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Linux-Magazin 04/2012
© manun, photocase.com

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Klaus Knopper über sein neues Linux

7-Punkt in voller Blüte

Zur Cebit bringt Klaus Knopper stets eine Release seiner Distribution heraus – abermals exklusiv in der DELUG-Ausgabe dieses Linux-Magazins. In dem folgenden Artikel erzählt er, welche herausragenden Dinge die runde Nummer 7.0 rechtfertigen.

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Die Idee hinter Knoppix [1] war und ist, den Rechner direkt vom Live-Medium DVD oder USB-Stick zu starten und sofort arbeiten zu können, ohne sich einloggen, irgendwelche Fragen beantworten oder Konfigurationsarbeiten ausführen zu müssen (Abbildung 1). Der Normalnutzer braucht auch nicht auf Sicherheitsaspekte bei der Installation zu achten, denn ich habe alles sorgsam vorkonfiguriert. Beim Zusammenstellen auch dieser DVD habe ich trotzdem wieder darauf geachtet, so nah wie möglich am originalen Debian zu bleiben. Die Basisdistribution für Knoppix-7.0-Upgrades ist Debian Squeeze, mit einzelnen Paketen aus Debian Testing und Unstable ("Wheezy").

Abbildung 1: Nach dem Systemstart, der schneller geht als früher, finden sich Knoppix-Anwender auf einem aufgeräumten, aber fertig konfigurierten LXDE-Desktop wieder.

Zwei heftige interne Änderungen

Mit der neuen Version stellt Knoppix sein Bootsystem völlig um: Die Hardwareerkennung initialisiert zunächst alle Subsysteme, die für das interaktive Arbeiten in Grafikoberfläche oder Textkonsole notwendig sind, um einige Abläufe zusätzlich zu parallelisieren. Der Rest der Hardwareerkennung – Netzwerk, andere angeschlossene Geräte – findet statt, während die Benutzeroberfläche bereits läuft. Das beschleunigt den Bootvorgang wieder etwas, was besonders auffällt, wenn Knoppix, was ausdrücklich zu empfehlen ist, von einer USB-Flashdisk startet, sodass keine Mechanik von Schreib-Leseköpfen das System ausbremst. Allein das Ausmaß dieser Änderungen am Bootsystem rechtfertigen meines Erachtens Knoppix' Versionssprung auf 7.0.

Außerdem habe ich beschlossen, das System vom reinen 8-Bit-ISO-Encoding auf UTF-8 umzustellen. Knoppix folgt damit dem Trend der meisten Distributionen, die Mehrsprachigkeit unterstützen. Zuvor musste ich zudem feststellen, dass eine Menge GTK-Programme die ISO-Latin-Kodierung offenbar gar nicht mehr unterstützen: Einige wollten gar nicht erst starten, andere produzierten Fehler beim Schreiben ihrer Konfigurationsdateien (Stopmotion) oder zeigten statt den Umlauten andere Zeichen an (Network-Manager). Wegen UTF-8 und den dazu passenden Zeichensätzen musste ich einige Knoppix-typische Skripte redesignen und von Xdialog auf Zenity [2] migrieren.

Die Highlights der 7.0

Die Liste aller Aktualisierungen für das neueste Knoppix ist lang, ich will nur einige Dinge nennen, die mir besonders wichtig erscheinen:

  • Kernel 3.2.4 in 32 und 64 Bit.
  • Xorg 7.6 Core 1.11.3 mit ausschließlich freien Treibern für Chips von Nvidia, ATI/AMD, Intel und einigen mehr.
  • »lxrandr« im Lxpanel zum nachträglichen Justieren der Monitor- oder Beamer-Auflösungen habe ich durch »arandr« ersetzt, was mehr und bessere Einstellungsmöglichkeiten bringt.
  • LXDE als Standard-Desktop, KDE 4.4.5, Gnome 3.2.2, Adriane Audio/Accessibility Desktop 1.4 [3].
  • Knoppix gibt seinen Benutzern wieder sowohl Iceweasel 10.0 (Firefox) als auch Chromium 16.0.912.77 zum Surfen an die Hand. Beide sind zum Erreichen einer höheren Sicherheitsstufe so eingestellt, dass der Benutzer das Starten von Plugins und anderen "aktiven Inhalten" extra bestätigen muss (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Skripte sind momentan verboten – Webbrowser wie Iceweasel starten in Knoppix 7.0 mit einer (abschaltbar) höheren Sicherheitsstufe.

  • Libre Office 3.4.5, Gimp 2.6.11, Openshot Video Editor 1.4.1.
  • Virtualbox 4.1.8, Qemu und KVM 1.0, Wine 1.3.37.
  • Das Tool »restartx« , das nachträglich zwischen den Desktops umschaltet und die Einstellung in der festinstallierten Version fixiert, ist wieder zurück.
  • Das Hilfsprogramm »flash-knoppix« , das Knoppix komfortabel auf einen 8-GByte-Stick oder eine SD-Karte überträgt, kann ab sofort sogar von einem bereits installierten USB-Stick eine Kopie erzeugen ohne das persistente Overlay mitzukopieren. Außerdem partitioniert »flash-knoppix« den Zieldatenträger neu, wenn nötig.

Die meisten anderen Programme tragen neue Versionsnummern, nur fallen die Änderungen nicht so spektakulär aus.

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