Open Source im professionellen Einsatz

Powertop

Wer seinen Laptop auf Sparsamkeit optimieren will, kommt an Powertop ([3], [4]) nicht vorbei. Das Tool, ursprünglich von Intel für die eigenen Chipsätze entwickelt, ist für alle Distributionen verfügbar und bietet drei besonders hilfreiche Funktionen: Zum einen listet es in »top« -Manier die Stromverbraucher des laufenden Systems auf. Zweitens errechnet es für den Anwender alle paar Sekunden den aktuellen Energieverbrauch im Akkubetrieb. Und zu guter Letzt gibt es sogar Tipps fürs Energiesparen und erlaubt es, diese umzusetzen, ohne das Interface zu verlassen.

Powertop ist eine reine Shell-Anwendung, die mit Rootrechten starten will. Ohne die gibt es keinen Zugriff auf die zahlreichen Quellen für Informationen, vom »/proc« und »/sys« -System des Linux-Kernels bis zum aktuellen Entladestrom der Batterie, den die Akkuelektronik liefert.

Die Distributionen im Test liefern zwei unterschiedliche Versionen von Powertop mit: Während Suse das recht betagte Powertop 1.13 installiert, bringen die Debian-basierten Ubuntu und Mint den Nachfolger mit der Nummer 1.97 (Abbildung 5). Anders als die Suse-Variante (Abbildung 6), besteht der aus mehreren Displays, zwischen denen der Anwender mit den Pfeiltasten navigiert. Version 1.13 bietet deutlich weniger Komfort, liefert aber neben dem CPU-Status und der Liste mit den Gründen dafür auch handfeste Hinweise samt Shellbefehlen (auf Tastendruck ausführbar) zur Optimierung des Systems, die aber auf neueren Systemen nur noch teilweise funktionieren.

Abbildung 5: Powertop zufolge ist Gnome der sparsamste Desktop im Vergleich, doch im Laufzeitbenchmark lag KDE vorne. Ubuntu und Mint bringen bereits Powertop 1.97 mit, das eine andere Oberfläche aufweist.

Abbildung 6: Alt, aber dennoch nützlich: Open Suse bringt auch in Version 12.1 noch die Powertop-Variante 1.13 mit, die dem Anwender konkrete Kommandos zum Optimieren seines Systems gibt. Die Kombination aus Suse und Gnome erwies sich im Laufzeit-Benchmark zudem als die energiesparendste Variante.

Powertop 1.97 teilt die Informationen auf vier Fenster auf: »Idle Stats« , »Frequency Stats« , »Device Stats« und »Tunables« . Fein säuberlich getrennt findet der Anwender hier alle Informationen über die Taktfrequenz und Energiesparmodi (C-States, [5]) seiner Cores und die Befindlichkeit der eingebauten oder angeschlossenen Geräte.

Von besonderem Interesse ist für die meisten Anwender die Anzeige der »Tunables« , die eine interaktive Liste mit Optimierungen beinhaltet, die der User mit [Return] aktiviert, analog zu den Vorschlägen von Powertop 1.13 unter Suse. Wer jetzt auf seinem frisch installiertem System im Akkubetrieb Powertop als Root startet, erfährt nach wenigen Sekunden den aktuellen Stromverbrauch und die Ursachen dafür.

Erste Ergebnisse

Ubuntu sorgte in den vergangenen Jahren mehrfach für negative Schlagzeilen wegen überhöhtem Energieverbrauch, besonders im Zusammenhang mit PCI-Express-Karten. Auch im Benchmark belegte Ubuntu 11.10 mit Kernel 3.0 die hinteren Plätze (Abbildungen 2 und 3), hinter den Konkurrenten Open Suse und Mint. Das hat aber offenbar nichts mit dem ASPM-PCIe-Bug (Active-State Power Management) zu tun, den Ubuntus Webseite unter [6] beschreibt. Nach der Anleitung dort können Anwender überprüfen, ob ihr Kernel den Patch von Matthew Garrett [7] enthält – was bei den Testsystemen sehr wohl der Fall war.

Nützlich ist dort auch die Beschreibung, wie sich Powertop zum Messen des Energieverbrauchs sinnvoll einsetzen lässt: Das Tool braucht nach dem Start ein paar Durchgänge, bis sich die aktuell errechneten Watt auf einen glaubwürdigen Wert einpendeln, und selbst die schwanken fortwährend. Daher verwirft der Tester die ersten fünf Werte, notiert die zehn folgenden und nimmt daraus den Durchschnitt. Das Prinzip lässt sich auf allen Distributionen anwenden, die Powertop mitbringen, und beliebig skalieren.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 9 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook