Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2011
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Sigil

Wer E-Books nicht aus anderen Formaten konvertieren, sondern gleich nach der Epub-Spezifikation schreiben möchte, greift zu Sigil [8]. Die GPLv3-Anwendung dient als Wysiwyg-Editor für E-Books. Der Clou: Sigil erzeugt die notwendigen Steuerdateien automatisch, sie lassen sich aber von Hand nachbearbeiten. Bei der Arbeit mit dem Wysiwyg-Eingabebereich wählt der Verfasser Formatvorlagen wie etwa »Heading 1« aus dem Drop-down-Menü der Werkzeugleiste. Daneben steht dem Benutzer ein Quelltext-Editor zur Verfügung. Aktuell ist derzeit die Sigil-Version 0.4.0.

Sigil macht es einfach, Bilder in den Text einzufügen. Dies geschieht über den Button mit dem Bild-Symbol in der Werkzeugleiste. Das ausgewählte Bild wird dadurch ins Epub kopiert und im Wysiwyg-Editor angezeigt. Zusätzliche Formatangaben für das XHTML-Dokument fügt der Anwender durch Angabe von CSS-Regeln hinzu. Dazu erzeugt er zunächst eine leere Stylesheet-Datei im Ordner »Styles« durch Auswahl aus dem Kontextmenü. Nun kann er das Stylesheet in einem Tab öffnen und CSS-Regeln wie in Listing 8 angeben.

Listing 8

CSS-Angaben

01 body { font-size: 9px }
02 h1 { text-align: center }
03 img { display: block}

Diese Angaben beziehen sich alle auf XHTML-Elemente. Die erste Regel legt die Schriftgröße im Dokumentkörper »body« fest. Überschriften der ersten Kategorie »h1« setzt die Regel zentriert. Das Bild-Element »img« stellt die CSS-Datei stets als Block dar, das heißt allein und in einen Bereich vom linken bis zum rechten Rand des Anzeigebereichs eingepasst. Die Verknüpfung der CSS-Regeln mit dem XHTML-Dokument erreicht der Autor durch folgende Angabe im Kopf-Bereich des XHTML-Dokuments:

<link href="../Styles/Style0001.css" rel="stylesheet" type="text/css" />

Die Baumstruktur des Auswahlmenüs auf der linken Seite entspricht der Verzeichnisstruktur innerhalb der Epub-Datei (Abbildung 4). Pfadangaben sind dabei immer relativ, im Falle des XHTML-Dokuments relativ zur XHTML-Datei im Verzeichnis »Text« .

Abbildung 4: Geteilte Ansicht im Programm Sigil: oben Wysiwyg-, unten Quellcode-Editor, links Verzeichnisstruktur.

Einige Meta-Angaben zum Dokument wie etwa den Titel fügt der Autor mit dem »Meta Editor« aus dem Menü »Tools« hinzu. Weitere Meta-Angaben muss er innerhalb des Elements »meta« in der Datei »content.opf« händisch eintragen. Epub unterstützt die Meta-Angaben des Dublin Core, was am Namespace-Präfix »dc:« vor den Elementnamen erkennbar ist (Listing 9). Den eindeutigen Bezeichner für das Epub generiert Sigil automatisch.

Listing 9

Metadaten für Epub

01 <dc:indentifier>978-456-987-12</dc:identifier>
02 <meta name="price" content="EUR 19.99"/>

Das Programm eignet sich auch dazu, bestehende Epubs zu bearbeiten. So kann der Benutzer Schriftsätze nachträglich einbetten, indem er Schriftartendateien per Kontextmenü hinzufügt und die entsprechenden CSS-Regeln einträgt.

Epubcheck

Das Kommandozeilen-Programm Epubcheck [9] prüft die Qualität von Epub-Dokumenten und hilft bei der Fehlersuche. Es steht unter BSD-Lizenz und ist derzeit in Version 1.2 erhältlich. Das Tool bemängelt in einem Epub-Buch etwa fehlende Meta-Angaben in der Komponente »content.opf« . Daneben entdeckt es in den XHTML-Dokumenten unter Umständen unerlaubte Elemente. Video- und Script-Tags sind beispielsweise erst in der kommenden Version 3 der Epub-Spzifikation gestattet.

Die Überprüfung des fertigen E-Books mit Epubcheck empfiehlt sich vor jeder Veröffentlichung. Ein mit »unzip Dateiname.epub« ausgepacktes Epub lässt sich nach Korrekturen übrigens »zip -Xr9D Dateiname.epub *« wieder einpacken.

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