Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2011
© Gianni, Fotolia

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Drei E-Book-Reader für den Desktop

Lese-Ecke

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Beim Thema E-Book scheiden sich die Geister. Die einen ziehen gedruckte Werke den digitalen Pendants vor – vor allem wegen der Haptik, des Geruchs und des Wunsches, in einem "echten" Buch zu schmökern. Andere schwören auf die Vorteile des elektronischen Papiers: Die Anzeige ist mittlerweile nahezu perfekt und digitale Lesezeichen und Vorlesefunktionen bieten zusätzlichen Komfort. Außerdem trägt der Bücherfreund nur noch ein Gerät mit sich herum, statt mehrere Kilo Lektüre mit in den Urlaub schleppen zu müssen.

Im Netz steht inzwischen ein großes Angebot digitaler Bücher bereit und erschwingliche Lesegeräte für unterwegs gibt's zuhauf. Mit der richtigen Software lesen Anwender ihre elektronischen Werke auch am heimischen PC. Zum Schmökern auf dem Linux-Desktop empfehlen sich in dieser Bitparade die freien Programme Calibre und Lucidor sowie die beiden Firefox-Addons Lucifox und Epub Reader.

Calibre

Calibre [1] steht unter der GPLv3 und bietet neben der Linux-Version auch Ausgaben für Windows und Mac OS X sowie eine portable Windows-Version für den USB-Stick. Das Programm liest und präsentiert über zwanzig Formate und ist damit der vielseitigste Testkandidat. Neben dem eigentlichen Anzeigeprogramm gehen mit Calibre auch gleich eine Bibliothek, ein Konverter sowie Tools zur Synchronisation und sogar ein Webserver mit an Bord.

Beim ersten Start meldet sich ein deutschsprachiger Assistent, der auch die Anbindung an ein mobiles Lesegerät einrichtet. Ein paar wenige nicht übersetzte Funktionen trüben den guten ersten Eindruck, auch die Onlinedokumentation und das Videotutorial sind nur auf Englisch verfügbar. Die Oberfläche präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich (Abbildung 1). Neue Bücher fügt der Anwender ohne großen Aufwand hinzu, wobei auch Unterverzeichnisse und verschiedene Formate kein Problem sind.

Abbildung 1: Calibre präsentiert sich vielseitig und aufgeräumt. Die wesentlichen Funktionen fasst der Reader in einer Symbolleiste am oberen Rand zusammen.

Eine nette Idee sind die angebundenen Onlinedatenbanken – nach Eingabe einer ISBN-Nummer lädt Calibre die Metadaten und das jeweilige Cover herunter, was sowohl für neue als auch für bestehende Einträge funktioniert. Im Test klappte es nicht immer zuverlässig; vielleicht waren die Bücher zu neu und noch nicht in der Datenbank verzeichnet.

Dafür punktet der Reader für den Linux-Desktop mit seiner automatischen Erkennung von Duplikaten und der Funktion zum Bearbeiten der Metadaten. Diese verändert der Nutzer nicht nur für einzelne Werke, sondern gleich für ganze Büchergruppen, um beispielsweise mehrere Publikationen demselben Verlag zuzuweisen. Liegt ein und dasselbe Buch in mehreren Teilen vor, bietet Calibre außerdem an, diese zusammenzuführen.

Ein großes Kaliber

Zusätzlich erlaubt es der Reader, die Schmöker zu bewerten, zu sortieren und zu filtern. Die integrierte Suchfunktion versteht reguläre Ausdrücke und speichert Benutzeranfragen für eine wiederholte Recherche. Mit Hilfe der erwähnten Metatags empfiehlt Calibre zudem ähnliche Bücher. Wer in seiner Bibliothek mehrere Formate untergebracht hat, der kann mit Calibre überflüssige Varianten entfernen und alles ins gleiche Zielformat konvertieren.

Der Reader wandelt vorhandenes Lesematerial in ein gutes Dutzend Ausgabeformate um – lediglich der PDF-Export stürzte im Test reproduzierbar ab. Die konvertierten Texte nimmt das Programm zudem automatisch in die Bibliothek auf. Bei Bedarf exportieren Nutzer die gesamte Bibliothek, um sie beispielsweise per CSV-Import in eine Tabellenkalkulation oder Ähnliches zu übernehmen.

Der integrierte E-Book-Viewer macht einen guten Eindruck. Er verfügt über eine Suchfunktion, greift auf externe Wörterbücher zurück, unterstützt Inhaltsverzeichnisse, mehrere Lesezeichen, eingebettete Hyperlinks, Fußnoten und Bilder. Schriftarten und -größen passen Anwender an die eigenen Augen und Vorlieben an, und im Vollbildmodus blendet Calibre zusätzlich Symbolleisten und Fensterdekorationen aus.

Was fehlt, sind eine Notizfunktion und eine Text-to-Speech-Anbindung. Da Calibre viele seiner Features als Plugins implementiert und somit leicht erweiterbar ist, sollte es aber eigentlich kein Problem sein, in diesem Punkt nachzurüsten. Andere Programmierer haben bereits Plugins entwickelt, die E-Books von Mobipocket, Amazon Kindle, Adobe Digital Editions und Barnes & Noble (Nook) in Calibre öffnen, lesen und konvertieren. Eine Internetrecherche fördert die entsprechenden Plugins zutage, die verschiedene DRM-Kopierschutzmechanismen aushebeln – ein Verfahren, das in Deutschland und vielen anderen Ländern aber nicht legal ist.

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