Über 300 Messungen
Für die in Abbildung 2 dargestellten Messwerte haben die Autoren des Linux-Magazins weit über 300 Messungen durchgeführt und die Durchschnittswerte genommen. Besonders herausragende oder fragwürdige Messungen wiederholten sie und konsolidierten sie so.
Jede der drei Distributionen im Vergleich musste sich zunächst in der Standardeinstellung nach der Installation diesem Test unterziehen. Bereits da gab es die erste Überraschung: Open Suse mit Gnome-Desktop ist am sparsamsten mit 14 Watt, gefolgt von KDE (15 Watt) und Mint mit KDE (15,6 Watt).
Abgeschlagen auf den letzten Plätzen landen Open Suse mit LXDE (fast 20 Watt), Ubuntu mit Unity (über 19 Watt) und Mint mit LXDE (mehr als 18 Watt). Während dieses Tests befanden sich die Lifebooks im Leerlauf, nur mit von den Distributionen automatisch gestarteten Anwendungen. Die Helligkeit des Displays war wie alle Stromsparmechnismen vollständig der Distribution und dem Energiemanagement der Desktop-Umgebung überlassen.
Anders im zweiten Test (ebenfalls in Abbildung 2): Hier schalteten die Tester das WLAN-Interface per Hardwareschalter aus und dimmten das Display bis zur unteren Grenze. Auch dann bilden Ubuntu-Unity und Suse-LXDE die Schlusslichter (mit 15 und 16 Watt), während sich fast alle anderen Kombinationen zwischen 13 und 14 Watt einpendeln. Wer die einzelnen Desktops vergleicht, findet bei LXDE und Gnome widersprüchliche Ergebnisse. Die Kombinationen Gnome-Mint und Suse-LXDE scheinen wenig empfehlenswert, Suse-Gnome und LXDE-Mint dagegen schon.
Den Powertop-Ergebnissen zufolge sind alle Varianten von den in den Datenblättern versprochenen Laufzeiten meilenweit entfernt. Open Suse knackt mit Gnome oder KDE zwar rein rechnerisch die 5-Stunden-Marke, aber nur mit ausgeschaltetem WLAN und gedimmten Display. Mint-LXDE, Mint-Gnome und Open Suse mit LXDE schaffen mit den Standardeinstellungen nicht mal 4 Stunden, glaubt man Powertop.
Worauf sich die Hersteller in den Datenblättern beziehen, bleibt ein Rätsel, in der Praxis der Anwender bleiben die Angaben unerreichbar, auch mit Windows. Powertop steht da zwar nicht zur Verfügung, aber das sehr umfangreiche Redmonder Energiemanagement nennt einen Verbrauch von 11 Watt, ohne dass wesentliche Software jenseits des Betriebssystems oder des Virenschutzes liefe. Das entspräche immerhin noch einer Laufzeit von sechs Stunden – mehr als der Hälfte des Wertes aus dem Whitepaper, doch immer noch 2 Stunden mehr als im Linux-Magazin-Benchmark.
Konfigurationshilfen
Ein Benutzer, der mit dem Lifebook arbeitet, kann in der Regel eine Laufzeit zwischen 3 und 4 Stunden erwarten, je nach Betriebssystem, Distribution, Desktop und vor allem seiner Arbeitsweise [10]. Die Wahl des Desktops oder der Distribution ergibt bei weitem nicht so einen großen Unterschied, wie das, was der Anwender (danach) mit dem Rechner tut.
Als größter Energieverbraucher schlägt naturgemäß das Display zu Buche. Zwischen 3 und 5 Watt macht es aus, entweder mit einer voll erleuchteten Anzeige zu arbeiten oder aber die Regler im Energiemanager der jeweiligen Desktopumgebung ganz herunterzuziehen. Eigentlich sollten alle Distributionen und Desktopumgebungen hier einen Schwerpunkt für die Konfiguration durch den Benutzer legen, meint man.
Wer aber auf dem Desktop seiner Wahl einen Blick in die Energiesteuerung wirft, findet recht unterschiedliche Konfigurationstools. Oft hilft es, zusätzlich das Modul »Bildschirmschoner«
hinzuziehen, weil nur dort die DPMS-Funktionen verzeichnet sind, die beispielsweise das automatische Abschalten des Monitors regeln. Generell zeigt KDE unter allen Distributionen das ausgereifteste und bei weitem umfangreichste Energiespar-Modul (Abbildung 6). Hier kann der Anwender detailliert festlegen, wann und wie sein Notebook Sparmaßnahmen treffen soll, was beim Schließen des Deckels passiert und wie genau das automatische Dimmen des Bildschirm-Hintergrundbeleuchtung vonstatten gehen soll. Eigene Profile erleichtern die Konfiguration.
Auf Platz zwei in der Komfortskala der Powermanager-Konfiguration liegt überraschenderweise LXDE (Abbildung 7). Der Desktop hat zwar kein eigenes Konfigurationstool an Bord, bedient sich aber wahlweise bei Gnome – oder, und das ist die bessere Wahl, die Suse auch standardmäßig trifft, bei XFCE. die Einstellungen sind ausreichend und sinnvoll, können aber im Umfang nicht mit KDE mithalten. Noch deutlich weniger Parameter für den Anwender bietet das Gnome-Tool »Leistung«
aus Abbildung 8. Da lässt sich gerade mal einstellen, wann und wie der Rechner schlafen gehen oder sich ausschalten soll, weitere Einstellungen sucht der User auch im Gnome-Kontrollzentrum vergebens. Alle drei Akku-Applets zeigen übrigens 100 Prozent Akkuleistung an, wenn die Elektronik "voll geladen" meldet, unabhängig von der tatsächlich verbleibenden Kapazität der Batterie. Die nimmt schließlich im Lauf der Monate ab.
Nach dem Display am Watt-hungrigsten ist die CPU. Wer auf seinem Notebook dafür sorgt, dass sein Prozessor ausgelastet ist, wird auch mit dem leistungsstarken Akku des Fujitsu-Notebooks nur knappe 2 Stunden mobil arbeiten können. Schon das Beispiel aus Abbildung 9 zeigt, wie ein Flash-Video im Browser ausreicht, um über 25 Watt zu verbrauchen. Genauso schnell saugt es den Akku leer, unterwegs Filme von DVD anzuschauen oder einen Kernel zu kompilieren. Das ist der Preis, den eine derart leistungsfähige Quadcore-CPU fordert.
Wer dem entgegenwirken will, erledigt CPU-trächtige Arbeiten remote auf einem Server und installiert sich Ad- und Flash-Blocker für den Browser. Solche Animationen zu unterbinden, macht mehr aus, als den Browser zu wechseln, denn die schenken sich nicht viel. Die Unterschiede zwischen Firefox und Chrome liegen im Bereich weniger Prozent. Den gleichen Effekt erreicht der Anwender auch durch konsequentes Schließen offener Tabs. Das gleiche gilt übrigens für Officeprogramme: Ein Laufzeitbenchmark mit Googles Chrome und Gnomes Abiword anstelle von Libre Office und Firefox zeigte keinen messbaren Unterschied.
Als ebenso akkufressend wie Flash-Videos erweist sich der Betrieb von 3-D-Anwendungen. Während das reine Abschalten von 3D und das Deaktivieren von beispielsweise Compiz oder der Umstieg auf einen Desktop ohne 3-D-Fenstermanager nur marginale Vorteile birgt, entpuppten sich Anwendungen, die reichlich von den Funktionen der Grafikkarte Gebrauch machen, als Batteriekiller, und zwar vor allem dann, wenn die CPU auch noch ins Spiel kommt und Daten herumschaufeln muss. Spiele wie Foobillard sind da noch maßvoll, das Rennspiel Torcs dagegen würde den Akku ebenfalls innerhalb von 2 Stunden leersaugen.
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