Open Source im professionellen Einsatz

USB-Steuerung

Luxuriöse Profikameras glänzen mit besonders weiten Belichtungsreihen oder lassen sich über USB vom Laptop aus steuern. Dann löst Gphoto2 [4] die Belichtung berührungsfrei aus, der Anwender steuert Blende und Verschlusszeit an der Kommandozeile (Tabelle 1). Unbedingt zu vermeiden sind Polarisationsfilter und Blitzgeräte, weil sie Lichtverhältnisse negativ verändern. Für den Anfang mag es auch ausreichen, ohne Stativ aus der Hand zu fotografieren (Abbildungen 4 und 5). Doch führt die dabei entstehende Parallaxe zu Bildfehlern, die nur mit viel Zeitaufwand oder auch gar nicht korrigierbar sind (Abbildung 6). Mit professionellen Ansprüchen sind Aufnahmen "aus der Hand" daher nicht vereinbar.

Abbildung 6: Auch in alten Gebäuden wie der historischen Schnupftabakfabrik in Regensburg lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Wer wie hier jedoch nur vier Bilder als Basis nimmt und ohne Stativ arbeitet, stellt Hugin bisweilen vor Probleme, zum Beispiel bei der schiefen Oberkante der Truhe rechts unten im Bild.

Abbildung 5: Die Donauschleife mit Weinbergen und Bahnstrecke in der Wachau in einer gut 240 Grad breiten Aufnahme (Canon EOS 30 D, kein Stativ, sechs Bilder).

Abbildung 5: Die Donauschleife mit Weinbergen und Bahnstrecke in der Wachau in einer gut 240 Grad breiten Aufnahme (Canon EOS 30 D, kein Stativ, sechs Bilder).

Outdoor-Ausrüstung

Für diesen Artikel verwendeten die Autoren ein solides Manfrotto-Stativ, eine Canon EOS 400 D und eine EOS 30 D, das 18-55-Millimeter-Standard- und ein 15-80-Millimeter-EFS-Objektiv, einen BG-E3-Batteriegriff, einen RC-1-Kabelauslöser, einen selbst gebastelten Panoramakopf [5], ein über USB-Kabel angeschlossenes Netbook mit Gphoto2, zahllose aufgeladene Batterien, ein Ladegerät fürs Auto und eine 16-GByte-Speicherkarte – eine etwas gehobene, aber noch typische Hobbyausrüstung.

Die Auflösung der Kamera allein ist auch nicht unbedingt entscheidend. Beim Stitching ergibt sie sich viel mehr aus Objektivwinkel und Kamera-Auflösung. Auch mit einem Teleobjektiv lassen sich Bilder in nahezu beliebiger Auflösung erzeugen, derartige Gigapixel-Fotografie ist heutzutage ein populäres Hobby. Für diesen Artikel ist die Auflösung gängiger Kameras voll ausreichend, jedes Megapixel mehr erhöht nur den Rechenaufwand.

Die Bilder für den Erding-Planeten sind in fünf horizontalen Reihen aufgenommen. Nachbarbilder überlappen einander horizontal und vertikal bis zur Mitte der Aufnahmen. So ist jeder Punkt mindestens viermal abgelichtet. Bei diesem Vorgehen entstehen bei einer Belichtungsreihe von drei Bildern (Blenden: -2, 0,+2) schnell über 200 Einzelaufnahmen. Der Aufwand lohnt sich allerdings, denn so bilden die Fotos die großen Helligkeitsunterschiede im Gegenlicht noch ab und eignen sich als HDR-Bild [6]. Das Hochformat deckt den naturgemäß strukturarmen Himmel am angenehmsten ab.

In der Dämmerung steigen die Belichtungszeiten leicht auf einige Sekunden, der Kabelauslöser schützt vor dem Verwackeln. Alle Fotos aufzunehmen kann länger als eine halbe Stunde dauern. Zügiges und sauberes Arbeiten ist gefragt, auch weil sich die Lichtverhältnisse binnen 30 Minuten doch stark ändern. Außerdem erweist sich die Übertragung der Fotos im Rohformat auf die Speicherkarte oft als Engpass. Dazu kommen etwaige Batteriewechsel. Je nach Kamera ist hier die richtige Vorgehensweise das Ergebnis vieler Versuche.

Wer die Aufnahme als HDR-Lichtquelle in Blender einsetzen will, sollte eine Belichtungsreihe mit mehr als vier Blendenstufen erstellen, weil sich erfahrungsgemäß nur dann harte Schlagschatten in Blender erreichen lassen. Im Extremfall sollte sich die hellste Belichtung an der Sonnenoberfläche, die dunkelste an den schwärzesten Schatten orientieren.

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