Open Source im professionellen Einsatz

Open Stack

Open Stack

+ Vollständige freie Lösung

+ Keine Lizenzkosten

+ Viele Hypervisoren

+ Public, Hybrid und private Cloud möglich

- Automigration nur im Eigenbau

- Keine Autoskalierung

2010 taten sich der große amerikanische Provider Rackspace und die Nasa zum Open-Stack-Projekt [13] zusammen. Den Releases Austin und Bexar folgte schon im April 2011 die aktuelle Version Cactus [14]. Da war die Mitgliederzahl bereits auf knapp 50 Unternehmen angewachsen, darunter auch Canonical.

Open Stack (Abbildung 4) besteht aus mehreren Komponenten: Nova übernimmt die Kontrolle der virtuellen Maschinen, Swift stellt den Object-Storage bereit und Glance einen einfachen Dienst, der Images für virtuelle Maschinen registriert. Viel Freiheit hat der Nutzer bei der Planung seiner Wolke: Als Hypervisoren kommen Xen, KVM, Hyper-V, ESXi und kommerzielle Xen-Server in Frage, aber auch Amazons EC2 ist möglich.

Abbildung 4: Am Dashboard von Open Stack verwaltet der Admin Images und Server.

Abbildung 4: Am Dashboard von Open Stack verwaltet der Admin Images und Server.

Eigene Images, ein API (Zugriff ebenfalls über Public Keys), die Eucatools und Role-based Access Control (RBAC) für Enduser gehören zum recht stattlichen Funktionsumfang von Open Stack. So definiert ein Admin unterschiedliche Rollen pro Projekt, zum Beispiel darf nur ein der Rolle »network-admins« angehörender Benutzer die Netzwerkeinstellungen des entsprechenden Projekts verwalten.

Außerdem unterstützt Open Stack (durch das EC2-kompatible API) Quotas für Projekte. Damit begrenzen Admins die Anzahl der genutzten CPUs, virtuellen Maschinen, der Floating IPs und Volumes. Security Groups beschränken die Zugriffe laufender Instanzen auf einzelne Ports. Auch bei Open Stack sind gestartete Instanzen nicht beständig, persistente Volumes sind nötig. Die basieren aktuell auf der I-SCSI-Implementierung, alternativ sind auch SMB oder NFS möglich.

Die Hypervisoren KVM und Xen erlauben Livemigrationen laufender Instanzen auf andere Server, wobei die entsprechende Unterstützung in Open Stack für Xen aber noch aussteht. Auch klappt das nur mit einem Shared Storage im Netz. Sowohl für HA als auch fürs Backup ist der Admin bei Open Stack selbst zuständig. Letzteres gestaltet sich mit persistenten Images recht einfach.

Aktuell gibt es keine Möglichkeit der automatischen Skalierung virtueller Maschinen in Open Stack. Vermutlich wird Scalr [15] dies für Open Stack integrieren, zumindest steht ein solcher Eintrag in der Roadmap. Natürlich kann der Admin auch im Eigenbau, unterstützt von Konfigurationsmanagements wie Chef oder Puppet, neue Nodes hinzufügen.

Da es sich bei Open Stack um eine vollständig freie Implementierung handelt, fallen keine Kosten für die Software an. Lediglich die Nutzung externer Dienste (Amazon) oder diverser Erweiterungen (Scalr, Rightscale) verursacht Kosten. Durch die freie Lizenz, gute Dokumentation und eine kommunikationsfreudige Community ist eine aktive Entwicklergemeinschaft entstanden. Die einfache Bedienung von Launchpad für den Sourcecode macht die Teilnahme am Projekt offenbar attraktiv.

Open Stack ist modular aufgebaut, setzt auf bereits bestehende freie Komponenten auf und erstreckt sich von der lokalen bis zur Public Cloud. Die Gefahr eines Vendor Lock-in scheint überschaubar.

Fazit

Die drei existierenden IaaS-Lösungen decken eine denkbar große Bandbreite ab. Abbildung 5 zeigt als Entscheidungshilfe, welches der vorgestellten Projekte für welche Form des Cloud Computing zum Einsatz kommen kann, im Kasten "Alternativen" findet sich ein Ausblick auf drei kommende Produkte.

Abbildung 5: Nur Open Stack und Eucalyptus bieten die ganze Bandbreite von Public, Hybrid und Private Cloud, bedienen sich dafür aber bei Amazon. HA-Vorbild VMware hat bei privaten Clouds die Nase vorn.

Alternativen: Red Hat, Deutsche Wolke und Kamp Virtual Core

Dass die Angst vor dem Vendor-Lock-in eine Ursache für die Zurückhaltung in Sachen Cloud ist, hat auch Red Hat erkannt und arbeitet hart an seinen Produkten. Im Sommer 2011 wird RHEV 3 erwartet, Open Shift, das Delta-API und das scheinbar alles umfassende Cloud Forms sollen helfen, die eigenen Produkte zentral zu platzieren [16].

Deutsche Alternativen

Gegen die Angst vor Rechtsunsicherheiten mit ausländischen Cloudanbietern treten mehr und mehr Hersteller mit dediziert deutschen Standorten an. Neben dem Projekt "Deutsche Wolke" [17] kommt dafür Ende 2011 auch die Open-Source-Software Virtual Core des Hosters Kamp auf den Markt (Abbildung  6, [18]).

Abbildung 6: Derzeit nur als Hosted-Edition erhältlich, soll die Eigenentwicklung Virtual Core vom Hoster Kamp bald ein Open-Source-Projekt werden. Ende 2011 will der Hersteller neben den abgebildeten Monitoring- auch HA-Funktionen bieten.

Hosted Cloud

Die Eigenentwicklung (einst in Typo3 gestrickt) soll bald Auto-Skalierung und -Migration beherrschen, steht aber derzeit nur mit vom Hoster gemieteter Hardware (ab etwa 1400 Euro pro Monat und Rack) zur Auswahl. (Markus Feilner)

Für die private IaaS-Wolke ist meist die bisher im Unternehmen genutzte Virtualisierungssoftware entscheidend. Wer bereits eine gewachsene VMware-Umgebung betreut, wird vielleicht die Lizenzkosten nicht scheuen, die für Vcloud anfallen. Für einen nennenswerten Betrag bekommt er dann ein Produkt, das vor allem in Sachen High Availability und automatische Skalierung viel zu bieten hat, deutlich mehr als die Konkurrenz auf dem Markt.

Eine breite Installationsbasis erweist sich als wichtig, wenn im Problemfall eine möglichst große Entwicklergemeinde mit Erfahrung und technischem Verständnis helfen kann. Wer heute eine freie Lösung sucht, kommt nicht an Open Stack vorbei. Das Projekt ist sehr aktiv und gewinnt mehr und mehr Unterstützer.

Infos

  1. EC2: http://aws.amazon.com/de/ec2/
  2. S3: http://aws.amazon.com/de/s3/
  3. EBS: http://aws.amazon.com/ebs/
  4. Amazon Zones: http://docs.amazonwebservices.com/AWSEC2/latest/UserGuide/index.html?FAQ_Regions_Availability_Zones.html
  5. Vsphere: http://www.vmware.com/files/de/pdf/vsphere_datasheet_de.pdf
  6. C. Kühnast, M. Schynowski, M. Feilner und N. Graf, "Wählerischer Platzhirsch": Linux-Magazin 08/10, S. 70
  7. Vsphere-Preise und -Lizenzen: http://www.vmware.com/de/products/vsphere/buy/overview.html
  8. Eucalyptus: http://www.eucalyptus.com
  9. Eucalyptus Enterprise: http://www.eucalyptus.com/products/eee
  10. Tim Schürmann, "Pflanzenzucht im Serverraum": ADMIN-Magazin 03/10, S. 20
  11. Eucalyptus-Auto-Skalierung: http://open.eucalyptus.com/participate/wiki/autoscaling -behalf-monitoring-virtual-machines
  12. Rightscale: http://www.rightscale.com
  13. Open Stack: http://www.openstack.org
  14. S. Seyfried, C. Berendt, "Cactus im Anmarsch": Linux-Magazin 05/11, S. 72
  15. Scalr: http://www.scalr.net
  16. Red Hats Delta-Cloud-API: http://incubator.apache.org/deltacloud/
  17. Deutsche Wolke: http://www.deutsche-wolke.de
  18. Virtual Core: http://www.virtual-core.de

Der Autor

Christian Baumann und Andre Nähring sind als Linux- und Open-Source-Consultants und -Trainer bei der B1 Systems GmbH tätig. Beide haben langjährige Erfahrung mit der Administration und Integration von Linux-Umgebungen. Ihre Stärken liegen bei Projekten mit den Schwerpunkten Virtualisierung, Hochverfügbarkeit und Cloud Computing, zum Beispiel Open Stack.

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