Auf der Delug-DVD dieses Magazins befindet sich Blue Spice in der Fully-Featured-Variante (»bluespice-fully_featured.zip«
) vom 4. Juli 2011.
Mediawiki [1] ist die Speisekartoffel unter den Wiki-Engines; alternative Grundnahrungsmittel sind rar [2]. Auf den ersten Blick vereinfacht Mediawiki zwar die Webseitenerstellung auch für weniger technikaffine Menschen. Auf den zweiten Blick verkompliziert die Engine mit ihren Variablen und Includes sowie mit inkonsistentem Markup das Leben vieler Anwender.
Nicht gerade mit Ruhm bekleckert sich auch die Suchfunktion. Wie schlecht sie wirklich ist, fällt in der Musterinstallation – der Wikipedia – kaum auf. Doch spätestens dann, wenn ein Wiki ohne Tausende von fleißigen Helfern auskommen muss, die Artikel in die richtigen Kategorien schubsen, helfen nur noch externe Suchmaschinen. Wenig Verständnis für die Macken des Open-Source-Projekts bringen indes große Unternehmen mit. Sie suchen ein modernes Wiki mit einer zeitgemäßen Konfigurationsoberfläche, also eine Art Business-Mediawiki.
Die Lösung dieser anspruchsvollen Aufgabe hat sich die Hallo Welt Medienwerkstatt GmbH aus Regensburg [3] vorgenommen. Blue Spice for Mediawiki [4] erschien am 4. Juli 2011 in der stabilen Version und bringt unter anderem einen Wysiwyg-Editor, eine verbesserte Suchfunktion, Seitentemplates und PDF-Export als Zusatzfunktionen mit. Doch verändert die unter der GPL stehende Software wirklich das Leben von Wiki-Administratoren und -Benutzern?
Es herrscht Hunger
Eine Regensburger Softwareschmiede eilt mit Töpfen, Pfannen und allerlei Zutaten herbei, um Neues auf den Tisch zu bringen. Sie entwickeln seit 2007 am Open-Source-Wiki Blue Spice, das einem Projekt beim Branchenriesen IBM entstammt. Dieser wollte zwar gerne Mediawiki einsetzen, aber nicht mit dessen Nachteilen leben.
Die Hallo-Welt-Entwickler begannen also mit der Arbeit, die Grundlage der Wikipedia an Unternehmensbedürfnisse anzupassen. Nach knapp vier Jahren, in denen das Firmenwiki in verschiedenen Unternehmen zum Einsatz kam, wagten die Oberpfälzer Anfang des Jahres 2011 den Gang an die Öffentlichkeit. Eine Demo [5] mit der jeweils aktuellen Release lädt Neugierige zum Testen ein, die Software selbst steht bei Sourceforge zum Download bereit [6]. Im Angebot sind dort zwei Versionen: Basic und Fully Featured, doch dazu später mehr.
Das Rezept
Blue Spice ist eine Mediawiki-Erweiterung, die weitere, von den Entwicklern als sinnvoll betrachtete Erweiterungen zu einem Paket zusammenschnürt. Das Erste, was auffällt, ist die verbesserte Grafik. Die linke Leiste präsentiert sich in neuem Loo&Feel und bietet neben der »Navigation«
die beiden Punkte »Fokus«
(eigene Seiten und Beiträge) und »Admin«
(Einstellungen). Am rechten Rand klappt ein Klick auf das Sternchen eine Widgets-Leiste mit wichtigen Funktionen aus (siehe Abbildung 1). Dort finden Anwender nicht nur Vorlagen, sondern auch andere Nutzer, Werkzeuge und den PDF-Export.
Abbildung 1: Auch Nutzer, die nicht täglich mit Mediawiki-Installationen arbeiten, finden sich in der verbesserten Blue-Spice-Oberfläche schnell zurecht.
Für den Wysiwyg-Editor greifen die Entwickler auf die Bibliotheken des Javascript-Editors Tiny MCE [7] zurück, auch die Medienverwaltung unterzogen sie einer Frischzellenkur – sie ist nun benutzerfreundlicher. Die von Blue Spice zusammengeführten und empfohlenen Module (aktuell zwischen 40 und 50) verwalten Anwender bequem per Benutzeroberfläche (Bereich »Admin«
| »Erweiterungen«
). Für mehr Übersicht sorgt, dass Farben die Entwicklungszustände kennzeichnen. Module im Betastadium sind gelb, stabile Versionen blau.
Die verbesserte Suchfunktion ist nur in der Fully-Featured-Version enthalten. Blue Spice setzt dazu auf Apache Solr [8], einen Open-Source-Searchserver, der die Java-Bibliotheken der Lucene-Suche [9] verwendet.