Open Source im professionellen Einsatz

Wahlfieber

Bei der Installation und Wartung unterscheiden sich die Kandidaten kaum – alle benötigen mindestens einen Rootserver mit Shellzugriff, ein einfaches Hostingpaket reicht nicht aus. Bei der Wahrung der Privatsphäre hat Liquid Feedback leicht die Nase vorn. Dieses Tool punktet ebenfalls mit einem wohlgeordneten Wahlvorgang. Liquidizer wartet mit einem durchdachten Konzept und mathematischen Feinheiten auf. Sieger im Test ist jedoch eindeutig Adhocracy. Die Software überzeugt am Ende durch ihre Benutzerfreundlichkeit. Ohne lange Einarbeitungszeit kann auch der technisch unbewanderte Politikfan schnell im Abstimmungs- und Wahlkampf mitmischen, und darum geht es letztendlich bei Liquid Democracy.

Es bleibt die Frage, ob dieses Konzept am Ende eine Zukunft hat. Wenn Bündnis 90/Die Grünen laut ihrem Impulspapier "Keine Angst vor Piraten – keine Angst vor den BürgerInnen" [24] Liquid-Democracy-Werkzeuge einsetzen wollen, damit Delegierte an Delegierte delegieren können, sind diese nur noch Hilfsmittel für den reibungslosen politischen Arbeitsablauf ohne jede basisdemokratische Komponente.

Noch pessimistischer drückte es der Politikwissenschaftler Tilman Mayer von der Universität Bonn aus. Zu einer Pressekonferenz der Piratenpartei befragt, äußerte er die Vermutung: "Sie [die Bürger] wollen nicht so eine starke Partizipation." Ob er angesichts des um sich greifenden Massenprotestes und einer um Antworten in sozialen und ökonomischen Fragen verlegenen politischen Kaste recht behält, wird sich zeigen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook