Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2011
Robert Lerich, 123RF

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Auswahl unter den Programmiersprachen

Mehrsprachig

Viele verschiedene Programmiersprachen zu lernen macht Spaß und erweitert den Horizont. Doch der Entwickler braucht auch eine vertraute Sprache für seinen Arbeitsalltag.

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Vor wenigen Jahren passierte mir in einer Fachbuchhandlung etwas, das mich sprachlos machte. Auf meine Frage nach einem bestimmten PHP-Buch antwortete der Verkäufer: "Was wollen Sie denn mit PHP? Lernen Sie lieber Python, das ist im Kommen!" Ich war so verdutzt, als hätte mir jemand vor meinem Italienurlaub geraten, doch lieber Chinesisch zu lernen – weil das mehr Sprecher hat.

Neulich schrieb ein Leser an die Redaktion und fragte, warum wir immer noch regelmäßig den Perl-Snapshot veröffentlichen. Die Sprache sei doch veraltet und es gäbe doch so schöne neue wie Python, Lua und Scala. Selbstverständlich widmet das Linux-Magazin ihnen immer wieder Artikel, auch Go und Squirrel haben schon im Heft Platz gefunden.

Vertraut

Doch der Perl-Snapshot hat eine feste Fangemeinde, wie die Redaktion an den Leserbriefen merkt. Viele Leser haben nicht nur Freude an den kreativen Programmierbeispielen, die sich Mike Schilli immer wieder einfallen lässt – sie fühlen sich offenbar in Perl zu Hause, weil sie es selbst in ihrer Arbeit verwenden.

Die Vielfalt der Sprachen ist etwas Wunderbares. Es ist für jeden Entwickler lehrreich, sich mit ihm fremden Sprachen zu beschäftigen, etwa mit Hilfe von Bruce Tates Buch "Sieben Wochen, sieben Sprachen", das jetzt auch auf Deutsch erhältlich ist [1]. Was der Programmierer hier über Haskell, Prolog und Erlang lernt, kann die tägliche Arbeit in seiner Hauptsprache befruchten.

Genauso wünschenswert ist es aber, eine oder wenige Sprachen auf hohem Niveau und in allen Feinheiten zu beherrschen. Daher arbeiten Entwickler, Teams oder ganze Firmen oft durchgehend in einer einzigen Programmiersprache. Eine der verbreitetsten für den Alltagseinsatz ist C++, das in freier Software wie KDE, Libre Office und Mozilla Firefox steckt. Bei einer Stichprobe auf dem Softwareportal Freshmeat.net kommt C++ mit 5496 Einträgen auf den ersten Platz, vor C mit 997 und Python mit 292.

Die populäre Sprache erfuhr dieses Jahr eine bedeutende Reform, die unter dem Namen C++11 firmiert. Deshalb widmet das Linux-Magazin dem neuen C++ eine kleine Reihe. Sie zeigt, wie ein Entwickler mit dem neuen Standard effizienter und eleganter programmiert. Sie belegt aber auch, dass C++ Einflüsse aus anderen Sprachen aufgenommen hat. Beispielsweise hat sich C++11 die Lambda-Funktionen bei den funktionalen Sprachen abgeschaut. Mit diesem Thema startet der Autor Rainer Grimm in diesem Heft seine Reihe.

Unvollkommen

Selbstverständlich machen auch die neuen Features C++11 nicht zu einer vollkommenen Programmiersprache. Aber wie sagt der C++-Erfinder Bjarne Stroustrup? "Jeder, der zu einem kommt und behauptet, er habe die perfekte Sprache, ist entweder naiv oder er möchte etwas verkaufen."

Eine besondere Rolle spielt die Unvollkommenheit der Programmiersprachen bei der Sicherheit von Software. Sie erlaubt es den Entwicklern nämlich, bestimmte Fehler zu machen, die Software abstürzen lassen oder anderen Schaden anrichten. Damit beschäftigt sich Mark Vogelsbergers "Insecurity Bulletin" in der Rubrik Know-how, das ebenfalls in dieser Ausgabe startet.

Infos

  1. Bruce A. Tate, "Sieben Wochen, sieben Sprachen": O'Reilly 2011, ISBN 978-3-89721-322-7

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