Aus dem Alltag eines Sysadmin: LUG-Camp Tschierv
Kommando Himmelfahrt
Beinahe wäre er nicht zum diesjährigen LUG-Camp gefahren. Aber was sollte Sysadmin-Kolumnist Charly statt dessen machen, etwa Vatertag feiern?
Beinahe wäre er nicht zum diesjährigen LUG-Camp gefahren. Aber was sollte Sysadmin-Kolumnist Charly statt dessen machen, etwa Vatertag feiern?
Himmelfahrt ist der Tag, an dem sich Männer mit Gleichgesinnten treffen, durchs Gelände wandern, Bier trinken und Kirmeslieder grölen. Das ist nicht mein Ding. Ich treffe mich lieber mit Gleichgesinnten, wandere durchs Gelände, trinke Bier und gröle Heavy-Metal-Klassiker. Da kommt es sehr gelegen, dass diese Tätigkeiten zentrale Programmpunkte des LUG-Camps sind, das – welch Fügung – am Vatertag beginnt.
Diesmal gehts ins schweizerische Tschierv im Val Müstair. Unter einem Val (=Tal) habe ich mir bislang etwas vorgestellt, das sich ungefähr auf Normalnull positioniert und bei heftigem Regen absäuft (mit Wasser). So ist es jedenfalls hier am Niederrhein, wo jedermann die 100 Meter hohen Reste einer eiszeitlichen Endmoräne auch aus 50 Kilometer Entfernung bestens erkennt.
Unser Basiscamp, erfahre ich, liegt 1600 Meter hoch und ist von jeder Menge schneebedeckter und sehr vertikaler Geologie umgeben. Mir wird klar, die Schweiz ist nicht der Niederrhein. Auf der Mailingliste lese ich dezent-besorgte Hinweise, dass zwei der drei Pass-Straßen ins Val Müstair oberhalb der Schneefallgrenze lägen. Die dritte hat nur Regen und Nebel bei 10 Metern Sichtweite. Winterreifen sollte ein LUG-Camper haben und Schneeketten am besten auch.
Ich gehe im Geiste meine Ausrüstung durch. Ein Zweimannzelt und ein Schlafsack, ausgelegt auf die Temperaturen der französischen Mittelmeerküste im August. Ein Auto mit Stoffdach, Heckantrieb und Sommerreifen. Gesundheitslatschen, die auch wahrscheinlich nicht das sind, was Schweizer unter "festem Schuhwerk" verstenden, ergänzen mein Alpinisten-Equipment.
Es dauert nicht lange, und die Vernunft bricht sich Bahn – ich beschließe zu Hause zu bleiben und teile dies meiner Holden mit.
Sie: "Oh, dann gehst Du lieber mit den Jungs auf die Vatertags-Tour?"
Ich: [Stille] "Äh… wo war noch gleich das Zelt?"
Am nächsten Tag überquere ich den Reschenpass bei strahlendem Sonnenschein. Am Tag vorher, dem 1. Juni, hatte meine Frage nach Schneeketten noch für ausgelassene Heiterkeit in der heimatlichen ADAC-Geschäftsstelle gesorgt. Das ist jetzt egal, denn die Schweiz zeigt ihre Schokoladenseite. Und: Das Camp-Orga-Team erklärte mir freudestrahlend, dass jede Menge Platz im Gebäude ist. Ich benötige mein Strand-Zelt also nicht.
Im Camp dann gibt es großartige Vorträge, darunter einen über Git, der in zwei Etappen fast fünf Stunden dauert. Ich treffe Gleichgesinnte, wandere durchs Gelände, trinke Bier und gröle Metal-Klassiker. Fast schon schade, dass das 13. LUG-Camp im nächsten Jahr wohl wieder auf Meereshöhe stattfinden wird. Aber nur fast. (jk)
Umfang: 1 Heftseiten
Preis € 0,99
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