug berechnet nun deren Platzbedarf korrekt und kennzeichnet sie mit einem »H« .

Ncdu zeigt übersichtlich und strukturiert den Platzbedarf von Dateien und Verzeichnissen an. Gut gefällt vor allem die neue Speicherfunktion.

Prezi Player 1.0

Prezi-Präsentationen offline

Quelle: https://github.com/TomFreudenberg/preziplayer

Lizenz: GPL

Alternativen: keine

Das Präsentationstool Prezi läuft als Webanwendung im Browser und nutzt dazu die Flash-Technologie. Was aber, wenn beim Vortrag die Internetverbindung fehlt? Das Shellskript Prezi Player schafft Abhilfe und erlaubt es Anwendern, ihre Präsentationen offline zu halten. Nach dem Start erfragt ein Dialogfenster den Ort der Präsentationsdatei, entpackt diese danach in einem temporären Verzeichnis und startet den Miniwebserver Weborf.

Das folgende Auswahlmenü bietet dem Benutzer an, den Vortrag im Browser über den lokalen Webserver zu öffnen oder die gezippte Präsentationsdatei zu verkleinern beziehungsweise ein Archiv für die eigene Webseite zu erstellen. Beim Verkleinern entfernt das Werkzeug Ballast wie die ausführbare Windows-Datei »prezi.exe« , das Verzeichnis »MacOS« und so weiter. Auch eine Sicherungskopie des Originalinhalts legt Prezi Player an. Die Präsentation läuft im Standardbrowser unter »localhost:12345« .

Der Player selbst besitzt kaum Abhängigkeiten. Außer dem erwähnten Webserver benötigt das Tool lediglich Zenity zum Erzeugen der Dialogfenster sowie Zip/Unzip, um mit den Prezi-Archiven umzugehen. Wer Zip-Archive für die eigene Webseite bauen möchte, der sollte außerdem die Gettext-Bibliothek installieren. Alle genannten Bestandteile gehören zum Standardumfang der meisten Distributionen.

Prezi-Vorträge ganz ohne Internetverbindung – das erlaubt dieses praktische Werkzeug. So greifen Anwender auf die beliebte Cloudsoftware jederzeit und überall zu.

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