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Linux-Magazin 05/2012
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Spaltenweise

Die Ausgabe von Vmstat erfolgt dabei standardmäßig in sechs Spalten. Der erste Teil »procs« enthält die Werte »r« für die Anzahl der auf CPU-Zeit wartenden Prozesse, während »b« für die Prozesse steht, die sich in einem schlafenden Zustand befinden, der sich nicht unterbrechen lässt.

Die Spalte »memory« enthält unter »swpd« die Summe des genutzten virtuellen Speichers, »free« steht für die Summe des bisher ungenutzten RAM, »buff« für den Speicher, der als Buffer genutzt wird, und »cache« entsprechend für den als Cache verwendeten.

Der »swap« -Bereich der Ausgabe nennt mit »si« den Speicher, den Linux pro Sekunde von der Festplatte in den RAM schaufelt (Swap-in), »so« betitelt den umgekehrten Vorgang (Swap-out). Die Spalte »io« macht deutlich, wie viele Blocks das System pro Sekunde liest (»bi« ) und schreibt (»bo« ). Ein Blick auf den »system« -Bereich zeigt hingegen die Anzahl der Interrupts (»in« ) und Context-Switches (»cs« ) pro Sekunde.

Die letzte Spalte namens »cpu« ist recht ausführlich und gibt Werte in Prozent an: »us« zeigt den Anteil der CPU-Zeit, die Prozesse aus dem Userspace beanspruchen, »sy« ist der Messwert für die CPU-Zeit, die der Kernel für das Bearbeiten von Systemvorgängen benötigt. Die Angabe »id« bezeichnet die Idle-Time. Der letzte Wert der aktuellen Spalte, »wa« , gibt die Prozesse an, die auf Input- oder Output-Vorgänge warten.

Das Kommando »vmstat 1 5« lässt das Programm mit einer sekündlichen Aktualisierungsrate und fünf Ausgabezeilen laufen (Abbildung 2). In diesem Beispiel kommt es zweimal dazu, dass Prozesse auf CPU-Zeit warten und Linux gleichzeitig Daten von der Festplatte einliest (erste Ausgabezeile). In dem abgebildeten Beispiel sorgte das Kommando »updatedb« auf einem älteren Ubuntu 8.04 für die Ein- und Ausgaben sowie für die wartenden Prozesse.

Abbildung 2: Vmstat mit fünf Ausgabezeilen, die sich sekündlich aktualisieren.

Eine nützliche Vmstat-Option ist »-d« für Disk Statistics, sie führt zu einer leider etwas unübersichtlichen Zusammenfassung der I/O-Vorgänge im RAM und auf den Festplatten. Der Befehl »vmstat -s« zeigt Werte zu CPU- und Speichervorgängen in Listenform, was die Ausgabe für die automatisierte Auswertung durch Skripte brauchbar macht. Als interessantes Extra bietet Vmstat die Option »-p« , gefolgt von der Angabe einer Partition. Damit zeigt das Programm ausschließlich Zahlen zu den Lese- und Schreibvorgängen auf der gewählten Partition.

Vmstat erfreut sich zwar großer Beliebtheit im täglichen Einsatz. Seiner Funktionsvielfalt stehen aber Mängel bei der Darstellung gegenüber, es fehlt die klare Übersichtlichkeit.

Iostat

Während Vmstat sich vielseitig gibt, konzentriert sich Iostat [2] auf die Ein- und Ausgabe-Operationen eines Linux-Systems. Das Tool zeigt auch ohne Kommandozeilen-Optionen eine aussagekräftige Statistik. Die Zeile »avg-cpu« enthält Statistiken zu den CPUs und gibt einen Einblick in die allgemeine Auslastung. In Abbildung 3 scheint das System nicht viel zu tun zu haben: Die CPUs befinden sich zu rund 84 Prozent im Idle und nicht einmal ein Prozent der Prozesse wartet auf I/O. Sind wie hier mehrere CPUs vorhanden, zeigt Iostat die Durchschnittswerte über alle.

Abbildung 3: Iostat informiert über CPUs und eingehängte Blockgeräte.

Anders sieht es mit der Auslastung bei den Blockdevices aus: Hier stellt die Spalte »tps« die Transfers pro Sekunde dar, die mit I/O-Anfragen an das Gerät gleichzusetzen sind und im Beispiel eine höhere Aktivität aufweisen. Die Spalte »Blk_read/s« bezeichnet die Anzahl der Blöcke, die Linux pro Sekunde vom angegebenen Gerät liest. Mit einem Block sind in der Regel 512 Byte gemeint. Unter »Blk_wrtn/s« stehen die Schreibzugriffe in der gleichen Maßeinheit, während die letzten beiden Spalten »Blk_read« sowie »Blk_wrtn« Gesamtstatistiken seit dem letzten Systemstart darstellen.

Der Aufruf von Iostat ohne Parameter gibt einen guten Überblick über das I/O-Geschehen. Bei Virtualisierung ist für Anwender zusätzlich der Wert »steal« von Interesse: Er zeigt an, wie viel Zeit die virtuellen Prozessoren mit unfreiwilligem Warten auf den Hypervisor verbringen. Wer die dargestellten Zahlen zu groß und somit zu unleserlich findet, der kann die Ausgabe per »iostat -m« auf MByte trimmen.

Weiteres Feintuning erreicht der Admin mit der Angabe des Parameters »-p« und der zu überwachenden Partition. Das Kommando »iostat -c« zeigt ausschließlich CPU-Werte an. Wer nicht an den Zahlen für die Blockdevices interessiert ist, kann sich damit unnötige Zeilen sparen. Für mehr Übersicht bei den Blockgeräten sorgt »iostat -d« , das die CPU-Statistiken versteckt. Natürlich lassen sich die Parameter auch kombinieren: »iostat -d -p drbd4« zeigt nur an, was gerade auf dem Device »drbd4« los ist.

Iostat unterstützt auch per NFS eingehängte Dateisysteme. Mit »iostat -n« lässt der Admin eine Übersicht erstellen, die alle eingehängten NFS-Verzeichnisse sowie den aktuellen Traffic in Blöcken und KByte pro Sekunde angibt. Wer mehr Details zum I/O-Geschehen benötigt, dem sei die Manpage ans Herz gelegt. Dort finden sich weitere nützliche Schalter wie etwa »-x« , der die Statistikanzeige um zahlreiche Werte erweitert.

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