Tellico
Auch das KDE-Tool hat bereits einige Jährchen auf dem Buckel und verwaltet seit 2002 Sammlungen. Die ersten zwei Jahre hieß die Anwendung noch Bookcase; 2004 änderten die Entwickler wegen eines Markenkonflikts den Namen zu Tellico [2] – keine schlechte Idee, wie sich zeigte, denn Tellico konzentriert sich längst nicht mehr auf die Inventarisierung von Bibliotheken. Auch dieser altgediente Manager ist Bestandteil der meisten Linux-Distributionen; im Test trat Version 2.2 an.
Nach dem Start präsentiert Tellico eine jungfräuliche Bücherdatenbank – wie noch zu Bookcase-Zeiten. Der Knopf »Neu«
mit dem grünen Pluszeichen führt jedoch zu weiteren Sammlungstypen. Zwölf vordefinierte bietet das KDE-Tool an, darunter Bibliografien, Comics, Videos, Münzen, Briefmarken, Wein und verschiedene Spiele. Für die Bestandsaufnahme im Büro wählt der Anwender den 13. Menüpunkt namens »Neue benutzerdefinierte Sammlung«
.
In einer solchen gilt es zunächst, Felder über den gleichnamigen Menüpunkt zu definieren (Abbildung 3). Dies erweist sich als mühsamer Vorgang, den Tellico weder durch überwältigende Benutzerfreundlichkeit, noch durch Kontexthilfen unterstützt. Eine aufmerksame Lektüre des Benutzerhandbuchs ist dringend angeraten. Der Entwurf eigener Felder sollte außerdem im Vorfeld gut überlegt sein. Zwar kann der Nutzer jederzeit neue zur Sammlung hinzufügen und Tellico modifiziert danach automatisch vorhandene Einträge, der Feldinhalt ist davon jedoch unbeeinträchtigt. Das bedeutet, dass Anwender jeden bestehenden Eintrag erneut anfassen müssen.
Sind diese Hürden erst einmal genommen, beginnt das Einpflegen der Büroausstattung. Hier lauert die nächste Usability-Panne: Die Toolbar enthält gleich zweimal den Button »Neu«
. Diesmal gilt es, den rechten für einen neuen Eintrag zu wählen, nicht den für eine neue Sammlung. Das Editorfenster ist darüber hinaus missverständlich. Klickt der Anwender auch auf »Eintrag speichern«
, so muss er vor der Bearbeitung eines weiteren Gegenstands auf jeden Fall auch »Neuer Eintrag«
betätigen – andernfalls überschreibt Tellico die zuvor angelegten.
Bezugsquellen
Auch Tellico fügt optional Bilder zu den Einträgen hinzu – allerdings nicht beim Import aus Internet-Datenquellen. Dafür erlaubt dieser Sammlungsmanager aus dem Eintragseditor heraus nicht nur Zugriff auf Grafiken auf der Festplatte, sondern auch auf einen angeschlossenen Scanner (siehe Abbildung 4). Ein Klick auf »Öffnen mit«
ruft auch bei dieser Anwendung einen Bildbearbeiter auf den Plan, sodass Anwender für kleine Anpassungen an den Schnappschüssen das Tool nicht verlassen müssen.
Ein Klick auf den Button »Suchen«
mit dem Zauberstab-Icon generiert für einige Sammlungen automatisch neue Einträge aus Onlinequellen. Diese Funktion eignet sich nicht für benutzerdefinierte oder die exotischeren Sammlungen wie Spielkarten, selbst wenn ein EAN-Feld (European Article Number, eine international eindeutige Produktkennzeichnung) vorhanden ist. Fürs Erfassen von Büroartikeln bleiben daher nur der mühsame Weg zu Fuß oder der Import aus anderen Anwendungen. Tellico kennt über 15 Importformate, darunter CSV, Bibtex, Audio-CD-Metadaten, Alexandria und Delicious-Bibliotheksdaten.
Es ist sehr ratsam, nach jedem Neueintrag die gesamte Sammlung zu speichern, denn der Button »Eintrag speichern«
fügt einen Gegenstand nur zur Datenbank hinzu, speichert aber nicht die Tellico-Datei auf der Festplatte. Auch dieser Sammlungsmanager zeigte sich nicht besonders stabil. Der Berichtsgenerator beispielsweise brachte das Programm im Test reproduzierbar zum Absturz. Mit großen Überraschungen und nützlichen Features wartet Tellico nicht auf. Filter- und Suchfunktionen sind selbstverständlich vorhanden; Funktionen, um Verliehenes im Auge zu behalten oder Anschaffungslisten zu erstellen, fehlen.
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