Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2012
© Markus Feilner

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KDE-Akademy 2012 in Estlands Hauptstadt Tallinn

Steiniger Weg

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Anwenderkritik, Probleme mit mobiler Hardware und sozialen Netzen standen im Mittelpunkt des zehnten Entwicklertreffens der KDE-Community. Dabei hat das Projekt auf seinem Weg – ganz ähnlich wie der Gastgeber Estland – aber auch einige Erfolge vorzuweisen.

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Tallinn, Estland. Nach dem finnischen Tampere (2010) und einem Abstecher nach Berlin im vorigen Jahr zog es die KDE-Community Ende Juni ins Baltikum. Das ehemalige Ostblockland ist eins der kleinsten und jüngsten Mitglieder der Euro-Zone und verteilt gerade mal so viel Einwohner wie München (1,3 Millionen) auf etwa der Fläche der Schweiz [1].

Kuriose Mischung

Neben nordischen Buchtenlandschaften, ausgedehnten Kiefernwäldern, endlosen Schotterpisten und schnurgeraden Highways (Abbildung 1) findet der Besucher allerorts zahlreiche Erbschaften aus der langen sowjetisch-russischen Besatzungszeit vor (Abbildung 2), während die mittelalterliche Altstadt Tallinns von der Hanse und der Ostkolonialisierung des Deutschen Ordens geprägt ist. In den Plattenbauten, die das Weltkulturerbe am Bottnischen Meerbusen wie einen Ring umgeben, liegt auch ein Gebäude der Universität: Das IT-College von Tallinn [2], in dem die Organisatoren des KDE e.V. mehrere Räume für eine Woche belegt hatten (Abbildung 3).

Abbildung 1: Estland: Skandinavische Küstenorte, das hanseatisch-deutsch geprägte Tallinn und amerikanisch anmutende Highways.

Abbildung 2: Auch das ist Estland: Sozialistische Plattenbauten und russische Altlasten.

Abbildung 3: Verkehrsschilder weisen den Weg zu einem der unzähligen freien Wifi-Hotspots Estlands. Die brauchen die Besucher der Akademy im großen Hörsaal des Estonian IT-College nicht, hier gibt es zwei Ethernet-Ports und Stromanschluss an jedem Sitz. Rechts winken die Akademy-Besucher beim traditionellen Gruppenfoto.

Die estnische Republik ist so jung wie Linux

Esten nennen ihr Land gerne E-Estland, analog zur E-Mail, und das nicht ohne Grund. In Tallinn hat Skype seine Firmenzentrale, im ganzen Land gibt es freies und kostenloses WLAN, auf das Straßenschilder und sogar Markierungen in den Wanderkarten der Nationalparks hinweisen.

Der gläserne Bürger ist Realität, mit einem Chip im Pass buchen Esten Nahverkehrstickets und erledigen Arztbesuche oder die Steuererklärung online – der Este vertraut seinem jungen Staat. Den gibt es ja erst seit 1991, dank einer unblutigen "singenden" Revolution [3]. Da kam die erste Keynote bei der Akademy gerade richtig: Der schwedische Anwalt Mathias Klang (Abbildung 4) rief die anwesenden Entwickler auf, der "Tivoisierung" des digitalen Alltags Einhalt zu gebieten, mit der Anspielung auf die bei amerikanischen TV-Nutzern verbreiteten Festplatten-Settop-Boxen (Tivos).

Abbildung 4: "Freiheit ist wertlos ohne den darunter liegenden Code. Hört nicht auf, vor Facebook, Twitter & Co. zu warnen!", fordert Mathias Klang.

Darunter versteht er aber nicht die Always-on-Mentalität, sondern die Tatsache, dass immer mehr Menschen das Internet nur als ein Konglomerat aus sozialen Webdiensten sähen, das es nur zu bedienen, aber nicht zu verstehen gelte. Wie Schafe ließen die Anwender es zu, sich von Facebook, Twitter & Co. in "eingezäunte Gärten und Datensilos" zwängen zu lassen, aus denen es kein Entrinnen mehr gebe. Das liegt Klang zufolge hauptsächlich an mangelnder Offenheit der Anbieter: Dem User bleibt es in der Regel verborgen, was hinter den Vorhängen geschieht.

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