Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2011
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The Winner is … Open QRM

Die oben vorgestellten Komplettlösungen zielen darauf ab, Admins ein möglichst umfassendes und nützliches Werkzeug zur Cloudadministration zu geben. Open QRM erfüllt diese Aufgabe gut, ist aber eigentlich nicht Cloud-spezifisch und bringt einige Funktionen mit, die für Cloudadmins keinen Nutzen haben. Eucalyptus und Open Stack eignen sich perfekt, um Kunden schnell ein Plätzchen in der Wolke herzurichten, Verrechnung und dergleichen inklusive. Dafür hapert es in Sachen Hochverfügbarkeit und Verlässlichkeit bei Ausfällen.

Open QRM ist im Gegensatz zu Eucalyptus und Open Stack eine sehr elegante Lösung zum automatisierten Überwachen von virtuellen Maschinen innerhalb der Cloud. Die verschiedenen Abstraktionsschichten beweisen, dass sich die Entwickler einige Gedanken zu diesem Thema gemacht haben. Die Umsetzung von Virtualisierung in Open QRM und die damit verbundene Option, nahtlos zwischen einer virtuellen Maschine und einem physikalischen Server hin und her zu schwenken, überzeugen. In Sachen Virtualisierung unterstützt Open QRM neben den üblichen Verdächtigen KVM und Xen auch VMware sowie Hosts mit Citrix Xen Server, Open VZ, Lxc oder Virtualbox.

Auch beim Storage gibt sich die Umgebung kontaktfreudig und spricht I-SCSI, AOE und lässt sich auch mit einer Netapp-Appliance verbinden. Unterstützung für DRBD ist ebenso enthalten, genauso wie für verschiedene LVM-Funktionen. Open QRM ist eine runde Sache, auch wenn der Funktionsumfang wohl über die Grenzen dessen hinausschießt, was viele Admins brauchen. Wer Open QRM ausprobieren möchte, kann das auf praktisch allen gängigen Distributionen tun. Es gibt zwei Varianten der Umgebung: Die Open-Source-Version sowie die Enterprise-Version. Letztere bietet vor allem ein Modul für elektronische Zahlungsabwicklung (Billing) mit eigener Währung. Auch die im Artikel beschriebenen Funktionen für IPMI-Management sind der kostenpflichtigen Enterprise-Version vorenthalten.

Bedingt empfehlenswert: Eucalyptus und Open Stack

Eucalyptus 2 und Open Stack versagen beim Thema Hochverfügbarkeit in der Cloud vollständig. Angesichts der Tatsache, dass HA-Clustering in der IT seit mindestens 15 Jahren ein Thema ist, erscheint es fast schon gruselig, dass die Entwickler der gängigen Cloudlösungen dieses Thema bisher fast komplett ausgeklammert haben. Gerade ein Service, der vielen Benutzern gleichzeitig eine Dienstleistung verspricht, müsste an dieser Stelle mehr leisten.

Ein wohltuender Lichtblick ist da zweifellos Eucalyptus 3: In der noch dampfenden neuen Release der ehemaligen Ubuntu-Standardcloud haben die Entwickler das Thema Hochverfügbarkeit tief verankert. Mit Eucalyptus 3 schlafen Admins besser, denn selbst wenn einer von den diversen Knoten einer Cloud mal den Geist aufgibt, kümmert sich die Eucalyptus-3-Zentrale darum, dass die fehlenden Dienste woanders ins Leben zurückgeholt werden.

Wer auf Open Stack oder Eucalyptus 2 festgenagelt ist, muss sich seine Hochverfügbarkeit auf Umwegen gewährleisten.

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