Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2012

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Charlys Wetterseite

Alle Wetter

Um etwas übers Wetter zu erfahren, braucht sich Sysadmin-Kolumnist Charly Kühnast nicht mehr draußen nassregnen, wegblasen, blaufrieren oder UV-verstrahlen zu lassen.

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Schon vor Jahren blies der Wind meines Interesses in Richtung einer Wetterstation, die ihre Werte nicht nur auf einem kleinen Display im warmen Wohnzimmer ausgibt, sondern sie auch an einen PC weiterleitet. Der Markt gab schon damals einiges her, aber alles zu horrenden Preisen. Vor ein paar Wochen schwärmte ein befreundeter Linuxer von einer kleinen Wetterstation, die mit gut 100 Euro nicht nur erschwinglich sei, sondern auch einen USB-Anschluss mitbringt, über die er an die Messdaten gelange. Kurzerhand erstand auch ich eine WH-1080, die es offenbar baugleich von mehreren Herstellern gibt.

Um die Daten regelmäßig auszulesen, benötige ich einen Linux-PC, der rund um die Uhr läuft und in der Nähe des Empfangsmoduls der Wetterstation steht – bei mir der VDR. Später möchte ich die Aufgabe einem Einplatinen-ARM-System wie dem Raspberry Pi [1] übertragen. Um das Auslesen kümmert sich ein kleines Perl-Skript [2]. Die Messdaten, die es zutage fördert, sind: Temperatur (innen und außen), Taupunkt, Windchill (der Indikator für die "gefühlte Temperatur"), Luftfeuchtigkeit innen und außen, Windgeschwindigkeit und -richtung, Regenmenge und Luftdruck.

Beim Nass von oben lauert eine kleine Falle: Die Station liefert Daten für die Niederschlagsmenge der letzten Stunden, der letzten 24 Stunden sowie die Gesamtmenge seit dem letzten Reset. Bei mir sind die ersten beiden Werte immer gleich null, selbst wenn es wie aus Eimern gießt. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob es am Skript liegt oder ob es die Folge einer Modellpflege der Wetterstation ist. Alle erfassten Messdaten wandern per Rsync auf einen Webserver, der sie archiviert und in RRDs steckt, um Verlaufsgraphen zu zeichnen.

Wolken aus der Cloud

Es gibt allerdings eine Reihe interessanter meteorologischer Daten, die mein Hobby-Equipment nicht liefert, etwa aktuelle Wolkenhöhen und -arten. Das kann ich aber mit einer Reihe externer Quellen kompensieren. So sind zum Beispiel die Wetterdaten aller zivilen Flughäfen im METAR-Format [3] frei verfügbar. Das kann ich leicht in der Bash oder mit dem Perl-Modul Geo::METAR interpretieren. Auch bei einigen kommerziellen Wetterdiensten darf sich jeder bedienen. Die von Meteomedia betriebene Unwetterzentrale offeriert eine kleine Unwetter-Warnkarte [4] für die eigene Homepage, auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht sehr spendabel [5] mit seinen Daten um. Mit all dem habe ich die kleine Wetter-Seite [6] veritabel bestückt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Unter [6] kombiniert Charly Echtzeit- und historische Werte seiner neuen Wetterstation mit Daten aus dem Internet.

Der nächste logische Schritt ist, Alarmierungs- oder gar Steuerungstechnik hinzuzufügen. Dann kann das System bei aufziehendem Sturm eine Warn-Mail schicken ("Wäsche reinholen!") oder wegen umherfliegender Gartenmöbel automatisch die Rollläden schließen. Soweit meine Wetter-Bastelprognose.

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