Open Source im professionellen Einsatz

Datengärtnerei

Jabrefs Suchfunktionen sind einem guten Unix-Werkzeug angemessen. Eine direkte Suche springt jeweils den nächsten Eintrag an, der die gesuchte Zeichenkette enthält. Zusätzlich fahnden Anwender nach ganzen Wörtern, mit booleschen Operatoren und regulären Ausdrücken. Ein Klick auf das Lupensymbol blendet die Suchfunktion ein und aus.

Der Weg der Jabref-Daten in verschiedene Textverarbeitungen ist mitunter mit Umwegen verbunden. Eine Aufnahme der Bibtex-Dateien in MS Word ist dank des externen Helfers Bibtex4Word keine große Herausforderung. Anders sieht es mit dem auf der Homepage angebotenen Open-Office-Plugin aus. Damit sich die Literaturverwaltung mit der Officesuite unterhält, benötigt sie eine Style-Datei. Wer unter den sechs angebotenen Zitierstilen nicht fündig wird, muss selbst Hand anlegen und sich sowohl mit dem Format der Jabref-Style-Dateien als auch mit den Anforderungen des Zitierstils auseinandersetzen.

Mit einer passenden Style-Datei bewaffnet, verbindet der Nutzer Jabref und Open beziehungsweise Libre Office über das Icon mit dem Stecker und fügt die Referenz über das Feld »Cite« oder »Cite in-text« ein. Zudem ist Jabref in der Lage, automatisch eine Bibliografie am Ende des Textes zu erstellen. Dazu aktiviert der Anwender in den Programmeinstellungen die Funktion »Automatically sync bibliography when inserting citations« . Im Test mit Libre Office hakte es hier des Öfteren, da Style-Datei und Absatzformat des Dokuments offenbar nicht miteinander harmonierten.

Wer die liebevoll gehegte und gepflegte Jabref-Datenbank auf mehr als einem Rechner nutzen möchte, der greift am besten zu Unix-Bordmitteln wie Rsync oder Unison. Eine eigene Funktion zur Synchronisation fehlt der Literaturverwaltung ebenso wie moderne Kollaborationstools. Der gemeinsame Zugriff über ein NAS oder ein Netzlaufwerk ist aber kein großes Problem. Felder wie »Timestamp« und »Owner« machen Änderungen nachvollziehbar.

Zotero

Der zweite Testkandidat entsteht am Roy Rosenzweig Center for History and New Media der George Mason University in Fairfax. Zotero [5] ist unter der AGPLv3 veröffentlicht und ebenfalls kostenlos erhältlich. Bis Ende des letzten Jahres waren Zotero-Anwender gezwungen, Firefox zu nutzen, denn das Tool war ein reines Browser-Addon. Seit Januar 2011 existiert ein Standalone-Client. Dieser basiert auf dem Mozilla Application Framework und bietet Konnektoren für Chrome und Safari; andere Browser folgen möglicherweise. Im Test trat Zotero 3.0b2.1 Beta an.

Zusätzlich stellt der Hersteller eine eigene Storagelösung zur Verfügung. Die ersten 100 MByte sind kostenlos, danach folgt eine Staffelung von 1  GByte Speicherplatz (20  US-Dollar pro Jahr), über 5  GByte (60  US-Dollar) und 10  GByte (100  US-Dollar) bis 25  GByte (240  US-Dollar). Anwender müssen dieses Angebot jedoch nicht annehmen – Zotero nutzt alternativ für die Synchronisation jeden Webdav-fähigen Server.

Das Browser-Addon (aktuell zur Drucklegung: 2.1.8) nistet sich in der Firefox-Fußzeile ein und öffnet nach einem Mausklick das Zotero-Fenster. Es schiebt sich über die untere Hälfte des Browserfensters und bleibt selbst beim Tabwechsel im Vordergrund. So halbiert sich der sichtbare Bereich geöffneter Webseiten bei jedem Zotero-Einsatz, was bei längeren Arbeitssitzungen oder kleinen Displays durchaus für Frust sorgt.

Als Alternative empfiehlt sich der Standalone-Client, er blockiert nicht länger das Browserfenster. Eine Betaversion steht als Tar.gz-Archiv zum Download bereit. Nach dem Auspacken ist die Anwendung unter Linux ohne Installation lauffähig, Nutzer starten den Client direkt aus dem Verzeichnis mit den Quellen.

Im Großen und Ganzen zeigte sich die Betaversion recht ausgereift im Test, vertrug sich aber nicht mit der stabilen Variante des Addon. Solange der Standalone-Client läuft, können Nutzer aus Firefox heraus nicht auf Zotero-Funktionen zugreifen. Ein mutiges Update auf die Betaversion der Browser-Erweiterung schafft Abhilfe, denn sie wechselt automatisch in den Konnektormodus, wenn das eigenständige Programm läuft.

Vor der eigentlichen Arbeit mit Zotero ist ein Besuch in den Einstellungen Pflicht. Im Bereich »Erweitert« empfiehlt sich unbedingt die Auswahl eines Speicherorts für die Datenbank. In der Voreinstellung landet diese im Firefox-Konfigurationsverzeichnis. Der eigene Datenbestand wächst schnell auf mehrere GByte an und so ist die Auslagerung – eventuell sogar auf eine eigene Datenpartition – sinnvoll. Im Einrichtungsdialog sollten sich Anwender weiterhin in den Bereich für die Suchfunktion begeben und die Hilfstools zur Indizierung von PDFs einstellen. Mehr als ein Klick ist zur Installation aber nicht nötig.

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