Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2011
© Pratya Chutipattarasakul, 123Rf

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Drei Sammlungsmanager im Test

Klasse Kataloge

An den akribisch aufgezeichneten Buch- und DVD-Listen erkennt man einen gut geführten Nerd-Haushalt. Bei der Datenerfassung helfen Sammlungsmanager, deren Talente aber nicht auf den Privatbereich beschränkt sind. Bei der Büroinventur stellen Gcstar, Tellico und Shelves ihre Fähigkeiten unter Beweis.

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Briefmarken, Schuhe, Bierdeckel, DVDs, alte Hardware – Sammelleidenschaft kennt keine Grenzen. Doch nicht nur in Privathaushalten häufen sich Gegenstände an, auch der Arbeitsplatz bleibt nicht verschont von Stapeln verschiedenster Art. Sammlungsmanager (Collection Manager) bringen Ordnung ins Geschehen. Sie verwalten außer den privaten Buch- und Filmdatenbanken auch Arbeitsmaterialien, inventarisieren Büros, helfen dabei, Einkaufslisten vorzubereiten, und sorgen für mehr Übersicht im firmeneigenen Lager.

Im Test stellen drei Tools ihre Organisationstalente unter Beweis und zeigen, welche unterschiedlichen Sammlungsarten sie verwalten, wie sie Daten erfassen, diese sortieren und filtern. Auch die Im- und Exportformate spielen eine Rolle. Die beiden altgedienten Desktoptools Gcstar und Tellico bekommen von einer Android-App namens Shelves Konkurrenz. Sie zeigt, dass die Zeit nicht stehen bleibt und Smartphones bewährte Technik mit neuen Features kombinieren.

Gcstar

Der erste Testkandidat war ursprünglich für Cineasten konzipiert. Gcstar [1] ging 2006 aus der Filmdatenbank Gcfilms hervor. Der Sammlungsmanager ist nicht nur für Linux, sondern auch für Free BSD, Mac OS X und Windows verfügbar – ideal für Büros mit heterogener Rechnerlandschaft. Auf der Projekthomepage stehen die Quellen zum Download bereit. Die meisten aktuellen Distributionen halten die Software auch als fertiges Paket vor. Im Test trat Version 1.5.0 unter Ubuntu 11.04 an.

Nach dem Start entscheidet sich der Anwender zunächst für einen vordefinierten Sammlungstyp. Insgesamt zwölf davon stehen zur Wahl. Neben den zu erwartenden für Bücher, Briefmarken, Filme, Musik, Zeitschriften, TV-Serien-Episoden und Videospiele bietet das Tool Typen für Comics, Münzen, Wein und sogar Fahrzeugminiaturen. Die Webseite verrät, dass die Anzahl fertiger Kompilationen stetig steigt. Die aktuelle Version 1.6.2 hat bereits 15 in petto.

Wer hier nicht fündig wird, der hat die Möglichkeit, eine eigene Sammlung zu erstellen oder eine Kollektion zu importieren. Gcstar versteht und verarbeitet unter anderem die Formate Alexandria, Ant Movie, DVD Profiler, Gcfilms und Tellico. Für eine benutzerdefinierte Sammlung legt der Anwender zunächst die Datenfelder fest. Tooltips helfen dabei, die richtigen Kategorien zu definieren (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Gcstar hat einen praktischen Feldeditor an Bord, der den Anwender beim Erstellen von benutzerdefinierten Sammlungen unterstützt.

Füttert der Nutzer eine Gcstar-Sammlung mit neuen Elementen, speichert das Programm in der Voreinstellung nach jedem neuen Eintrag. Dies ist eine sinnvolle Option, die der Anwender in den Programmeinstellungen zwar deaktivieren kann, aber nicht sollte. Zu oft stürzte Gcstar auf dem Testsystem ab – einen Preis für das stabilste Linux-Programm gewinnt der Sammlungsmanager nicht.

Zeigt her eure Daten

Gcstar bietet die Möglichkeit, Bilder zu seinen Kollektionen hinzuzufügen (siehe Abbildung 2). Dies geschieht wahlweise per Drag&Drop ins Dialogfenster oder per Rechtsklick auf das Icon und den Datei-Auswahldialog. Das Kontextmenü der rechten Maustaste bietet ebenfalls einen Eintrag »Öffnen mit« an, über den der Anwender die Grafik in einem Bildbearbeitungsprogramm anpasst. Film-, DVD- und Fernsehserien-Sammlungen nehmen auch Videodateien in die Detailbeschreibungen auf. Ein Klick auf den kleinen grünen Pfeil in der Symbolleiste startet den Standard-Videoplayer, der eine bewegte Vorschau bietet.

Abbildung 2: Das Auge isst mit: Gcstar fügt auf Wunsch Bilder zu seinen Einträgen hinzu. So sehen Anwender auf einen Blick alle Elemente in der Sammlung.

Wer nicht alles von Hand eingeben möchte, der nutzt die Onlinesuche. Gcstar bietet für mehrere Sammlungstypen eine Internetrecherche an, die über Plugins implementiert ist. Je nach Datenbank kontaktiert das Programm dazu unterschiedliche Quellen, etwa die deutschen und amerikanischen Amazon-Webseiten, bekannte Film-, Briefmarken- sowie Brettspieledatenbanken. Da Gcstar zusammen mit den Informationen auch geschützte Inhalte wie Cover und Buchhüllen herunterlädt, ist ein entsprechender Copyright-Hinweis vorhanden, den der Anwender im Vorfeld abnicken muss.

Die Suche im Netz klappt unterschiedlich gut. Einige Anbieter liefern prompt und bieten umfangreiche Detailinformationen zum Import an, bei anderen zeigt Gcstar lediglich einen blinkenden Suchbalken an, und es tut sich nichts. Für solche Fälle und auch für eigene Sammlungen, die keine Internetsuche erlauben, bleibt nur der mühsame Weg – der Nutzer trägt alles von Hand ein.

Ist die Sammlung erst einmal beieinander, erweist sich Gcstar als durchdachter Manager, der mit seiner Übersichtlichkeit punktet. Mit diversen Filterfunktion sortieren Anwender auch umfangreiche Kollektionen. Praktisch ist ebenfalls, dass Anwender ihre Suchanfragen speichern können. Das spart Zeit und Tipparbeit auch. Als Sahnehäubchen gibt's oben drauf eine Ausleihverwaltung mit integriertem Mailversand. So erinnert der Sammlungsmanager per Mausklick säumige Anwender daran, einen Gegenstand doch bitte bald zurückzugeben.

Gcstar bietet acht Exportformate: Tar.gz, CSV, HTML, Latex, Palm PDB, SQL, XML und Tellico. Letzteres ist das Format der Wahl, wenn Nutzer ihre Daten mit dem nächsten Testkandidaten weiterbearbeiten möchten. Auch wenn der KDE-Sammlungsmanager Gcstar-Dateien versteht, ging trotzdem beim Im- und Export im Test das eine oder andere Coverbild verloren.

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