Open Source im professionellen Einsatz

Aus dem Alltag eines Sysadmin: E-Log

Watt denn mehr?!

Wer zum Begleichen der letzten Stromrechnung Linux-Zeitschriften austragen muss, kann anhand der folgenden Anleitung nach den Ursachen forschen. Voraussetzung ist ein Energiezähler neuerer Bauart.

Vor einigen Jahren präsentierte mir mein Energieversorger eine für ihn höchst erfreuliche Rechnung. Die bescheinigte mir, nur eine Handvoll Kilowattstunden vom automatischen Wechsel in den Großabnehmertarif entfernt zu sein. In der fraglichen Zeit bildeten wir einen Haushalt mit zwei Erwachsenen, einem Säugling und zwei 19-Zoll-Schränken. Meine Einlassung: "Da sieht man mal, was Fläschchenwärmer und Babyphon so anrichten!", nahm meine Holde zwar mit Humor. Mich sensibilisierte der finanzielle Strom-Schlag jedoch, beim nächsten Hardwarekauf nicht nur auf GHz zu achten.

Der Zähler war seinerzeit ein schwarzer Kasten, in dem sich eine Metallscheibe im Rhythmus des Strombezugs dreht. Mittlerweile sonnt sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, in deren Gefolge es auch einen neuen, jetzt digitalen Zähler gab. Wie fast alle modernen besitzt mein Zähler eine Infrarot-LED, die Daten morst. Zum Auslesen genügt ein Fotohalbleiter, der die Daten des Zählers empfängt und nach einer Pegelwandlung an die serielle Schnittstelle eines Linux-Rechners weitergibt.

Elektrotechnisch Begabte bauen das Gerät anhand von [1] selbst, das benötigte Material kostet unter 10 Euro. Lötkolben-scheues Gesindel wie ich bezieht den fertigen Optokopf von einem Fachhändler. Da mein Linux-Server, der praktischerweise nur zwei Meter vom Stromzähler entfernt werkelt, keine serielle Schnittstelle besitzt, habe ich zusätzlich ein Ethernet-Modul erworben, das die Daten sekündlich übers Netz bereitstellt.

Kurzer Blackout

Jetzt gelangen die Datenblöcke in den Rechner (Listing 1), beim Aufdröseln hilft mir [2]: Es läuft darauf hinaus, das Smart-Meter-Language-Format zu durchsuchen. Als Momentanverbrauch brauche ich den Wert für "Wirkarbeit Bezug". Der Datenblock beginnt mit hexadezimal »77070100010800FF« . Einige Bytes später taucht die Sequenz »621E52FF« auf, die besagt, dass der Zählerstand in Wattstunden mit einer Nachkommastelle portioniert sein wird. Die zwischen »56« und »01« stehende Zahlenfolge ist der Zählerstand, den ich nur von Hex nach Dezimal wandeln muss. Ich wiederhole die Messung nach einer Stunde und erhalte aus der Differenz beider Werte meinen Verbrauch in Wattstunden.

Listing 1

Hex-Code vom Zähler

01 mac=00:08:DC:17:5D:B1
02 boot=1
03 fw=02.00
04 time=1259877154
05 zpb=DE0000000000000000000000000000002
06 SML(1B1B1B1B0101010176070012003D458C620062007263010176010107001200116
07 [...]
08 0000001B1B1B1B1A034D1F)

Die meisten Zähler liefern noch andere Werte. Das ist sinnvoll für Tarife, wenn Tag- und Nachtstrom unterschiedlich teuer sind oder die von Solarmodulen eingespeiste Energie zu bestimmen ist. Zum Visualisieren der Daten (Abbildung 1) greife ich zu RRDtool [3]. Um die Datenbank zu füttern, muss der Linux-Server natürlich Tag und Nacht laufen – zur Freude meines Energieversorgers. (jk)

Abbildung 1: Den Verbrauch des Kühnast'schen Haushalts zeigt die rote Linie, die Solar-Einspeisung ist grün.

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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