Open Source im professionellen Einsatz

Erster Schritt: Private Cloud

Im KMU ist der erste Schritt meist die Etablierung einer Private Cloud (Abbildung 2), also die Umstellung des internen Rechenzentrums gemäß den Cloudprinzipien. Konsequente Virtualisierung sowohl der Server als auch des Storage dient zum Entkoppeln der angebotenen Services von der Hardware. Nicht selten stellen hier bereits Terminalserver Arbeitsplätze remote zur Verfügung. Viele Anwendungen finden sich auch in Unternehmen mittlerer Größe schon als Webdienst, zum Beispiel die Groupware oder das CRM. Derlei Dienste können zuerst in der privaten Wolken landen – meist so transparent, dass der Anwender kaum etwas davon merkt.

Abbildung 2: Private, Hybrid und Public Cloud in der Übersicht.

Als Nächstes erarbeitet sich das Unternehmen im Idealfall ein Abrechnungsmodell für die pauschale oder zeitabhängige Leistungsverrechnung bei intern erbrachten Dienste, ganz ähnlich wie bei einem Cloudanbieter. Das hilft nicht nur dabei, Kosten zu erkennen und zu sparen, sondern macht auch eine etwaige Auslagerung in Hybrid oder Public Clouds planbar.

Hierbei gilt es – vor allem auch hinsichtlich rechtlicher Rahmenbedingungen – zu untersuchen, welche Dienste und Daten besser in der internen Wolke verbleiben. Gesetze, Kosteneffizienz und Aspekte des Datenschutzes verbieten häufig die Auslagerung ganz pauschal. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ist manches besser im eigenen Rechenzentrum aufgehoben, da die Firmen-IT nur dort die absolute Hoheit über die Daten und die Durchsetzung eigener Sicherheitskonzepte erzwingen kann.

Heutige Cloudanbieter erkennen dieses Thema verstärkt als wesentliches Hemmnis beim Verkauf ihrer Dienste. Im stark von Vorschriften und Gesetzen geprägten Markt Europas und vor allem in Deutschland schrecken überdurchschnittlich viele Unternehmer vor dem Gang in die Wolke zurück, während in den eher dynamisch geprägten USA schon heute externe Cloudservices häufiger in Firmen zum Einsatz kommen.

Hat der Mittelständler ermittelt, welche Services er auslagern kann, fängt er mit dem Aufbau seiner Hybrid Cloud an, also einer Kombination der internen privaten Wolke mit externen, bedarfsabhängigen Services. Die lassen sich entweder dauerhaft oder zum Abfangen von Lastspitzen einsetzen, wie das Beispiel des Chat-Hosters Spinchat.de zeigt [2]. Auch Notfallszenarien, zum Beispiel beim Ausfall eines Rechenzentrums, lassen sich so zumindest teilweise abdecken. Hybrid-Lösungen setzen zwar einiges an Planung voraus, schaffen aber vielerorts erst die Grundlage für die in Marketingunterlagen oft versprochene "Dynamisierung" des IT-Betriebs.

Das Auslagern ganzer Infrastrukturen (IaaS) stellt wegen des hohen planerischen Aufwands auch eher einen mittelfristigen Weg dar. Generell sollten mittelständische Unternehmen, die einen schnellen Nutzen aus der Wolke ziehen wollen, eher nur sporadisch genutzte oder branchenspezifische Dienste auslagern. Ein typisches Beispiel dafür sind nicht dauerhaft benötigte High-Performance-Computing-Systeme (siehe Kasten "Sonderfall HPC").

Sonderfall HPC

Die Auslagerung selten benötigter Systeme für sporadische, aber umfangreiche Berechnungen scheint ideal: Signifikante Investitionskosten in eigene Cluster entfallen, nur der Rechenaufwand schlägt zu Buche, die Konfiguration ist sowieso meist Sache eines externen Partners mit entsprechendem Applikationsverständnis.

Eine Umsetzung mit gewöhnlichen Serverinstanzen von der Stange ist dabei aber meist nicht möglich, da Erfordernisse wie leistungsfähige Interconnects mit geringen Latenzen oder notwendig hohe I/O-Durchsätze zum Tragen kommen. Auch unterstützen viele Applikationen in diesem Umfeld Berechnungen auf Grafikprozessoren, die in virtuellen Maschinen nicht zur Verfügung stehen.

Auf diese besonderen Anforderungen hat sich eine Reihe von Anbietern spezialisiert, sie bieten HPCaaS an. Das Steinbuch Forschungsinstitut des KIT (SCC, [4]) gilt dabei als wissenschaftlicher Vorreiter.

Großunternehmen

Großunternehmen dagegen haben ihre IT-Abteilungen in der Regel bereits Service-orientiert organisiert und so für die Vergleichbarkeit interner und externer Services gesorgt. Die meisten von ihnen nutzen bereits umfangreiche Virtualisierungs-Setups mit Hunderten oder gar Tausenden von Servern in einer privaten Wolke.

Dank kontinuierlicher Prozessoptimierung, insbesondere mit Blick auf die laufenden Kosten, herrscht in großen Unternehmen traditionell weniger Berührungsangst mit externen Dienstleistern. Häufig ist der komplette IT-Betrieb an einen solchen ausgelagert, der anfallende Aufgaben günstiger als die internen Kräfte erbringt. Die verbleibenden internen IT-Ansprechpartner agieren als Vermittler zwischen den internen Fachabteilungen und den Dienstleistern.

Große Unternehmen lockt am Cloud Computing (vor allem bei Public und Hybrid Clouds) vor allem das Einsparpotenzial, das durch die Umstellung von Investitionskosten hin zu Betriebskosten entsteht. Nur die tatsächlich benötigten Kosten sind zu bezahlen – das klingt verführerisch.

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