Open Source im professionellen Einsatz

Von Bitkeeper zu Git

2005 allerdings entzog Bitmover dem Kernelprojekt die kostenlose Lizenz. Der bisher eher defensive Torvalds ging in die Offensive und veröffentlichte unerwartet den GPL-lizenzierten Code eines Versionskontrollsystems, das er auf den Namen Git taufte. Mittlerweile ist Git in vielen Open-Source-Projekten Standard, doch damals bemerkte sein Schöpfer nur trocken. "Git ist eigentlich trivial, ich habe es in vier Tagen geschrieben. Meistens habe ich gar nicht programmiert, sondern mir nur über Datenstrukturen Gedanken gemacht."

Oft aber formuliert der Kernel-Vater doch deutlich ausdrucksstärker: Die Firma SCO, die Copyright auf Teile des Kernels anmeldete, paraphrasierte er 2004 als "Smoking Crack Organization", ihren CEO Darl McBride bezeichnete er rückblickend als "Darl McSchwein". Auch gegenüber den Kernelentwicklern war und ist er ruppig. Im persönlichen Gespräch in diesem Heft erzählt Torvalds auch, warum er das für richtig hält.

Wenn schon der Chef Ausdrücke wie "Nazi" und "Fuck" in seinen etwas hitzigeren Mails verwendet, verwundert es nicht, wenn sich die Entwickler diesem Sprachgebrauch anschließen. Das gilt nicht nur für die E-Mail-Kommunikation untereinander, sondern auch für Kommentare im Quelltext.

Es hat zwar immer wieder Versuche gegeben, den Code des mittlerweile seriösen Betriebssystems von Schimpfwörtern zu befreien, doch die Political Correctness kam nicht weit. Auch für Kernel 3.0 gilt: Wer den Quelltext nach dem englisch-amerikanischen F-Wort durchsucht, etwa mit dem Bash-Befehl »grep -i fuck `find . -name '*.[ch]'`« wird immer noch an vielen Stellen der Sourcen fündig (Abbildung 5).

Abbildung 5: Eine Suche im Kernelquelltext: Das F-Wort erfreut sich bei Kernelentwicklern nachhaltiger Beliebtheit, wie ein grep -i fuck `find . -name '*.[ch]'` zeigt.

Abbildung 5: Eine Suche im Kernelquelltext: Das F-Wort erfreut sich bei Kernelentwicklern nachhaltiger Beliebtheit, wie ein grep -i fuck `find . -name '*.[ch]'` zeigt.

Von Helsinki auf die Weltbühne

Trotz der ursprünglichen Skepsis seines Erfinders läuft das freie System 2011 auf einer Unzahl von Plattformen. Kaum ein Unternehmen, in dem nicht mindestens ein Linux-System anzutreffen wäre, bei Tablets, Smartphones, Firewalls, Routern und Servern ist Linux aus der IT nicht mehr wegzudenken. Freie Software treibt das Internet an, Cloud Computing und Konzepte wie Open Data sind ohne freie Software nicht machbar.

Großen Anteil daran hat aber sicherlich auch das Anfang der 1980er gegründete GNU-Projekt, aus dessen Werkzeugen und Erfahrungen sich Linus Torvalds und die Linux-Gemeinde nach Kräften bedienten. Auch dank dieser Starthilfe ist "GNU/Linux", wie Richard Matthew Stallman (Abbildung 6) das freie Betriebssystem zu nennen pflegt, innerhalb von 20 Jahren aus einer kleinen Wohnung in Helsinki auf den ganz großen Schauplätzen angekommen.

Abbildung 6: Richard Stallman, Gründer des GNU-Projekts, spricht lieber von GNU/Linux.

Infos

  1. Titelthema "Akte Torvalds": Linux-Magazin 10/10, S. 33 bis 46
  2. Eric S. Raymond: http://www.faqs.org/docs/artu/ch02s01.html
  3. MARC-Archiv der Kernel- Mailingliste: http://marc.info/?l=linux-kernel

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