Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2011
© Paul Prescott, 123RF.com

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Cloud-Strategieplaner

Himmelfahrt planen

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Wer die Roadmap seines Unternehmens aufs Cloud Computing ausrichten will, steht vor komplexen Abwägungen. Dieser Artikel zeigt, wie Unternehmensgröße, Cloud-Angebote und -Formen zueinander passen und wie eine Firma sicher und gradlinig in die Wolken vordringt.

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Private Anwender nutzen Clouddienste bereits seit Langem. Diverse Mailer wie Hotmail bieten seit knapp 15 Jahren Web-basierte E-Mail-Infrastrukturen an, treten also seit IT-Ewigkeiten als Anbieter des Service-basierten Clouddienstes auf. Privat ebenfalls sehr populär sind Storage-Services wie Dropbox (siehe Artikel zur Desktop-Cloud in diesem Schwerpunkt), die sich nahtlos in alle gängigen Betriebssysteme integrieren und auch auf mobilen Geräten einfachen Zugriff auf dort abgelegte Daten bieten. Dropbox nimmt dabei sowohl die Rolle eines Cloudanbieters als auch die eines Cloudnutzers ein, da es seinen Speicherplatzbedarf aus der Wolke speist.

Private Gepflogenheiten, die in der Regel weniger scharfe Sicherheitsanforderungen stellen, bringen im Unternehmenseinsatz aber neue Anforderungen. Klassische Dienste zum Datei-Austausch gelten zunehmend als antiquiert und unkomfortabel, immer mehr Mitarbeiter nutzen Dienste wie Dropbox auch zum Austausch von Unternehmensdaten. Meist erfolgt das trotz anders lautender Vereinbarungen und lässt IT-Leitern und Datenschutzbeauftragten angesichts beunruhigender Meldungen über Privatsphäre und Sicherheit bei Dropbox die Haare zu Berge stehen.

Ein für alle Unternehmenstypen gültiges Cloudkonzept ist jedoch unmöglich. So unterscheiden sich die Unternehmen sowohl in den IT-Fertigkeiten und der Ausprägung der zugrunde liegenden Service-Orientierung als auch generell darin, welche Dienste sie überhaupt einsetzen.

Kleine Unternehmen

Bei kleinen Unternehmen, typischerweise aus dem Handwerksbereich, spielt die IT eine stark unterrepräsentierte Rolle, gerade personell. Administrative Tätigkeiten erledigt nur selten ein Mitarbeiter in Vollzeit, in der Regel macht das ein kundiger Power-User zusätzlich zu seiner Haupttätigkeit nebenbei.

Sicherheits-Updates oder gar Servicelevel-Zusagen sind für das Management wenig relevant und werden häufig eher als lästige Pflicht, bisweilen gar als potenzielle Fehlerquelle angesehen. Kommt es zu einem temporären Stillstand der IT, hat dies meist auch nur geringe Auswirkungen auf das Kerngeschäft. In einem solchen Umfeld führt das Umstellen auf Cloud-basierte Dienste in der Regel zu einer Verbesserung des Status quo. Daten fallen meist nur in geringem Umfang an, oft verwalten die Unternehmen nur Kunden-Datensätze oder Daten zu Abrechnungszwecken.

Die Verfügbarkeit von Serverdiensten, sofern sie in signifikantem Umfang vorhanden sind, lässt sich durch Clouddienste deutlich verbessern, da lokale, durch Hardware verursachte Serverausfälle bei Services aus dem Web einfacher zu verkraften sind. Vor allem Start-ups setzen hier verstärkt auf Dienste aus der Wolke, nicht selten sogar bis hin zu virtuellen Desktops in der Cloud als ersten Ansätzen von IaaS (Infrastructure as a Service, Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Cloudkonzepte IaaS, PaaS und SaaS eignen sich in unterschiedlichem Maße für Unternehmen und Dienste. IaaS schließt in der Regel PaaS und SaaS ein, die letzteren sind aber auch allein möglich.

Das Thema Datenschutz spielt in solchen kleinen Unternehmen eine Nebenrolle, oft erledigen sie geschäftliche Mails über kostenfreie Webmailer mit Outlook, auch genügen hier häufig die Webfrontends der Provider. Auf regelmäßige Datensicherungen verzichten sie aus Gründen der Komplexität ebenfalls oft – trotz aller Vorschriften.

Den schnellsten Nutzen verspricht in kleinen Unternehmen der zusätzliche Einsatz von Software beziehungsweise Platform as a Service (SaaS, PaaS, Abbildung 1), weniger der Bezug von virtueller Infrastruktur. Durch den Einsatz einer Komplettlösung lässt sich auch das lästige Patchmanagement auf den Dienstanbieter abwälzen, der lokale Admin muss sich nicht um die Konfiguration einzelner Systeme sorgen – gerade für kleine Unternehmen ohne viel IT-Know-how stellt dies ein attraktives Angebot dar.

Beim Umstellen auf Webdienste wird der Browser, unabhängig vom zugrunde liegenden Betriebssystem, zur eigentlichen Plattform – ganz ähnlich, wie es Google mit Chrome OS vormacht [1]. Dies ebnet den Weg für freie Alternativen, wartungsarme Thin Clients und einfacheres Einbinden mobiler Endgeräte.

Bei konsequentem Minimieren der eigenen IT und dem Einsatz externer Ressourcen bleiben im Unternehmen praktisch nur noch die essenziellen Netzwerk-Basisdienste WAN-Anbindung, DHCP, Routing, Firewall, dazu vielleicht noch die Pflege eines Browsers und der Clientsoftware des Terminalservers. Doch der Aufwand für dieses Szenario ist beträchtlich, oft sind externe Dienstleister mit branchenspezifischem Know-how nötig. Als Lohn für den Aufwand reicht dann meist billige Hardware von der Stange.

Mittelstand

Mittelständische Unternehmen dagegen weisen eine andere IT-Struktur auf. IT ist dort nicht nur ein notwendiges Übel, sondern für die Geschäftsprozesse zwingend notwendig. Dediziertes Fachpersonal betreibt die fürs mittelständische Unternehmen meist existenziell wichtigen IT-Strukturen. Das Ziel darf hier nicht lauten, blindlings alle Dienste in die Wolke auszulagern, sondern bedarfsorientiert und weitsichtig zu handeln.

Cloudangebote lohnen auch dann eine Prüfung, wenn zum Beispiel eine Investition in Hardware ansteht. Zwar fallen einerseits Hardwarekosten weg, dem stehen jedoch Integrationsaufwände und Schulungskosten gegenüber – wie bei jeder Migration. Damit eine sinnvolle Abschätzung der Kosten überhaupt möglich ist, muss die interne IT idealerweise bereits Service-orientiert arbeiten und Bewertungsgrundlagen liefern.

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