Open Source im professionellen Einsatz

Design Matters!

Ansonsten prägen drei große Themen den Desktop Summit: Design, Benutzerfreundlichkeit und Mobility. Zwei Keynotes von Designern ernten große Beachtung, obwohl sie nicht aus einer der Communities kommen.

Claire Rowland definiert die App(likation) als einen "Touchpoint für Services". Mit dem wolle man zwar beispielsweise die Waschmaschine steuern, keinesfalls aber all die Knöpfe der Steuerung eines Küchengeräts bedienen müssen. Dafür bedürfe es eines neuen, klaren, mentalen Modells. Und weil bereits 2020 – aktuellen Studien zufolge – auf einen Anwender durchschnittlich sechs Devices kommen, müssten Apps und Daten Kontinuität und Konsistenz über Devicegrenzen aufweisen, wozu im Wesentlichen Onlineservices aus der Cloud zum Einsatz kämen. Dann fragt etwa das Smartphone den User: "Mein Akku ist fast leer, wollen Sie auf dem PC weiterarbeiten?" Der Desktop werde so, meint Rowland, zu einem Teil eines freien Ökosystems.

Toaster im Eigenbau

Auch der Engländer Thomas Thwaites ist Designer: In einer seiner jüngsten Arbeiten geht er beschwerliche Wege, um ein Gerät "from Scratch" zu bauen, einen Toaster. Inspiriert von einem Douglas-Adams-Zitat, versucht er aus selbst hergestelltem Stahl, eigenem Kupfer, Nickel und Plastik alle Bauteile selbst zu erzeugen. Das Ergebnis ähnelt eher dadaistischer Kunst, konnte aber immerhin ein Brot leicht aufwärmen – nur einmal, dann "brannte was durch".

Abbildung 4: Dave Neary (Gnome), Carl Symons (KDE Weekly Digest), Mark Shuttleworth im Gespräch, Gnome-Urgestein Owen Taylor und Toaster-Designer Thwaites.

Mit seiner Webseite, den Videos und seinem Buch zeigt Thwaites eines: "Uns umgeben alltägliche Dinge, die unglaubliche Komplexität und unglaubliche Kollaboration erfordern. Und wir widmen ihnen nur wenige Sekunden am Tag."

Nach der Veröffentlichung von Gnome 3 und den damit verbundenen, teils emotionalen Reaktionen zur Gnome Shell befindet sich das Projekt derzeit in einer Diskussion mit ungewissem Ausgang, was Owen Taylor bei seinem Vortrag über die neue Shell erfahren sollte und auch Gnome-Foundation-Vorstandsmitglied Stormy Peters freimütig einräumt: "Wir bekommen derzeit viel Feedback."

Das KDE-Team dagegen liefert zum Desktop Summit mit der neuen Roadmap und den Entwicklungen rund um die QML-basierte Touch-Oberfläche Plasma Active neue Ansätze, die wohl erst in den nächsten Monaten die üblichen Diskussionen nach sich ziehen dürften.

Die beiden führenden Desktop-Projekte sehen sich auf einem guten Weg, auch wenn das derzeit viele unzufriedene Anwender von KDE 4 und Gnome 3 (vereint mit Linus Torvalds und Dirk Hohndel) anders sehen. Mehrfach werden Rufe laut wie Nick Richards' (Gnome): "Hört nicht auf Linus! Kümmert euch um normale Anwender!"

Trotzdem nehmen die Communities die Entwicklungen der letzten Jahre auch selbstkritisch unter die Lupe, wie Gnomes Release-Manager Vinzent Untz, der gar von einem gleichzeitig stattfindenden KDE-4- und Gnome-3-"Trauma" spricht. Angesichts der Herausforderungen, die mobile Geräte mit Touchscreens bringen, suchen beide Projekte "Designer und neue Ideen für die Welt jenseits des Desktops" (Mirko Böhm).

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