Aus dem Alltag eines Sysadmin: Open Rhein Ruhr
Großer Regionalbahnhof
Die beste Bildung findet, laut Goethe, ein gescheiter Mensch auf Reisen. Magazin-Kolumnist Charly hat das letzte Wochenende in Oberhausen verbracht.
Die beste Bildung findet, laut Goethe, ein gescheiter Mensch auf Reisen. Magazin-Kolumnist Charly hat das letzte Wochenende in Oberhausen verbracht.
Ich mag offene Linux-Messen, also solche, bei denen sich sowohl Unternehmen als auch Vereine, Usergroups und andere nicht kommerziellen Aussteller treffen. Die größte der Art ist der Linuxtag, aber es gibt regionale Nacheiferer. In Oberhausen, eine halbe Autostunde von meiner Haustür entfernt, verleiht das Rheinische Industriemuseum eine Ausstellungshalle für die Open Rhein Ruhr [1].
Die erste Open Rhein Ruhr 2009 war ein Familientreffen der üblichen Verdächtigen. Es gab gute Vorträge, Pizza und Stände Linux-affiner Unternehmen. Wer fehlte, waren die Normalos. Letzte Woche bei meinem Besuch der dritten Auflage der offenen Messe sehe ich in den Hallen viele Normale, auch der veranstaltende Verein hat die Organisation im Griff – das unter der Last ächzende Messe-WLAN treibt niemanden mehr in den Wahnsinn, Dect und Pizza-Proxy funktionieren dafür umso besser.
Den Samstag verbringe ich damit, Admin- und Programmierer-Bekanntschaften aufzufrischen und den einen oder anderen Vortrag zu hören. Am Sonntag dann wuseln Anwender und Gewerbetreibende durch die Gänge und informieren sich über Homebanking, Abrechnungssoftware und freie Telefonanlagen. Der Myth-TV-Stand ist dicht umlagert. Das mag an der laufenden Formel-1-Übertragung liegen, aber das schicke Linux-Mediencenter allein macht auch schon genug Eindruck.
So mancher, ich beispielsweise, bleibt nach dem Studieren des Programms noch ein wenig länger als geplant. In gleich vier Räumen laufen an beiden Tagen Vorträge. Stärker besetzt als in den vergangenen Jahren ist der "Enduser"-Track. Hier geht es beispielsweise um Libre Office, überwiegend richtet sich dieser Track aber an kleine und mittelständische Unternehmen. Rechnungseingangs-Workflow, Groupware, Clouddienste, Zeitmanagement und Office-Automation sind gefragte Themen. Angehende Selbstständige lernen in "Gründen mit freier Software" einen Fehlstart zu vermeiden.
Linux-Profis brüten nebenan über ihren LPI-, BSD-Cert- und Typo3-Prüfungen. Eine Tür weiter laufen die Admin-Vorträge, in denen ich mich zu Bind 10 und Git auf den neuesten Stand bringen lasse. Als begeisterter, aber lötkolbenscheuer Bastler setzt mich der "Open Hardware"-Track auf die richtige Schiene, die ins Land der Arduino-Programmierung führt. Nach einer Einführung in die einzelnen Derivate und deren Erweiterungen zeigt Jörg Pleumann seinen Railuino-Hack. Er koppelt ein Arduino-Grundmodul mit einem CAN-Bus-Shield und steuert damit eine Märklin-Bahn (Abbildung 1).
An der Eisenbahn wird's wohl nicht liegen, dass die Luft in den Vortragsräumen zum Schneiden ist – eigentlich mein einziger Kritikpunkt an der Veranstaltung. Im Gehen drehe ich, gewissermaßen zum Luft holen, noch eine Runde durch die reguläre Ausstellung des Industriemuseums, denn der Eintritt ist für Besucher der Open Rhein Ruhr frei. Den Organisatoren ist es gelungen, eine Veranstaltung für Linux-Anwender, -Profis und -Neulinge zu etablieren. Der Linuxtag wirbt mit dem Slogan "Where .com meets .org", der regional ausgerichteten Open Rhein Ruhr gelingt das Kunststück auch. (jk)
Infos
Umfang: 1 Heftseiten
Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)
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