Open Source im professionellen Einsatz

Scrivener

Die Schreibsoftware Scrivener ([14], [15]) scheint auf den ersten Blick nicht das geeignete Tool für Pflichtenhefte zu sein. So verwundert es auch nicht, dass keine fertigen Templates im Netz zu finden sind. Als hierarchisch organisierte Textverarbeitungsumgebung ist es jedoch in sehr kurzer Zeit möglich, eine eigene Vorlage zu erstellen. Scrivener teilt umfangreiche Dokumente auf Wunsch in kleine Unterdokumente auf und organisiert diese wiederum über Ordner. Außerdem muss sich der Autor nur am Rande mit der Textformatierung beschäftigen. Was bei der Eingabe nicht perfekt aussieht, passt er im letzten Arbeitsschritt beim Zusammensetzen der Texte an.

Für das Erstellen einer eigenen Vorlage verwendet der Autor am besten das Scrivener-Standardtemplate. Mit dem Binder definiert er eine Struktur für die einzelnen Ordner und Dokumente, die das gewählte System abbildet. Im Dialog »Compile« aktiviert der Schreiberling außerdem im Bereich »Formatting« eine Funktion, die Titel der Ordner und Textelemente als Überschriften ins fertige Dokument übernimmt (siehe Abbildung 3). Das Aussehen der Überschriften sowie den Inhalt der Kopf- und Fußzeilen legt er hier ebenfalls fest.

Abbildung 3: In der Schreibumgebung Scrivener legen Autoren das Layout ihrer Texte an zentraler Stelle fest, das heißt im Compile-Dialog. Beim Einbinden von Bildern bereitet das Tool jedoch Probleme.

Steht das Grundgerüst, also die Struktur und die Formatierung des Pflichtenhefts. speichert der Nutzer zunächst die Compiler-Optionen unter einem passenden Namen ab und wählt danach aus dem Menü »File« den Eintrag »Save as Template« aus.

Ein brauchbares Scrivener-Template für Pflichtenhefte stellen Anwender so in maximal zwei bis drei Stunden auf die Beine. Die Vorlage, die beim Schreiben des Artikels entstand, befindet sich übrigens zusammen mit dem Libre/Open-Office- und dem Latex-Template auf der Heft-DVD.

Pixelblockade

Störrischer als ein korsischer Esel verhält sich jedoch Scrivener für Linux derzeit bei Grafiken. Die Schreibumgebung importiert zwar fertige Bilder, kann aber selbst keine erstellen – nicht einmal rudimentäre Torten- oder Balkendiagramme wie bei Open/Libre Office. Umfließenden Text kennt die Anwendung nicht; schließlich ist sie nicht als Desktop-Publishing-Tool konzipiert. Die Konfigurationsoptionen eingebetteter Bilder beschränken sich auf das Skalieren mit automatischer Seitenanpassung.

Scrivener bietet die gleichen Zielformate wie Officesuiten an, also PDF, das Open-Document-Format, MS Word und RTF. Dazu gesellen sich Postscript, Epub und Mobipocket. So schlagen Tablet- und Smartphone-Benutzer auch unterwegs schnell im Pflichtenheft nach.

Die Lernkurve für Scrivener ist nicht steiler oder flacher als bei gängigen Textverarbeitungen. Wer mit Open/Libre Office oder MS Word arbeitet, der findet sich hier schnell zurecht und schreibt ohne lange Einarbeitungszeit ein Pflichtenheft. Lediglich die eingeschränkten grafischen Qualitäten sind ein Hindernis für Anwender, die gerne in Bildern ausdrücken, was Tausend Worte nicht schaffen.

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