Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2011
© Michael Likavec, 123RF.com

© Michael Likavec, 123RF.com

Ausfallsicherheit in der Wolke

Zuverlässiger Antrieb

, ,

Wer seine virtuellen Infrastrukturen in der Wolke kreisen lässt, muss sich darauf verlassen, dass die Triebwerke nicht versagen. Ob Public, Private oder Hybrid Cloud, es gibt immer Möglichkeiten, hohe Verfügbarkeit zu erreichen – aber in den Details unterscheiden sich die Angebote doch sehr.

603

Ostern 2011: Es kracht im Web: Weite Teile von Amazons wichtigstem Cloudangebot, die Webservices AWS, fallen aus. Vor allem amerikanische Start-ups trifft das hart, während Großunternehmen scheinbar weniger Probleme mit der Outage haben. Deren Admins hatten sich offenbar mehr Gedanken über Verfügbarkeit, Ausfallsicherheit und Failover-Konzepte rund ums Cloudangebot des Marktführers gemacht und auf leistungsfähige Motore in den eigenen Wolken gesetzt. Dieser Artikel zeigt, welche Möglichkeiten Cloudanwender haben, mit Amazon, VMware, Eucalyptus und Open Stack ausfallsichere Wolken aufzubauen.

Amazon Web Services

Amazon Web Services

+ Abrechnung nach Nutzung

+ Autoskalierung

+ Hohe Verfügbarkeitsgarantien

+ Regionale Verteilung (Zones)

- Vendor-Lock-in

- Betriebskosten

- Keine Private Cloud möglich

Seit 2006 bietet Amazon mit der Elastic Compute Cloud (EC2) virtuelle Maschinen als Service an [1], die Kunden über die Weboberfläche (Abbildung 1) oder das API erstellen und nutzen. Die Abrechnung erfolgt anhand der Anzahl und Zeit der genutzten Ressourcen, als VM lädt der Benutzer entweder ein eigenes Amazon Machine Image (AMI) hoch oder verwendete eines aus dem Amazon-Marktplatz. Die Authentifizierung gegenüber dem API erfolgt per Public-Key-Verfahren.

Abbildung 1: Die Managementkonsole der Elastic Compute Cloud von Amazon. Für persistente Systeme braucht es hier ein Zusammenspiel mit Amazons Storagediensten S3 oder EBS.

Die Instanzen erhalten neben einer öffentlichen IP-Adresse auch eine private IP, die nur innerhalb der EC2-Cloud erreichbar ist. Security Groups definieren den Zugriff von EC2-Instanzen untereinander und von außen: So erlaubt der Admin bei Webservern nur Port 80 oder betreibt einen Host nur innerhalb der EC2-Wolke.

Eine solche virtuelle Maschine ist allerdings nicht persistent. Beim Beenden entfernt der Hypervisor ihren Zustand und instanziert die virtuelle Maschine beim nächsten Start vom ursprünglichen Image neu. Wer über das Herunterfahren hinaus Daten persistent speichern will, dem bleiben nur Amazons Storagedienste: der Simple Storage Service (S3, [2]) oder der Elastic Block Storage (EBS, [3]).

S3 ist ein Storagedienst, der Daten per API annimmt, speichert und sie innerhalb der VMs zur Verfügung stellt. S3 kennt aber nur Objekte, die per API-Aufruf erreichbar sind. Wer Daten im Betriebssystem als Blockspeicher schreiben und dauerhaft speichern will, nutzt den EBS.

Auch an die regionale Verteilung in Rechenzentren ist gedacht: Amazon stellt seine Ressourcen in Availability Zones [4] zur Verfügung. Fünf über die Welt verteilte Standorte (USA-West, USA-Ost, Irland-Europa, Singapur, Tokio) sollen Kunden Ausfallsicherheit gewährleisten. Fällt eine Zone oder eine ganze Region aus, ist nicht die gesamte Amazon-Infrastruktur betroffen.

Für Redundanz und Verteilung der belegten Ressourcen über Zonen und Regionen hinweg sind aber die Kunden selbst verantwortlich (vergleiche den Artikel zur Cloudstrategie in dieser Ausgabe).

99,99 Prozent Verfügbarkeit

Fürs Monitoring der Auslastung und das automatische Skalieren bietet Amazon mit Cloud Watch und Auto Scaling flexibel konfigurierbare Dienste an, die im Idealfall die Skalierung regelbasiert und vollautomatisch übernehmen.

Das Angebot enthält neben den Grunddiensten im IaaS-Bereich (Infrastucture as a Service) eine wachsende Produktpalette, die von Datenbanken über Monitoring- und Netzwerk- bis hin zu E-Commerce-Diensten reicht. Mit den von Amazon bereitgestellten APIs lassen sich auch eigene Lösungen mit der Amazon-Cloud kombinieren.

Der Versandhändler sichert bei seinem Angebot feste Verfügbarkeit der Dienste zu, die Zahlen liegen hier zwischen 99,95 Prozent für EC2 und 99,99 Prozent für S3. Viele Dienste wie EC2 und EBS sind allerdings auf einzelne Availability Zones beschränkt und bei einem Ausfall einer kompletten Zone dennoch betroffen. Dann helfen wirklich nur Cloud Watch und Auto Scaling weiter.

Es ist mit genügend Planung durchaus möglich, eine redundante, günstige und performante Cloudinfrastruktur mit den Amazon Web Services aufzubauen. Das ändert aber nichts am Vendor-Lock-in: Eine spätere Migration aus Amazon heraus wird mit jedem genutzen Dienst aufwändiger.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Selbst gemachte Wolken

    Wozu für einen externen Service bezahlen, wenn die Server im eigenen Unternehmen genug Ressourcen für eine Cloud haben? Das Linux-Magazin untersucht Werkzeuge, die für private Wolken taugen.

  • Red Hat und Eucalyptus werden Partner

    Beide Firmen wollen an der Kompatibilität ihrer Cloud-Systeme arbeiten.

  • Wählerischer Platzhirsch

    VMwares Vsphere ist der unangefochtene Marktführer der privaten Clouds. Zwar bringt der Hypervisor eine Red-Hat-Linux-Konsole, ein CLI und einen Webclient mit, das vollständige GUI ist jedoch nur den Windows-Anwendern vorbehalten.

     

  • Wolkenkratzer

    Warum die Cloud nicht das Ende des klassischen Unternehmens-Admins ist, wie Amazons Elastic Computing Cloud praktisch funktioniert und welche Linux-Tools beim Auf- und Weiterbau des professionellen Wolkenkuckucksheim helfen, zeigt dieser Artikel.

  • VMware macht Bosh zu Open Source

    Zum Geburtstag von Cloud Foundry veröffentlicht VMware die Management-Tools mit dem Namen Bosh unter einer freien Lizenz.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.