Open Source im professionellen Einsatz

2013: Kernel 3.2?

Die Arbeit von Debians Kernel-Team präsentierte der Brite Ben Hutchings. Die Distribution setzt auf eine Kernelversion mit Long-Term-Support, die die Upstream-Entwickler rund 2 Jahre lang pflegen, beispielsweise Version 2.6.32.x für Debian 6.0 (Squeeze). Auch im Versionszweig 3 wird es solche Kernel geben, Wheezy könnte 2013 etwa mit Kernel 3.2.x erscheinen, schätzt Hutchings.

Das Team strebt einen Debian-Kernel an, der sich möglichst wenig vom Vanilla-Kernel unterscheidet. Das Dateisystem Aufs, das für Debian Live zum Einsatz kommt, steckt aber nicht im Upstream-Kernel und zählt damit zum kleinen Patchset des Teams, ebenso wie Grsecurity zum Härten des Betriebssystems.

Hutchings und Kollegen haben derzeit rund 1000 offene Bugs zu bewältigen. Er bat daher interessierte Debianer um Hilfe, insbesondere Entwickler mit PowerPC-Kenntnissen sind gefragt.

Als weltweit verteiltes Projekt mit rund 1000 Mitgliedern ist Debian zu einem beträchtlichen Teil mit Organisatorischem beschäftigt. So setzte sich Debian Project Leader (DPL) Stefano Zacchiroli zusammen mit einigen Amtsvorgängern auf das Podium, um Interessierten das Amt nahezubringen. Ian Jackson, Bdale Garbee, Martin Michlmayr und Steve McIntyre berichteten über ihre Erfahrungen und stellten sich Fragen (Abbildung 4). Sie möchten engagierte Debian-Mitarbeiter ermutigen, bei der nächsten Wahl zu kandidieren.

Abbildung 4: Der aktuelle Debian Project Leader und seiner Vorgänger (von links nach rechts): Ian Jackson, Steve McIntyre, Stefano Zacchiroli, Martin Michlmayr und Bdale Garbee.

Auf die Plätze …

In einer anderen Sitzung regte Stefano Zacchiroli an, mehr Entwickler-Sprints zu veranstalten. Projekte wie KDE seien mit diesen mehrtägigen Zusammenkünften sehr erfolgreich. Zu weiteren Informationen und Fördermöglichkeiten verwies er auf die Wiki-Seite des Project Leader [3]. Auch für andere Zwecke gibt es laut Zacchiroli Finanzmittel, etwa wenn Entwickler bestimmte Hardware zum Portieren benötigen.

Eine andere Runde beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Debian zu seinen zahlreichen Derivaten. Stellvertretend für die 130 aktiven Debian-Abkömmlinge saßen Moritz Mühlenhoff (Univention), Emmett Hikory (Ubuntu) und Michael Prokop (Grml) auf dem Podium, dazu ein Vertreter vom Projekt Tails, einer Live-CD zur anonymen Internetnutzung.

Sie äußerten sich sehr zufrieden mit der Debian-Basis und ihrem reichhaltigen Paketangebot. Die Derivate ihrerseits tragen zu Debian bei. Ubuntu, sagte Hikory, bringe viele neue Nutzer zu Linux. Daneben betreuten Ubuntu-Maintainer ihre Softwarepakete oft auch für Debian. Sein Kollege Colin Watson sprang ihm mit Zahlen bei: Rund 400 Patches von Ubuntu stünden derzeit in Debians Bugtracker BTS an, 1600 seien bereits eingearbeitet. Grml dagegen pflegt insbesondere Pakete rund um die Z-Shell.

Daneben nutzten viele weitere Gruppen die Debconf, um sich gemeinsam an den Tisch zu setzen, vom Debian-Women-Projekt über die Perl-, Java- und Haskell-Paketierer bis zu den Debian Pure Blends. Die zu Hause Gebliebenen durften sich an den Sitzungen mit Nachfragen per IRC beteiligen, die laut vorgelesen wurden. Daneben setzte das Projekt durchgehend auf den Mehrbenutzer-Editor Gobby [4], in dem kollaborativ die Mitschriften entstanden. Das Videoteam übertrug die meisten Programmpunkte per Livestream und hat ein Archiv der Aufzeichnungen online gestellt [5].

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