Gphoto2 und die Kamera
Für Situationen, in denen die in der Kamera verfügbare Belichtungsreihe nicht ausreicht, lässt sich die Belichtung über ein USB-Kabel mit Gphoto2 steuern. Der Aufwand lohnt besonders, wenn das Bild später als so genannte HDR-Lichtquelle für Raytracing [7] dienen soll. Programme wie Blender können den hohen Dynamikumfang einer solchen zusammengesetzten Aufnahme verarbeiten, und die korrekte Belichtung der Lichtquelle führt im Raytracing am Ende zu jener Lichtsituation, die eben genau so ist wie bei der Aufnahme.
Die Kommandos aus Tabelle 1 sind auf eine Canon EOS 400 D zugeschnitten, würden mit etwas Anpassung aber auch mit anderen Kameramodellen funktionieren. Eine solche Belichtungsreihe würde sich nebenbei auch ausgezeichnet mit Luminance-HDR [8] zu einem HDR-Bild zusammensetzen lassen. Auf der ebenfalls getesteten Canon EOS 30 D stehen leider nicht alle dieser Funktionen zur Verfügung.
Eine Belichtungsreihe über 18 Blendenstufen verlangt sehr viel Zeit. Mit einem Fischauge-Objektiv, das einen extremen Weitwinkel bietet, reduziert sich immerhin die Anzahl der Bilder drastisch, allerdings auch die Auflösung der zusammengesetzten Aufnahme. Als Lichtquelle für eine Raytracing-Szene reicht eine geringe Auflösung jedoch völlig.
Weil das Raytracing-Verfahren annimmt, das dunkelste Bild stelle die korrekt belichtete Aufnahme der Lichtquellen dar, fließt dessen Bildrauschen am stärksten ins Raytracing ein. Deshalb sollte der Fotograf für diese Aufnahmen unbedingt eine niedrige ISO-Zahl einstellen, um das Rauschen möglichst bereits bei der Aufnahme unter Kontrolle zu bringen.
Digitale Nachbearbeitung
Nach all dem Fotografieren geht es endlich an den Computer. Das "Entwickeln" digitaler Bilder umfasst die Belichtungskorrektur, den Weißabgleich und andere Feineinstellungen an den Bilddaten im Rohformat – so wie der Sensor sie empfangen hat – und den Export in gängige JPG-Dateien. Tools wie Gimp, Rawtherapee [9] oder – unter Windows – Adobes Lightroom oder Photoshop sind hier die Werkzeuge der Wahl für den ambitionierten Hobbyfotografen. Gimp greift wie andere Linux-Raw-Programme auch entweder auf die Bibliothek Dcraw oder das handlichere Ufraw [10] zurück, die beide in allen gängigen Distributionen enthalten sind.
Das beste Bild der gesamten Fotoreihe, also jenes Foto, auf dem das Motiv am besten getroffen und ideal belichtet ist, liefert die richtigen Einstellungen für den Raw-Import. Die liest das Ufraw-Plugin von Gimp komfortabel ein und korrigiert soweit nötig die Belichtung und den Weißabgleich automatisch. Das satte Blau des Himmels aus Abbildung 1 macht erst der an der relativ warmen künstlichen Belichtung ausgerichtete Weißabgleich möglich. Ganz nebenbei erhalten die Motive so auch recht knackige Farben.
Das Speichern dieses Bildes aus Ufraw heraus erzeugt im Heimatverzeichnis des Anwenders eine Datei ».ufrawrc«
, die als Vorlage für die nun folgende Massenverarbeitung der restlichen Bilder dient. Die Rohdaten liegen dabei im Verzeichnis »raw«
, auf der gleichen Ebene existiert ein Verzeichnis »jpg«
. Die For-Schleife aus Listing 1 erledigt jetzt die Entwicklung vom Rohformat nach JPG.
Listing 1
Raw-Entwicklung
01 for i in $(ls raw/*.CR2); 02 # Dateinamen sind nummeriert wie raw/_MG_1234.CR2 03 do j=$(echo $i | cut -d\/ -f 2 | cut -d\. -f 1); 04 # In $j steht jetzt _MG_1234 05 nice ufraw-batch --overwrite raw/$j.CR2 --compression=90 --out-type=jpeg --output jpg/$j.JPG; 07 done
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