Sexy und attraktiv?
Aber es gibt noch ein Modell: Wenn ein Projekt so attraktiv ist, dass es jede Menge Contributions anzieht. Dort stellt sich aber das Problem der Vergänglichkeit: Was heute sexy ist, ist morgen out. Deshalb braucht Open Source langfristig alle Modelle. Heute sind wir gut beim Linux-Kernel – auch wenn der nicht aus halb so viel Altruismus entsteht, wie viele denken. Da stecken eher harte Arbeit und Kalkül dahinter, wie bei Microsofts Engagement. In Sachen BSD-Modell sind wir nicht so gut, obwohl das auch schon bewiesen hat, dass es funktioniert.
Beim Single-Vendor-Modell sind wir wirklich schlecht, vor allem dann, wenn es um duale Lizenzen geht. Da sind viel zu viele Ängste im Spiel, und es gibt zu wenig Wettbewerb, der normalerweise hilft Probleme zu lösen und für die Diversität sorgt, die wir brauchen. Was wir hier machen – die digitale Allmende bestellen ("Grow the digital Commons"), und dafür brauchen wir viele verschiedene Ansätze.
Linux-Magazin: Wie sehen die für kleinere Firmen aus? Stellen die nicht den Großteil der Open-Source-Firmen in der Community?
Mark Shuttleworth: Ja und nein. Ich denke, es gibt nur wenige kleine Firmen mit einem klaren, erfolgversprechenden Geschäftsmodell. Große Firmen tun sich da leichter. Die finden immer wieder Möglichkeiten, auf Umwegen aus freier Software Geld zu machen, und sehen deshalb Sinn darin, zu Open Source beizutragen. Ihre Gewinne machen sie woanders. Intel verdient sein Geld mit Prozessoren, Oracle mit Datenbanken. Dem Open-Source-Engagement mancher großen Firma fehlt andererseits die Kontinuität – zu sehen bei Nokia, die offenbar lieber Handys bauen.
Auch wenn einzelne, die bei den Konzernen angestellt sind, leidenschaftlich ihren Projekten nachgehen und große handwerkliche Fähigkeiten an den Tag legen, so liegen doch die Motive, warum sich der Konzern hier engagiert, eben nicht in der Leidenschaft oder der Virtuosität oder der technischen Brillanz der Software. Das wird immer zweitrangig sein.
Das ist auch eine wirkliche Schwäche unseres Ökosystems, vor allem wenn ich das mit dem rund um I-OS vergleiche. Dort leben und sterben Software-Companies mit der Software, die Firmen haben einen viel höheren Anspruch, funktional und verlässlich zu sein.
Fehlendes Feuer
Linux-Magazin: Ist das Ihrer Meinung nach in der Welt der freien Software anders?
Mark Shuttleworth: Wir in der Open-Source-Welt bekommen viele Beiträge aus Konzernen, meist indirekte Beiträge, die gute Utilities, Tools, Werkzeuge ausmachen, aber wirkliches Feuer im Herzen erzeugen sie nicht. Die "konzentrierte Qualität", die wohl nur eine Firma produzieren kann, die mit der Software lebt und stirbt, die fehlt uns in der Open-Source-Welt. Hier sind die kleinen Firmen meist Consulting-Unternehmen, die nichts daran verdienen würden, eine richtig coole Chat-Applikation zu bauen. Sie müssen dem Kunden nur möglichst viele Stunden verkaufen.
Der bezahlt sie wiederum dafür, neue Features einzubauen. Und was ist das Resultat? Viele Funktionen als Fassade, aber eben nicht die eine, preisgekrönte Chat-Applikation. Sicher gibt es Gegenbeispiele, Firefox hat ein Business-Modell und ein tolles Ergebnis, dank einer indirekten Vermarktungsstrategie. Oder nehmen Sie MySQL, Trolltech, die sind alle auch unter anderen Lizenzen erhältlich. Die Community muss von diesen Beispielen lernen. Wir müssen uns auch von der Vorstellung verabschieden, ein Ökosystem aufbauen zu können, wo wir alle in allen Punkten übereinstimmen, das muss scheitern.
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