Open Source im professionellen Einsatz

Offene Kommunikation

In dem aufkeimenden Internet, das bis dahin mehr aus Newsgroups und Bulletin Bords für Terminalprogramme bestanden hatte, fand Torvalds Gleichgesinnte, mit denen er sich über Code austauschen konnte. Zunächst gastierte das entstehende Betriebssystem noch in der Newsgroup http://comp.os.minix, bevor nach einem Zwischenspiel in der Alt-Hierarchie http://alt.os.linux– auf Initiative von Ari Lemmke (Abbildung 4, [1]) – die Gruppe http://comp.os.linux entstand.

Abbildung 4: Er gab Linux den Namen: Ari Lemmke, 1991 Admin an der Uni Helsinki.

Abbildung 4: Er gab Linux den Namen: Ari Lemmke, 1991 Admin an der Uni Helsinki.

© Foto: Markus Feilner

1994 startete David S. Miller, der Linux später auf die Sparc-Architektur portierte, die Linux-Kernel-Mailingliste auf dem Rechner »vger« an der Rutgers Universität in New Jersey. Damit begann die Geschichte der offenen und unmoderierten Mailingliste, auf der die Kernelentwickler auch heute noch lebhaft diskutieren und Patches austauschen. Diese Offenheit haben die Linuxer stets verteidigt, etwa wenn Einzelne wegen aufkommender Spam-Mails eine geschlossene Liste forderten. Darauf antwortete Miller beispielsweise Anfang 1997: "Das wäre eine Lösung, die dem Geist der Community vollkommen widerspricht."

Ein Großteil der Linux-Geschichte lässt sich daher am aufschlussreichsten in Listen-Archiven wie MARC [3] nachlesen – von den ersten Releases über Umbrüche wie von OSS zu Alsa und von der IDE-Schicht zu Libata bis hin zum jüngsten Versionssprung auf Kernel 3.0.

Der Fall Reiser

Wichtig war auch die Einführung des ersten Journaling-Dateisystems für Linux mit Reiser-FS in Kernel 2.4.1 Anfang 2001. Dessen Nachfolger Reiser 4 fand nie in den offiziellen Linux-Kernel, hinterließ aber bleibenden Eindruck auf der Mailingliste. Der Dateisystem-Erfinder Hans Reiser bezeichnete den Code seiner Firma Namesys als "wesentlich besser als den des Kernels" und weigerte sich, den Linux-Programmierstil anzunehmen. Die Kernelentwickler mit Linus Torvalds an der Spitze dagegen fürchteten, Reiser wolle neben dem VFS eine eigene Dateisystem-Baustelle im Linux-Kern eröffnen oder gar mit seinen Plugins eine Schnittstelle zu proprietären Erweiterungen schaffen.

Die Diskussion um die Aufnahme von Reiser 4 begann im Herbst 2002, flammte jahrelang immer wieder auf, hinterließ viele verstimmte Entwickler und endete ganz unerwartet: Reiser wurde 2008 des Mordes an seiner getrennt lebenden Ehefrau schuldig gesprochen und verschwand in den USA hinter Gittern.

Weniger skandalös verlief die Geschichte von Git, des wichtigsten Nebenprodukts der Kernelentwicklung. Torvalds benutzte für seine Arbeit am Kernel ab 2002 die proprietäre Versionskontroll-Software Bitkeeper, die der Hersteller Bitmover dem Projekt kostenlos zur Verfügung stellte. Etliche Entwickler fühlten sich damit unwohl und importierten den Code für ihre eigenen Zwecke in das GPL-lizenzierte System CVS. Linus zeigte sich unbeeindruckt: "Wo ist das Problem? Wer es [Bitkeeper] nicht mag, braucht es nicht zu benutzen", schrieb er im Oktober 2004 an einen Programmierer, der den Bitkeeper-Einsatz kritisierte.

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