Open Source im professionellen Einsatz

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Open Nebula 3

Sternenwolke

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Mit der neuen Version 3 (Iris) positioniert Open Nebula 3.0 ein mächtiges Werkzeug zum Verwalten von Cloudsystemen am Firmament. Der Cloudnebel bringt ein überarbeitetes Management-Interface, Zonen und viele hilfreiche Features für den Admin-Alltag – auch für Firmen mit kleineren Setups.

Cepheus war der Name zweier antiker Könige. Der eine, König des peloponnesischen Tegea, hatte zwanzig Kinder und segelte mit Jason und den Argonauten. Der andere war Herrscher von Äthiopien, heiratete Kassiopeia und nannte seine Tochter Andromeda. Nach ihm ist heute das Sternbild Cepheus benannt, in dem sich auch der Iris-Nebel befindet (Abbildung 1). Den wiederum haben sich die Entwickler des von führenden Wissenschaftseinrichtungen getriebenen Open-Source-Cloud-Projekts Open Nebula als Namensgeber für ihre Version 3 ausgesucht. Sie erscheint Anfang September, dieser Artikel stellt das Projekt anhand der letzen Betaversion vor.

My Cloud is my Castle

Dynamische, bedarfsorientierte und abstrahierte IT-Infrastrukturen, das sei Cloud Computing, sagen dessen Fans. Gegner sehen darin nur einen Marketing-Hype. Doch viele Firmen überlegen mittlerweile, wie sie mit Ressourcen aus der Wolke ihre IT optimieren [1]. Auch der österliche Wolkenbruch bei Amazon [2] oder Microsofts vermutlich nur ehrliche Aussage [3], dass sie unter entsprechenden Voraussetzungen in Office 365 verarbeitete Daten an entsprechende Regierungsstellen ohne vorherige Information der betroffenen Nutzer herausgeben müssten, sorgen nach wie vor für Misstrauen bezüglich der Herausgabe von Diensten und Daten.

Bei der privaten Wolke dagegen bleibe zumindest der oft befürchtete Kontrollverlust aus, sagen jedenfalls die Admins und IT-Leiter. Infrastruktur und die darauf verarbeiteten Daten befinden sich im Haus, aber trotzdem lassen sich erste Erfahrungen mit der Technologie sammeln. Häufig erweist es sich finanziell auch schlicht als günstiger, die verwendete Infrastruktur selbst zu betreiben als sie strikt nach Ressourcen von Dritten abrechnen zu lassen.

Ein offener, skalierbarer Cloudnebel

Genau für diese Bedürfnisse stellt Open Nebula eine komplette Open-Source-Lösung bereit, die bei der Infrastructure-as-a-Service-Cloud (IaaS) gute Dienste leistet. Der Sternenwirbel zeigt sich dabei flexibel und erlaubt private, hybride, aber auch öffentliche Wolken. Das unter der Apache License 2.0 [4] veröffentlichte Open Nebula fand als Forschungsprojekt in der Distributed Systems Architecture Research Group an der Complutense Universität von Madrid seinen Ursprung [5], was nicht zuletzt seinen hohen Verbreitungsgrad an wissenschaftlichen Einrichtungen erklärt.

So gibt es etwa vom CERN (dem europäischen Kernforschungszentrum) Berichte [6], dort hätten die Admins mit Open Nebula zeitweise bis zu 16 000 virtuelle Maschinen für ein virtualisiertes Batchsystem verwaltet, das die Forscher bei der Auswertung der am weltgrößten Teilchenbeschleuniger gewonnenen Messergebnissen unterstützt. Aber Open Nebula kann auch für weitaus kleinere Umgebungen nützlich sein.

Beim grundsätzlichen Aufbau unterscheidet es sich nicht sehr von Alternativen wie Eucalyptus und Nimbus [7]. Wie die Konkurrenz bevorzugt es Prozessoren mit Virtualisierungsfunktionen und setzt auf Linux als Betriebssystem. Bei Open Nebula stehen Pakete für Ubuntu, Debian, Centos und Open Suse zur Verfügung, das Übersetzen aus dem Quellcode ist auch möglich. Je nach eingesetzter Distribution sind mehr oder weniger Abhängigkeiten aus Dritt-Repositories zu installieren. Der Kasten "Vom Login zur laufenden VM" gibt einen schematischen Überblick aus Anwendersicht, wie es sich mit Open Nebula im Alltag arbeitet.

Vom Login zur laufenden VM

1. Ein Benutzer meldet sich per SSH oder über die Webschnittstelle am Frontend an.

2. Er fordert gemäß seiner Wunschkonfiguration eine virtuelle Maschine an.

3. Open Nebula stellt die angepasste Imagedatei auf Basis der Anforderungen aus der Templatedatei bereit.

4. Das Frontend baut eine SSH-Verbindung zum zugewiesenen Clusternode auf.

5. Der Clusternode passt das Netzwerk an (Bridging).

6. Open Nebula stellt die Dateien zusammen, die der Hypervisor auf dem Clusternode für die Ausführung der VM benötigt.

7. Der Hypervisor startet die virtuelle Maschine.

8. Der Anwender erhält Zugriff auf die virtuelle Maschine.

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