Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2012
© suze, photocase.com

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Report: Unbeaufsichtigte Backups

Retten ohne Personal

Eine Herstellerumfrage soll herausfinden, wie Admins typischer KMU-Umgebungen rotierende Backups so organisieren können, dass sie selbst in den normalen Prozess nicht eingreifen müssen.

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Moderne Netzwerkbackup-Programme lassen sich nicht mehr intuitiv bedienen – zu vielfältig sind die Konfigurationsmöglichkeiten. Das Linux-Magazin hat darum die Hersteller und Projekte wichtiger Programme befragt, wie ein Setup für zum Beispiel eine Büroumgebung aussehen müsste, bei dem – einmal eingerichtet – der Admin keine Routineaufgaben mehr erledigen muss.

Die Vorgaben waren: wöchentliches Vollbackup, täglich ein inkrementelles, Backupmedium soll ein NAS sein, angesprochen per NFS oder Samba. Die Software soll automatisch alte Sicherungen herausrotieren, sodass das Zielmedium nicht vollläuft. Hier die Antworten.

Amanda

Die freie Backupsoftware Amanda [1] sichert normalerweise auf ein Bandlaufwerk. Für die geforderte Aufgabe würde ich das NAS per NFS am Backupserver anbinden und darauf anhand von [2] so genannte Virtual Tapes anlegen. Es entsteht eine virtuelle Bandbibliothek, deren Bänder Verzeichnisse auf dem NAS sind; »tpchanger "chg-disk:/Pfad_zu_Vtapes"« bindet den virtuellen Changer in die Amanda-Config ein.

Zum Beispiel »amtape« macht es möglich, solche Bänder in den Changer einzulegen oder sie zu wechseln. Entsprechend eingestellt erledigt Amanda das automatisch passend zum geforderten Tape, was tägliche Eingriffe unnötig macht. Da ich die Größe der Bänder selbst definiere, kann ich leicht beeinflussen, wie viel Platz Backups maximal belegen, ich baue einfach zehn Bänder à 100 GByte.

Beim Thema Vollbackup unterscheidet sich Amandas Philosophie [3] von den klassischen Backup-Schemata. Ich definiere darum beispielsweise:

  • Es gibt »$tapecycle« Bänder.
  • Mein »$dumpcycle« ist »7 days« .
  • In dieser Zeit führe ich an den Werktagen »$runspercycle« Sicherungsläufe aus.

Das heißt, dass Amanda versucht von jeder DLE (Disk List Entry) innerhalb des »$dumpcycle« zumindest eine Vollsicherung zu machen. Eine DLE entspricht vielleicht einem Verzeichnis oder einer Partition, die ich sichern will und in die Amanda-Diskliste eintrage.

An welchem der Wochentage Amanda die Vollsicherung anfertigt, ist nicht definiert. Ein Algorithmus bestimmt den Zeitpunkt dynamisch. Ein Estimate-Lauf prüft vorab, wie voll die zu sichernden Verzeichnisse sind und wann welche zuletzt full-gesichert wurden. Aus dem Ergebnis der Prüfung und aus meinen Vorgaben kalkuliert Amanda den Schedule für heute. Ziele sind eine ungefähr gleichbleibende Bandfüllung zu erreichen, eine vorhersehbare Backupdauer und die gestellten Aufgaben zu erfüllen.

Mit »amadmin Config force DLE« darf ich jedoch dem Scheduler mitteilen: "Ich wünsche beim nächsten Lauf ein Full Backup dieser DLE." Wenn alle meine DLEs auf ein einzelnes virtuelles Tape passen, würde in einem Freitags-Cronjob »amadmin daily force myserver« für alle DLEs ein Level-0-Backup erzwingen.

Da ich mit Amanda aber keinen einzelnen Tag mit Vollsicherung aller DLEs haben muss, darf die Summe der DLEs größer sein als ein Medium. Sofern ich ausreichend Medien in meiner Rotation habe, verteilt der Algorithmus die Backups über meine Tapes: Das Full Backup von »DLE1« landet vielleicht auf Band 12, das von »DLE2« auf Band 08. Ich sichere also mit relativ vielen und relativ kleinen Medien größere Datenmengen.

Für das vorgegebene NAS-Szenario ist das unproblematisch, weil ja alle Bänder auf ein und demselben NAS liegen und nicht "entnommen" werden. Listing 1 benutzt zehn Tapes auf dem NAS. Zwei Cronjobs würden es täglich starten:

# Morgendlicher Prüflauf, optional
0 9 * * 1-5 /usr/sbin/amcheck -m daily
# abends das Backup
00 22 * * 1-5 /usr/sbin/amdump daily

Nach einer Einlaufphase von zirka ein bis zwei »$dumpcycle« dürfte der Algorithmus die DLEs ausbalanciert haben. Das lässt sich zum Beispiel per »amadmin daily balance« sichtbar machen.

Listing 1

daily für Amanda

01 dumpcycle 7     #
02 runspercycle 5  # an 7 Tagen in der Woche läuft eine Sicherung
03 tapecycle 10    # 10 Bänder in meinem Changer
04 tapetype HARD-DISK
05 tpchanger "chg-disk:/Pfad_zu_Vtapes"  # laut Link angelegt
06
07 define tapetype HARD-DISK {
08     comment "Dump onto hard disk"
09     length 100 gb
10 }

Stefan G. Weichinger hat die auf Backupsoftware spezialisierte Firma Oops! [4] gegründet und ist seit Anfang 2004 Mitglied des Amanda-Core-Teams.

Arkeia

Das als Softwareversion, physikalische oder virtuelle Appliance verfügbare Arkeia [5] lässt sich einfach über einen Webbrowser administrieren. Per E-Mailing informiert es über den Verlauf der Backups. Einmal eingerichtet, erstellt und verwaltet Arkeia vollautomatisch volle, inkrementelle oder differenzielle Backups. Die Lebensdauer der Backupsets bestimmt der Benutzer selbst. Ist eines abgelaufen, entfernt es die Software aus der Datenbank. Die Backups finden – einmal eingerichtet – also automatisch über Jahre hinweg statt.

Arkeia sichert auf vom Backupserver erreichbare Storages (NAS, Shares oder lokale Platten) oder Bandlaufwerke. Daten lassen sich auch erst auf Disk und dann auf Tape oder Cloud speichern (D2D2T/D2D2C). Ein Restore einzelner Dateien, Verzeichnisse oder ganzer Backups passiert wieder über einen Browser und läuft dann automatisch ab.

Karsten Ehmann ist Regional Manager bei Arkeia Software und verfügt über Linux-Kenntnisse und mehr als zehn Jahre Erfahrung mit Speicher-Anwendungen.

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