Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2011
© spacejunkie, photocase.com

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Test: Eigene Daten mit Owncloud 2.0 verwalten

Eigenes Quellwölkchen

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Mit Owncloud schafft sich der Anwender selbst eine Alternative zu den vielen Online-Speicherdiensten, deren Datenschutzversprechen wolkig ausfallen. Vor wenigen Tagen hat das Projekt die Version 2 der Open-Source-Software veröffentlicht.

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Owncloud ist eine quelloffene Software, die Privatanwendern und Communities hilft einen persönlichen Cloudspeicher auf einem Root- oder Intranetserver einzurichten. Damit behalten Anwender anders als bei geschlossenen Diensten wie Google Docs, Dropbox oder Ubuntu One die Hoheit über ihre Daten.

Owncloud [1] startete im Frühjahr 2010 als KDE-Projekt, das auf offene Standards setzt, aber keine KDE-Anwendungen voraussetzt. Es ist freie Software unter der Affero-General-Public-Lizenz (Version 3) und liegt seit 11. Oktober 2011 in der Version 2 vor. Eine Online-Demoinstallation kann jedermann unter [2] testen.

Ein Owncloud-Server speichert die Benutzerdaten und bietet die Schnittstellen an, über die Clients zugreifen. Die Daten können sowohl normale Dateien wie Dokumente, Musik oder Bilder als auch Datensätze wie Kontakte oder Termine sein. Der Datenzugriff gelingt über Webdav und Browser von jedem Linux-, Mac- oder Windows-System und mobilen Geräten. Das integrierte Plugin-System erweitert Owncloud etwa um einen HTML-5-Musikplayer, einen synchronisierbaren Kalender oder ein Adressbuch und ermöglicht es, weitere Funktionen zu entwickeln.

Die Software ist auf einem privaten Root- oder Firmenserver unter Linux, Windows oder Mac OS installierbar. Der Betrieb einer Owncloud-Instanz setzt PHP, Apache sowie MySQL oder SQLite als Datenbank-Backend voraus. Einige Linux-Distributionen halten ein Owncloud-Paket vor – selten aber die Version 2. Neue Releases und Entwicklungsversionen sind direkt im Git-Repository [3] oder als Tarball zu finden.

Für diesen Artikel haben die Tester Owncloud 2 als Tarball auf einem Ubuntu 11.04 installiert. Dafür reicht die Installationsanleitung auf [1]. Beim ersten Aufruf im Browser fragt Owncloud Konfigurationsparameter ab, und schon ist die eigene Cloud betriebsbereit.

Lobenswert ist, dass bei falsch vergebenen Zugriffsrechten des Speicherverzeichnisses das Owncloud-Webinterface eine Fehlermeldung anzeigt. Apropos Sicherheit: Es zu empfehlen, auf die Daten nur über verschlüsselte Verbindungen zuzugreifen und zudem die PHP-Sicherheitserweiterung Suhosin [4] einzusetzen.

Bedienen

Auf das Owncloud-Speicherverzeichnis greift der Benutzer mit gängigen Dateimanagern per Webdav oder Secure Webdav transparent zu. Unter Linux kann er auch mit Dateisystemtreibern wie Davfs2 das Webdav-Speicherverzeichnis als lokales Dateisystem einbinden und somit für alle Anwendungen systemweit zugänglich machen. Dateirechte in der Cloud über Webdav zu ändern funktioniert aber nicht. Auch das lokale Zwischenspeichern der Daten für den Offlinebetrieb ist mit Owncloud 2 nicht möglich, ein Synchronisationsclient befindet sich aber in Entwicklung.

Obwohl primär Webdav für das Management von Dateien vorgesehen ist, kommt das Owncloud-eigene Webinterface dem Anwender wie dem Administrator entgegen. Die auf Ajax fußende Weboberfläche im modernen Design ist benutzerfreundlich und reagiert schnell. Die aktuelle Version arbeitet mit den meisten gängigen Browsern, wenn auch mit kleinen Unterschieden. Mit Firefox klappte der Aufruf der Seiten im Test am besten. Die Darstellung auf Smartphones ist möglich, wenn auch die Entwickler das Layout entsprechend anpassen sollten.

Wer per Webinterface zugreift, darf Dateien hoch- und herunterladen, löschen und Ordner anlegen. Er kann aber auch mehrere Dateien auswählen oder ganze Ordner herunterladen, die Owncloud vorher automatisch als Zip-Datei verpackt. Allerdings fehlen einige Rückmeldungen an den Benutzer, so beim Überschreiben von gleichnamigen Dateien oder wenn jemand die Menge der maximal hochladbaren Dateien überschreitet – voreingestellt sind das nur 20 Stück.

Zum Dateitausch bestimmt der Anwender mit den Share-Icons im Webinterface, ob er eine Datei mit ausgewählten Benutzern teilen oder für alle zugänglich machen will (Abbildung 1). Owncloud setzt mit dem Austausch und der Kollaboration zwischen den Anwendern den sozialen Aspekt des aktuellen Internets um. Das Webinterface hilft Benutzer und Gruppen zu verwalten und deren Speicherressourcen (Quota) zu limitieren. Zur Authentifikation unterstützt Owncloud auch LDAP und Open ID.

Abbildung 1: Der Nutzer kann Files für einzelne oder alle Benutzer freigeben.

Own Music

Hochgeladene Musikdateien und -alben erkennt Ownclouds Media-Plugin automatisch und trägt sie in die Playliste ein. Der erwähnte HTML-5-Audioplayer spielt die Stücke im Browser ab. Das Media-Plugin bildet auch das Ampache-API [5] nach, was den Weg zum Audio-Streaming-Server ebnet. Desktop-Mediaplayer, die mit Ampache klarkommen, spielen die Musik von Owncloud auch direkt – so wie Amarok im Test (Abbildung 2).

Zum Erkennen der Musik-Metadaten nutzt Owncloud das »mp3info« -Tool, was naturgemäß bei MP3-Dateien gut klappt. Musikformate wie Ogg, WAV oder WMA trägt Owncloud dagegen entweder nicht in den Musikkatalog ein oder der Browser spielt sie schlicht nicht ab.

Den Zugriff auf Musik, Kalender, Adressbuch oder weitere Funktionen der Owncloud-Plugins regelt die Software über URLs, die im Web-GUI unter »Einstellungen | Persönlich« einsehbar sind. Der Benutzer trägt diese in die entsprechenden Applikationen seiner Clients ein. Owncloud 2 setzt dabei auf offene Standards (Tabelle 1). Im Test gelang es, Kalender- und Adressbucheinträge mit einem Android-2.1-Smartphone auszutauschen – dessen internes Adressbuch und eine externe Kalender-Anwendung reichten. Dies für ein Apple-IOS-Gerät zu wiederholen, klappte hingegen nicht.

Als KDE-Projekt legt Owncloud großen Wert auf die Verzahnung mit lokalen Anwendungen. So unterstützt Owncloud das Open-Collaboration-Services-API [6] und will damit wichtige Benachrichtigungen an OCS-kompatible Clientanwendungen übermitteln, etwa dass der Speicher ausgeht oder ein Zugriffskonflikt auf eine Ressource auftritt. Dieses Zusammenspiel verschloss sich im Rahmen dieses Artikels aber Mangels Dokumentation einem Funktionstest.

Trotz einiger Unzulänglichkeiten der 2er Version hat das Owncloud-Projekt offenbar noch viel vor, denn es entwickelt an Funktionen wie einer Bildergalarie, an Deteiverschlüsselung und einem Online-Texteditor. Außerdem arbeitet das Team an einer breiteren Unterstützung für Mediendaten und am Code zum Anbinden und Synchronisieren von Android- und Web-OS-Geräten. Die längerfristige Planung sieht das Versionieren und Wiederherstellen von Dateien vor.

Abbildung 2: Der Musikplayer Amarok unterstützt das Ampache-API und spielt die Musikdateien aus der Owncloud direkt ab.

Tabelle 1

Unterstützte offene Standards

Standard

Datentyp

HTML 5

Auszeichnungssprache für Webinhalte

Webdav

Zugriffsprotokoll für Dateien

Ampache

Zugriffsprotokoll für Musik-Metadaten

Carddav

Zugriffsprotokoll für Kontaktdaten

Caldav

Zugriffsprotokoll für Kalenderdaten

Open Collaboration Services

Webservice-API für soziale Netze

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