Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2011
© mch67, 123RF.com

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Wie Verbände und Firmen sich für die Cloud wappnen

Wetterbericht

Sehr wolkig soll es werden: Analysten überschlagen sich in Prognosen, Firmen kaufen Cloudspezialisten auf. IT-Verbände, die zuständigen Ministerien und Ämter versuchen Ordnung in den deutschen Markt zu bringen. Lokalmatadore wie die Deutsche Wolke positionieren sich.

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Flexibilität, Skalierbarkeit, Verfügbarkeit – aus diesem Bermudadreieck aus Schlagworten taucht derzeit fast täglich ein Cloudanbieter am Markt auf. Davon sollten sich Kunden aber nicht blenden lassen. "Besonders kleineren Unternehmen und dem Mittelstand fehlen für die nötige Recherchen die Ressourcen", sagt Andreas Weiss, Direktor der vom Branchenverband ECO für den deutschen Raum getragenen Initiative Eurocloud [1], die kostenpflichtige Audits [2] und Zertifikate für Cloudservices anbietet.

Soll und Ist

Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Public Cloud verlockend: Unternehmen binden weniger Kapital in die – auch noch zu wartende – Ausstattung mit Serverhardware. Für den Businessplan bedeutet Cloud Computing eine Verschiebung von festen und oft hohen Investitionskosten in die besser dem tatsächlichen Bedarf anpassbaren operativen Betriebskosten. So entsteht eine Win-win-Situation für Anbieter und Kunde (Abbildung 1). Und: Statt sich um die IT kümmern zu müssen, darf sich der Unternehmer auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Abbildung 1: Der Bitkom erwartet steigende Umsätze bei den Cloudanbietern durch Firmenkunden.

So die Theorie, in der Praxis sieht es für Mittelständler anders aus. Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin nennt unter anderem die Komplexität einer Abwanderung in die Cloud und die ungenügende Standardisierung als Bremsklötze. Das eher ernüchternde Fazit des Ministeriums: "Bei Mittelständlern und im öffentlichen Sektor ist Cloud Computing noch weitgehend unbekannt" (siehe auch Artikel ab Seite 26).

Vertrauensfragen

Das Ministerium reagiert auf den in Deutschland vorherrschenden Mangel an spezifischen Lösungen und Best-Practice-Vorlagen mit dem Einsatz von Fördermitteln und dem Wettbewerb "Sicheres Cloud Computing für Mittelstand und öffentlichen Sektor – Trusted Cloud" [3]. Ende 2010 gestartet und auf drei Jahre ausgelegt, sind 50 Millionen Euro vorgesehen. Die anderen Partner schießen eine nämliche Summe noch hinzu.

Aus der Förderung sollen Beispiellösungen für die drei definierten Cloudbereiche Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) erwachsen. Trusted Cloud teilt sich in die mit Ergebnissen zu füllenden Cluster: Basistechnologien, Industrie, Gesundheit und öffentlicher Sektor. Patrick Lay vom Ministerium spricht von reger Beteiligung und 116 eingereichten Projektskizzen für die Trusted Cloud.

Die 16 von einer Jury ausgewählten Projekte stehen nicht für einen Solo-Auftritt. Insgesamt sind daran rund 70 Firmen und Einrichtungen beteiligt, die nun mit der Umsetzung beginnen. 50 Prozent davon seien kleine und mittlere Unternhemen, so Lay.

Und die Beteiligten arbeiten nicht im stillen Kämmerchen: Ab September nehme die das Förderprojekt Trusted Cloud begleitende Forschung ihre Arbeit auf. Sie soll helfen Redundanzen zu vermeiden, aber auch Handlungsempfehlungen erarbeiten und zwischen den Teilnehmern ein Kompetenznetzwerk bilden, in dem sich gemeinsame Fragen erörtern lassen.

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