Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2011
© kozinia, 123RF

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Vsphere 5 vs. Xen Server 6

Duell in der Königsklasse

Auf dem Markt für virtualisierte Standardserver agieren VMware und Citrix auf Augenhöhe. Seit Kurzem führen beide Spieler neue Versionen ins Feld, um den Gegner in Schach zu halten. Der folgende Artikel stellt beide Produkte gegenüber und bewertet insbesondere die Strategien bei HA und Monitoring.

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Laut der Analyse [1] halten VMware und Citrix drei Viertel des deutschen Hypervisor-Markts (siehe Abbildung 1). Seit Sommer 2011 zieht die Version Vsphere 5 [2] aus dem Hause VMware in die Serverracks ein. Mitten in die Recherchen zu diesem Artikel platzte passenderweise Citrix mit der Veröffentlichung von Xen Server 6.0 [3]. Damit stehen die Kunden vor der Qual der Wahl – der Artikel soll ihnen beim Sondieren helfen.

Gern hätte die Redaktion das Marktaußenseiter-Produkt Red Hat Enterprise Virtualization [4] in der kommenden Version 3 in den Test aufgenommen. Die Rothüte waren Apple-artig aber auch nach internen Konsilien nicht bereit, den laufenden Betatest für die Presse zu öffnen.

Zurück zum Marktführer: Konnten VMware-Kunden bei Vsphere 4 pro CPU-Sockel noch – je nach Lizenzmodell – sechs oder zwölf Cores betreiben, führt Vsphere 5 ein neues Modell ein, das sowohl auf CPU-Sockel als auch auf den so genannten VRAMs fußt. Das Lizenzkonstrukt VRAM errechnet sich aus den aktiven virtuellen Maschinen (VMs) und deren zugeordnetem RAM. Kunden einer Enterprise-Lizenz hätten beispielsweise maximal 32 GByte RAM pro CPU-Sockel einsetzen dürfen (siehe Tabelle 1, Spalte "Alt"). Wer die Schwelle überschreitet, muss Sockel-Lizenzen nachordern. Da offenbar wichtige Kunden gegen das neue Modell ins Feld zogen, revidierte VMware die Pläne [5] und hob die VRAM-Limits an (Tabelle 1, Spalte "Neu").

Abbildung 1: Anteile am deutschen Markt primärer Hypervisors. (Quelle: [1])

Tabelle 1

VRAM-Lizenzmodell

Lizenz

Alt

Neu

Essentials

24 GByte

32 GByte

Essentials Plus

24 GByte

32 GByte

Standard

24 GByte

32 GByte

Enterprise

32 GByte

64 GByte

Enteprise Plus

48 GByte

96 GByte

Limits fallen

Zur Technik: Xen Server 6.0, der auf Xen 4.1 basiert, ist in der Lage, einer Virtual Machine 128 GByte RAM und 16 virtuelle CPUs bereitzustellen [6]. Vsphere 5 kann einer Instanz laut VMware maximal 32 virtuelle CPUs und 1 TByte RAM [7] zuordnen – das Vierfache gegenüber dem Vorgänger.

Steht die Migration von einer 4er Version auf Vsphere 5 an, so ist ein Update der jeweiligen virtuellen Maschine zwar keine Pflicht für den Admin, wird aber nötig, wenn er in den Genuss der neuen Funktionen und der VM-Hardware-Version 8 kommen will – beispielsweise UEFI oder USB 3.0. Die Umstellung erfolgt analog zu der früheren Migration: Backup der VM, Installation der aktuellen VMware-Tools, Shutdown der VM, Rechtsklick auf die VM und »Upgrade Virtual Hardware« , einschalten und testen.

Mit Vsphere 5 gelingt es VMware, auch Apple-Serverbetriebssysteme als virtuelle Maschinen zu betreiben. Offiziell unterstützt VMware Mac OS X 10.6 Server. Voraussetzung ist eine VM mit EFI, da Apple seine Hardwaresysteme seit Langem nur mit EFI ausliefert.

Die Version 8 von VM Hardware bietet erstmals eine Grafik-3-D-Beschleunigung. Sie unterstützt die Aero-Funktionalität virtueller Windows-Systeme. Citrix geht einen Schritt weiter und unterstützt offiziell GPU-Passthrough, das direkte Zuordnen physikalischer Grafikkarten zu einer virtuellen Maschine. Des Weiteren stockt Xen Server 6.0 den Gastsupport um sieben Betriebssysteme auf.

Mit Xen Server 6.0 und Vsphere 5 erweitern beide Hersteller die Partitionsgrößen für virtuelle Maschinen von 2 TByte auf bis zu 64 TByte (VMware). Jedoch lassen sich weiterhin virtuelle Festplatten nur bis 2 TByte anlegen [8].

Als wichtige Neuerung entfernt VMware den ESX Server aus dem Portfolio. Den so genannte Gold-Standard bedient ab sofort der ESXi Server. Er bietet ein schlankes System, das problemlos auf einem USB-Stick oder einer SD-Karte installierbar ist. VMware verspricht sich eine einfachere Updatepolitik, da nicht zwei Server, ESX und ESXi, zu pflegen sind. Citrix bietet weiterhin mit dem schlanken Xen Server ein Hypervisor-Produkt an.

Xen Server 6

Hersteller: Citrix [3]

Art: x86-Hypervisor für VMs mit fast allen Betriebssystemen, umfangreiche Management- und Monitoringlösung

Lizenz: Proprietär mit Open-Source-Komponenten

Kosten: Zurzeit weist der Hersteller nur die offiziellen US-Dollar-Preise aus, die bei [http://store.citrix.com/store/citrixus/en_US/pd/productID.180691700] genannten Euro-Preise sind errechnet und ohne Umsatzsteuer: Advanced Edition ca. 750 Euro, Enterprise Edition ca. 1800 Euro, Platinum Edition ca. 3700 Euro pro Server und einschließlich einem Jahr Support

Testversion: [http://www.citrix.com/English/ps2/products/feature.asp?contentID=2300356]

Vshpere 5

Hersteller: VMware [2]

Art: x86-Hypervisor für VMs mit fast allen Betriebssystemen, umfangreiche Management- und Monitoringlösung

Lizenz: Proprietär

Kosten: Zurzeit weist der Hersteller nur US-Dollar-Preise ohne Umsatzsteuer aus. Die kleinste Konfiguration "Essentials Kit" gilt für drei Hosts (ohne HA) und jeweils zwei CPUs und 192 GByte VRAM: ca. 500 Dollar plus jährlich 65 oder 300 Dollar Support. Preise bis 22 000 Dollar, vollständige Liste: [http://www.vmware.com/products/vsphere/pricing.html]

Testversion: 60 Tage, [https://www.vmware.com/de/tryvmware/?p=vmware-vsphere5-ent &lp=default]

Hochverfügbarkeit

Clusterdienste wie VMware HA hat der Hersteller für Vsphere 5 komplett neu geschrieben. Ein isolierter Host sorgte beispielsweise im Falle eines Netzwerkausfalls in der Vergangenheit nämlich für Probleme: Er unterbrach die Erreichbarkeit von ESX Server und damit die Kommunikation mit anderen Clustermitgliedern. Das sorgte je nach Cluster-Einrichtung für einen ungewollten Shutdown der virtuellem Maschine.

Um dem vorzubeugen, bietet VMware nun die Funktion an, den Cluster-Heartbeat auf Storage-Ebene einzusetzen. Voraussetzung hierfür sind allerdings zwei VMFS-Datastores (ESX-Vsphere-spezifische Dateisysteme, in denen die VMDK-Containerdateien der Gastsysteme liegen, [9]). So sind die ESXi Server in der Lage, im Falle eines Netzwerkausfalls auf der separaten I-SCSI- oder Fibre-Channel-SAN-Infrastruktur weiterhin zu kommunizieren.

Damit gewinnt der Admin an Sicherheit, da das Setup die Kommunikation auf zwei unabhängigen Wegen garantiert. Außerdem ändert Vsphere 5 das Clusterkonzept vom Primary-Secondary- in ein Master-Slave-Konzept, bei dem der erste ESXi Server die Master-, jedes weitere Clustermitglied die Slave-Rolle zugeordnet bekommt [10].

Die neue Version hält jetzt alle HA-Aktivitäten in einer einzigen Logdatei fest – jedes Clustermitglied schreibt im »/var/log/fdm.log« des Fault-Domain-Managers die gesamte Kommunikation nieder. VMwares Hochverfügbarkeit arbeitet nun auf Basis von IP-Adressen und nicht mit DNS-Namen. Zuvor ließ bei jedem DNS-Ausfall der Crash des HA-Clusters nicht lange auf sich warten, wenn der Admin die DNS-Einträge der Clustermitglieder nicht vorsorglich in die »/etc/hosts« aller ESX(i) Server eingetragen hatte.

Citrix verfolgte schon früher den Ansatz der Quorum-Disk. Dabei legt Xen Server eine virtuelle Disk an, die so genannte Shared Quorum Disc, die jeder physikalische Xen-Server verwendet, um über seinen Status zu informieren. Anders als beim ESXi Server, der den SAN-Weg nur als Backup benutzt, setzt Citrix auf beide Wege. Hier kommunizieren alle Clustermitglieder immer gleichzeitig via LAN und SAN. Mit Version 6.0 kann Citrix die Heartbeat-Kommunikation außerdem über einen NFS-Server abwickeln.

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