Open Source im professionellen Einsatz

Creately

Dieses Online-Zeichenprogramm für den Browser unterstützt weit mehr als nur reine Mindmaps. Creately [4] erstellt Diagramme aller Art und bietet zahlreiche Vorlagen, fertige Symbolpaletten und Piktogramme. Das kommerzielle Tool des gleichnamigen australischen Anbieters basiert auf Flash und läuft daher in relativ vielen Browsern auf etlichen Plattformen – ausgenommen sind Betriebssysteme ohne offizielle Unterstützung durch Adobe. Zusätzlich bietet der Hersteller einen Client für den Desktop [5] an, der in Adobe Air implementiert ist und damit ebenfalls auf etlichen Betriebssystemen, auch Linux, arbeitet.

Der kostenlose Zugang erlaubt bis zu fünf Diagramme und maximal drei Mitarbeiter im Team. Diese Accounts sind allerdings grundsätzlich öffentlich – seine Privatsphäre muss der Anwender sich erkaufen. Zu dem Zweck bietet Creately gestaffelte Zugänge ab 5 US-Dollar im Monat (rund 50 US-Dollar pro Jahr) bis hin zu 75 US-Dollar pro Monat (rund 750 US-Dollar pro Jahr).

Für den Desktopclient greifen Nutzer zusätzlich in die Tasche; er kostet 75 US-Dollar pro Lizenz. Im Kaufpreis sind ein Jahresabo für den Personal-Zugang, kostenlose Aktualisierugen für ein Jahr und unbegrenzte Synchronisationsmöglichkeiten enthalten. Eine Chance, den Client unverbindlich zu testen, gibt es aber nicht. Auch spezielle Apps oder Unterstützung für mobile Clients und Pads sucht man vergeblich.

Mindmaps sind in Creately nur einer von vielen Diagrammtypen und anderen Zeichenobjekten. Ebenso zahlreich sind die Möglichkeiten in den Maps selbst. Die Formen der Nodes sind keineswegs auf die schlichte »Idee« aus der Abteilung Mindmaps beschränkt. Über einen Klick auf »Mehr Objektbibliotheken« fügt der Anwender Icons aus den Bereichen Business, Education, UML oder Webdesign hinzu. Auch beim Verlauf der Äste bietet Creately so viele Freiheiten wie kein anderes Tool – der Gestaltung von Farbe, Form und Enden der Linien sind kaum Grenzen gesetzt.

Mitarbeiter lädt der Anwender per E-Mail oder über einen eigens generierten Link ein. Um im Team brainstormen zu dürfen, ist ein eigener Creately-Account Voraussetzung. Eine Chatfunktion bietet der Webdienst zwar nicht, dafür aber einen Kommentarbereich, der ähnlich wie ein Chat zur Kommunikation untereinander dienen kann. Dieses Mindmapping-Tool macht es außerdem leicht, die Maps zu veröffentlichen beziehungsweise in Social-Media-Seiten einzubinden (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: In Creately veröffentlichen Benutzer ihre kreativen Ergüsse per Mausklick in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook & Co.

Der kostenlose Account eröffnet allerdings keine Im- und Exportmöglichkeiten. Außerdem fällt an diesem Mindmapper für die Cloud die Versionskontrolle negativ auf. Um eine History der eigenen Mindmaps einzusehen, muss der Anwender zurück zur Gesamtübersicht seiner Diagramme wechseln.

Creately kann (fast) alles und sieht auch gut aus, ist für kleine Aufgaben jedoch sicherlich überdimensioniert. Im Test unter Linux erwies sich die Flash-Anwendung außerdem als etwas launisch. Mal stellte der Browser die Mindmaps anstandslos dar, manchmal blieb es bei einem leichten Flackern.

Gedanken zum Schluss

Der Gewinner ist eindeutig Mindmeister – hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Testkandidat überzeugt schon in der kostenlosen Variante, und für wenig Geld rüsten Nutzer sinnvolle Export- und Verschlüsselungsfunktionen auf. So gut sich Mind42 als kostenloser Dienst in diesem Vergleich schlägt: Das Fehlen der (auf den ersten Blick lächerlich nebensächlich erscheinenden) Funktion, Bezüge zwischen Mindmap-Ästen zu erstellen, ist ein K.o.-Kriterium bei komplexeren Brainstormings. Dennoch empfiehlt sich Mind42 für einfachen Gedankenaustausch allen, die sich keine Gedanken über Kosten und Einschränkungen machen wollen.

Creately lohnt sich erst dann, wenn das Team nicht nur einfach brainstormen, sondern zahlreiche komplexe Diagramme zeichnen und teilen muss. Man darf das Tool durchaus als eierlegende Wollmilchsau bezeichnen, es sticht mühelos sogar Zeichentools für den Linux-Desktop wie beispielsweise Dia aus.

Allen Testkandidaten fehlt grundsätzlich die Möglichkeit, schnell und einfach Mitarbeiter ins Team einzuladen, ohne dass diese ebenfalls einen Account beim jeweiligen Anbieter eröffnen müssen. Natürlich kann man diesen Wunsch zur Kundenbindung verstehen, aber Fans gewinnt man eben auch, indem man Dinge schnell zugänglich und leicht benutzbar macht.

Infos

  1. Mindmeister: http://www.mindmeister.com
  2. Mindmeister-Preise und -Ausgaben: http://www.mindmeister.com/de/home/editions
  3. Mind42: http://www.mind42.com
  4. Creately: http://www.creately.com
  5. Creately für den Desktop: http://creately.com/desktop

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