Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2012
© Wa54, Photocase.com

© Wa54, Photocase.com

Uranos: Installationsserver mit Extras

Ruhe finden trotz Zoo

Mit dem Durchbruch der Virtualisierung sind Menge und Artenvielfalt der Betriebssysteme, die ein Admin zu installieren hat, nicht eben geringer geworden. Ein Server mit dem schönen Namen Uranos will dem Verwalter größerer Betriebssystem-Zoos wieder Freiräume verschaffen.

755

Der spätere Uranos-Entwickler Mario Gzuk stand eines Tages vor der Aufgabe, eine bunte Menge von Betriebssystemen möglichst ohne manuellen Eingriff installieren zu müssen. Eigentlich wollte er dies gern mit Unattended [1] erledigen, einer Linux-Software, die diverse Windows-Systeme vollautomatisch auf einen Rechnerpool ausrollt.

Ihn störten jedoch die fehlende Oberfläche und einige andere Aspekte. Wie schon oft in der Freie-Software-Szene geschehen, machte sich Gzuk kurzerhand daran, ein eigenes Framework (aufbauend auf Unattended) zu entwickeln: Uranos [2], zur Namensgebung siehe Kasten "Griechische Tragödie".

Griechische Tragödie

Uranos symbolisiert in der griechischen Mythologie den Himmel in Göttergestalt und ist einer der Protogenoi, der ältesten Götter der Elemente. Mit ihm, dem Erstgeborenen der Erdgöttin Gaia, den sie ohne Begattung durch Eros im Schlafe gebar, kam das männliche Element in die Welt.

Entgegen modernen Moralvorstellungen zeugte Uranos mit seiner Mutter viele Nachkommen, zuerst die Titanen, drei Kyklopen und drei Hekatoncheiren. Alle diese Kinder waren ihm verhasst, er verbarg sie in der Tiefe der Erde, im Tartaros. Die erzürnte Gaia besorgte daraufhin Adamas, das unbezwingliche, dem Menschen nicht zugängliche Metall, und fertigte daraus eine gewaltige Sichel. Mit der entmannte der Titan Kronos bei nächster Gelegenheit seinen Vater. Letztes Vaterglück im Unglück für den ersten Mann der Welt: Aus dem Samen des abgeschnittenen Geschlechts, das ins Meer fiel, entstand Aphrodite.

Welche Aspekte von Uranos' starkem Wirken den Programmierer der gleichnamigen Software inspiriert haben, war im Rahmen dieses Artikels nicht zu ermitteln. Auf jeden Fall legt der Namen die Latte der Erwartungen hoch.

Gegen Uranos man mag einwenden, dass Linux-Distributionen eigene Deployment-Möglichkeiten offerieren, etwa Kickstart oder Preseeding, und auch Windows mit Microsofts eigenem Installserver einen Weg auf Zielsysteme findet. Die Praxis aber zeigt, dass sich die verschiedenen Installationsserver gerne ins Gehege kommen und dass sich die zentrale Administration eines vielgestaltigen Rechner-Zoos stets schwierig gestaltet.

Hier setzt Mario Gzuk an, um mit Uranos eine einheitliche Plattform zu schaffen. Das System bietet Admins zudem eine grafische Verwaltungsoberfläche, eine Inventarisierung der Systeme und eine Softwareverteilung.

Die Architektur

Uranos besitzt ein Web-GUI und ist in PHP geschrieben. In der Minimalausstattung benötigt es PHP, einen Webserver und eine Datenbank, genauer: MySQL, PostgreSQL oder Microsoft SQL Server. Die Schnittstelle zu MySQL ist am ausgereiftesten und daher zu bevorzugen. Uranos besteht aus Modulen (Tabelle 1), die der Admin bei Bedarf nachinstalliert und aktiviert. Für die Aufgabe als Installationsserver reichen die Module PXE (für die TFTP-Struktur), Computer (zum Verwalten der zu installierenden Systeme) und Installation (verwaltet die Betriebssysteme und Festplattenpartitionen).

Tabelle 1

Uranos-Module

Modul

Funktion

Calendar

Kalenderverwaltung

Computer

Verwaltet die von Uranos betreuten Systeme sowie Inventory

Cron

Einstellungen des Cron-Daemon

DHCP

Verwaltet den DHCP-Server mit LDAP-Backend

DNS

Verwaltet den DNS-Server mit LDAP-Backend

FreeRadius LDAP

Verwaltung eines Free-Radius-Servers mit LDAP-Backend

Fusioninventory

Erweitertes Hard- und Software-Inventory

LDAP

Ein LDAP-Webfrontend

Licenses

Lizenzverwaltung

Locations

Standortverwaltung

PXE

Verwaltet den TFTP-Bootmenü-Baum und dessen Einträge

quwiki

Ein Wiki zum Dokumentieren der Installation

Search

Volltextsuche über die gesamte Uranos-Datenbank

SSH-Client

Ein Web-basierter SSH-Client zum Dateisysteme-Zugriff per SCP und SFTP

Switch

Verwaltet Switches per SNMP

Syslog-NG

Verwaltet die Syslog-Einstellungen

Installation

Definition der Betriebssysteme und Festplattenpartitionierungen

User Settings

Einstellungen zur Benutzung des Web-GUI pro Benutzer

Zu einem Installationsserver gehören auch ein DHCP- und ein TFTP-Server für den Netzwerkboot und damit automatische Installationen. Uranos verwaltet dabei ein TFTP-Rootverzeichnis, das mittels des Syslinux-Pakets eine Menüstruktur anbietet beziehungsweise spezifische Einträge für zur Installation bestimmte Hosts bereitstellt. In der Einrichtung des DHCP-Servers genügt es, dass die TFTP-Konfiguration (Parameter »filename« und »next-server« , wenn der DHCP-Server nicht auf dem Uranos-Host läuft) auf den Uranos-Server und die Startdatei »pxelinux.0« zeigt.

Das Rechtekonzept

Damit der Webserver, der die anderen Dienste konfiguriert, nicht die Berechtigung besitzen muss, auf die Konfigurationsdateien von DHCP- oder DNS-Servern zuzugreifen, benötigen diese ein LDAP-Backend, auf das Uranos dann wieder nach Angabe eines LDAP-Accounts mit den entsprechenden Berechtigungen zugreifen kann. Dabei darf der LDAP-Server auch auf einem anderen Host liegen, solange er erreichbar ist.

Die Benutzer verwaltet Uranos in der verwendeten Datenbank. Zur Authentisierung verpflichtet es aber auch einen vorhandenen LDAP-, Radius- oder einen IMAP-Server. Zur Software-Installation bedarf es noch eines Samba-Servers für Windows-Systeme, optional für Linux-Systeme auch eines NFS-Servers.

Wenn die Installationsdateien nicht für jeden Client aus dem Internet zu holen sind, reicht für die meisten Linux-Distributionen ein lokaler Webserver. Wer das Switch-Verwaltungsmodul einsetzen will, muss zudem das Paket »php5-snmp« (so lautet der Name bei Ubuntu) installieren, das für SNMP-Abfragen zuständig ist.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus

Ausgabe 04/2017

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.