Dein Feind – der Distributor?
Distributoren neigen dazu, eigene Lösungen zu stricken. Darum dauert es oft ewig, um ausfindig zu machen, welche Komponente für das Problem verantwortlich ist, während es sich dann mit der zugehörigen Manpage schnell lösen lässt. Die meisten Linux-Hersteller basteln zwar fleißig an eigenen Tools, dokumentieren diese aber spärlich. Wer Suses Yast schon länger im Einsatz hat, kann ein Lied davon singen. Erst in den letzten drei, vier Jahren hat hier Transparenz Einzug gehalten.
In eine andere Falle scheint derzeit auch die Debian-Variante der zweitbeliebtesten Linux-Distribution Mint zu tappen. Die Rolling Release der Linux Mint Debian Edition [3] erspart dem Anwender zwar das ungeliebte Neuinstallieren einer neuen Distributionsrelease, überfordert die meisten (Desktop-)User aber mit zahlreichen ungelösten Abhängigkeiten bei den regelmäßigen Updates und mangelhafter Dokumentation. Im Test erschlug das »aptitude upgrade«
die Autoren mit über 1000 Konflikten, von denen viele manuell gelöst werden wollten. Die Entwickler haben das Problem erkannt, jetzt sollen zwei neue Repositories, "Update Packs" [4] und neue Kommunikationsstrukturen abhelfen.
Bei grundsätzlichen Umstellungen hilft das aber wohl auch nicht weiter. So hat es die Autoren vier Stunden Stöbern in Entwicklerforen gekostet, um herauszufinden, warum der Huawei-UMTS-Stick aus Abbildung 1 unter Ubuntu 10.04 auf einmal nicht mehr funktionierte: Während Ubuntu 9.10 bloß über eine von Druckern her bekannte USB-Variante der seriellen Schnittstelle mit dem UMTS-Stick kommunizierte, setzt Ubuntu 10.04 auf den Modem-Manager,.
Ubuntu, Unity und der UMTS-Stick
Solche Ärgernisse drohen bei Ubuntu-Systemen halbjährlich. Schon der Satz "UMTS-Sticks verwaltet nun der Modem-Manager" an prominenter Stelle hätte in dem genannten Beispiel viel Zeit und Nerven gespart. So aber sitzt der Ein- oder Umsteiger ratlos da und der motivierte Power-User sucht sich einen Wolf. Apropos Ubuntu: Allein die Entscheidung, Unity als Standarddesktop zu verwenden, sorgte in den letzten Monaten für Wirbel und Probleme, zum Beispiel wenn der angeschlossene Beamer den Desktop zum Absturz bringt.
Dennoch: Über Fragen wie das Einbinden von UMTS-Sticks haben sich die Entwickler monatelang Gedanken gemacht. Wären da nicht auch noch die paar Stunden drin, das Innenleben des Systems inklusive laufender Veränderungen in einem zentralen Wiki ordentlich zu dokumentieren? Bei mangelnder Beschreibung wird selbst das quelloffene Linux zur Black Box.
Die Vorzüge von Linux (konfigurierbar, sicher, stabil) sind mannigfaltig: Es gab unter Linux bisher keine einzige breitenwirksame Schadsoftware-Attacke. Schon der Installer richtet die Home-Partition auf Wunsch für mehr Datensicherheit als Raid 1 ein – bei den gegenwärtigen Festplattenpreisen und -ausfallraten sicherlich keine schlechte Idee. Das Gleiche gilt für die transparente Verschlüsselung auf dem Notebook.
In puncto Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit liegt Linux nach Meinung seiner Fans klar vorne. Aber so lange die Hersteller nicht mitziehen, wird Linux wahrscheinlich nie alle TV-Karten unterstützen, weil es bei diesen gang und gäbe ist, den Chipsatz zu wechseln, aber die Typenbezeichnung des Verkaufserfolgs wegen beizubehalten, und Treiber nur für Windows bereitzustellen.
Was vielen Linux-Herstellern auch fehlt, um ein offenes und daher mühelos weiter oder fertig zu konfigurierendes System anzubieten, zeigt ein Blick in die Wikis der Linux-Distributionen für Nerds zweiten Grades: Als Anlaufstelle für Linux-Wissen empfehlen sich die Arch- und Gentoo-Dokumentationen ([5], [6]) sogar den Anhängern anderer Hersteller. Doch können Suse-, Ubuntu- oder Red-Hat-User niemals sicher sein, dass ihr System nicht an manchen Stellen ganz andere Wege geht.
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