Open Source im professionellen Einsatz

Fanurio

Der zweite Kandidat wendet sich an kleine Unternehmen mit heterogener Rechnerlandschaft. Das Java-Programm aus der rumänischen Softwareschmiede Fanurio Time Tracking gibt es als fertige Installationspakete für Ubuntu, Windows und Mac OS X. Darüber hinaus steht ein plattformunabhängiges Tar.gz.-Archiv zum Download bereit.

Lizenzen gelten pro Nutzer und kosten rund 60 Euro. Anwender dürfen das Tool also auf mehreren Rechnern und Plattformen einsetzen. Im Preis inbegriffen sind ein Jahr Support sowie Updates. Eine Verlängerung für ein weiteres Jahr kostet je nach Modell zwischen rund 20 und 30 Euro. Anwender dürfen die Software 15 Tage kostenlos testen.

Auch wenn Fanurio deutlich komplexer ist als Project Hamster, wirkt die Oberfläche doch aufgeräumt und zeitgemäß. Schaltflächen wie »Rechnungen« und »Zahlungen« weisen schon darauf hin, dass das Tool mehr als reine Zeiterfassung zu bieten hat.

Direkt nach der Installation fordert Fanurio den Anwender dazu auf, grundlegende Einstellungen vorzunehmen. Dazu gehört auch die Lokalisierung, die aber nicht vollständig geglückt ist. Auch nach dem Umschalten auf Deutschland als Gebietsschema stolpert der Nutzer in vielen Menüs über englische Artfakte.

Der nächste Schritt führt zum Menü »Geschäft« , in dem der User Details zur Firma einträgt (siehe Abbildung 4). Ein Assistent hilft dabei, die Mehrwertsteuer korrekt auf den Rechnungen auszuweisen. Auch die Kunden und die Projekte erstellen Benutzer im Einrichtungsdialog – insgesamt also etwas mehr Vorarbeit als bei Project Hamster.

Abbildung 4: Fanurio erfasst nicht nur die Zeit, sondern rechnet auch genau nach Dienstleistungen und Projekten für unterschiedliche Kunden ab. Sämtliche Einstellungen zum eigenen Angebot nehmen Anwender im Konfigurationsdialog zur eigenen Firma vor.

Während Project Hamster und auch die Android-Zeiterfassung überlappende Einträge weitgehend vermeiden, schluckt Fanurio konkurrierende Zeitangaben ohne Protest und ohne Rückmeldung an den User. Andererseits fordert das Programm oft Reaktionen des Anwenders ein – selbst wenn er den Timer anhält, fragt ein Dialogfenster nach einer Bestätigung per Mausklick. Der Gedanke dahinter ist wohl, dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, Korrekturen der Einträge vorzunehmen oder Notizen und Bemerkungen hinzuzufügen. Dennoch erscheint dies im Alltag oft als lästiger Mehraufwand.

Multitasking

Fanurio arbeitet unabhängig von der Plattform und vom Desktop. Als Konsequenz vermisst das Tool spezielle Fähigkeiten und erkennt verschiedene Arbeitsflächen nicht. Zudem fehlen Features, die ein Icon ins Panel oder Dock integrieren. Stattdessen bietet die Zeiterfassung einen Minimodus, in dem sie wenig Platz wegnimmt.

Eine Erinnerungsfunktion ermahnt den Nutzer regelmäßig dazu, den Timer zu starten, ihn zu beenden oder nach einer Pause weiterlaufen zu lassen (Abbildung 5). Die erfassten Arbeitszeiten legt das Tool in einer HyperSQL-Datenbank (Version 1.8.0) ab. Sie steckt normalerweise in »~/.fanurio/data« . Soll das Tool auf mehreren Rechnern Zeiten erfassen, raten die Entwickler, die Datei via USB-Stick oder Dropbox zu synchronisieren.

Abbildung 5: Nörgeln inklusive: Fanurio erinnert den Nutzer daran, dass er unproduktiv war.

Für den Im- und Export ist auch gesorgt. Fanurio liest CSV-Dateien und das Apple-Adressbuch ein und macht auch vor Zeiten nicht halt, die der Anwender mit I-Time-Sheet, Time Logger, Time Tracker, Toggl, Freckle und Biz Track It erfasst hat. Selbst protokollierte Tätigkeiten exportiert das Tool nach Excel, CSV und XML, eingegangene Zahlungen und gestellte Rechnungen nach Excel und CSV.

Die Zeiterfassung integriert unter Windows die Buchhaltungssoftware Quick Books von Lexware [11]. Diese Zusammenarbeit richten Anwender entweder über einen Assistenten oder im Konfigurationsdialog auf dem Reiter »Third Party« ein.

Aber auch ohne Zusatzsoftware erleichtert Fanurio die automatische Rechnungsstellung. Der Benutzer bestimmt einen Kunden aus seiner Sammlung, klickt auf »Neue Rechnung« und wählt die erfassten Leistungen aus. Die fertigen Abrechnungen trägt das Java-Programm in eine Liste ein, die Benutzer über die Schaltfläche »Rechnungen« einsehen (Abbildung 6). Von Haus aus exportiert Fanurio die Rechnungen ins PDF- und HTML-Format; zusätzliche Templates für mehrere Officeformate, XML, reinen Text und Latex finden Nutzer unter [12].

Abbildung 6: Fanurio ersetzt den Buchhalter: Das Programm automatisiert die Rechnungsstellung, beachtet die korrekten Rechnungsnummern und Mehrwertsteuersätze und exportiert die fertigen Schriftstücke in mehrere Formate.

Eine Statistikfunktion wie Project Hamster bietet Fanurio nicht. Dafür fertigen seine Nutzer über das Menü »Bericht« Zusammenfassungen ihrer Tätigkeiten samt Beschreibung, Zeitangaben und Gewinnermittlung an.

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