Open Source im professionellen Einsatz

Premierenstimmung

Ist auch diese Hürde genommen, steht einem ersten Test nichts mehr im Weg. Aufgrund des Alphastatus von Broadway eignen sich zum Test einfache Anwendungen am besten, die auf native GTK+-Elemente setzen. Zur Demonstration prima eignet sich zum Beispiel der Gnome-eigene Editor Gedit. Im Terminal auf dem Server mit dem Befehl »gedit« aufgerufen, öffnet sich das Programmfenster wie erwartet am Desktop.

Um die Browser-Variante zu testen, genügt es, vor dem eigentlichen Programmaufruf die Variable »GDK_BACKEND« auf »broadway« zu setzen, also auf »GDK_BACKEND=broadway gedit« . Mit einem abschließenden Und-Zeichen lässt sich der Aufruf auch in den Hintergrund verschieben. Nach dem [Enter] sieht der Anwender – gar nichts. Denn Gedit läuft im Hintergrund – auch ohne Ampersand – im HTML-5-Backend.

Der weitere Weg führt über den Browser und die Adresse http://localhost:8080 – und voilà, der Star des Abends betritt die Bühne: Gedit läuft nativ im Browser! (Abbildung 5). Das Gleiche funktioniert meist auch mit allen reinen GTK+-Anwendungen, zum Beispiel Evolution (Abbildung 6).

Abbildung 6: Echte Evolution gelingt auch mit Broadway, in diesem Fall mit dem Gnome-Mailprogramm. Ein @ einzugeben ist aber noch schwierig.

Abbildung 6: Echte Evolution gelingt auch mit Broadway, in diesem Fall mit dem Gnome-Mailprogramm. Ein @ einzugeben ist aber noch schwierig.

Abbildung 5: Dank Broadway läuft Gedit im Browser. Die immer wieder auftretenden Probleme mit Tastatureingaben fallen hier nicht so ins Gewicht.

Moderne Kunst: Halb fertig

Trotz dieser Vorarbeiten ist bei Weitem noch nicht jede Anwendung von Haus aus im Browser nutzbar. Im Fall von Libre Office Online beispielsweise mussten die Entwickler viel am Office-eigenen Grafikbackend namens VCL ändern. So setzt die Version auf der DELUG-DVD auf eine neuere Toolkit-Version als der regulären Build – eine Arbeit, die lange noch nicht abgeschlossen ist.

Nach derzeitigem Stand könnte in Libre Office 3.5 Broadway-Support als experimentelles Feature in die normalen Versionen gelangen, aber eine wirklich Web-kompatible Version dürfte nicht vor Ende 2012, eher erst 2013 zur Verfügung stehen. Die auf der DVD ausgelieferte Broadway-kompatible Version von Libre Office ist daher ausdrücklich nicht mehr als ein erster Prototyp. Insbesondere die Benutzeroberfläche wird für die Webversion massive Anpassungen erfahren.

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