Linus' Plan: Der neue Kernel sollte per symmetrischem Multiprocessing (SMP) erstmals auf mehr als nur einer CPU gleichzeitig laufen, sich von der X86-Archtektur emanzipieren (neu war DECs Alpha-Prozessor) und auch Dateisystemzugriffe zwischenspeichern – eine frühe Vorversion des heutigen Virtual Filesystem Switch (VFS).
Im Mai 1996 war der Linux-Kernel mit der Version 2.0 fast fertig, nur eins fehlte noch: Ein Logo oder ein Maskottchen, das das damals noch sehr jugendliche, aber immer selbstbewusster auftretende Linux versinnbildlichen sollte.
Im Zuge der Veröffentlichung von Linux 2.0 am 9. Juni 1996 [1] diskutierten die Kernelentwickler in ihrem Zentralorgan, der Linux Kernel Mailinglist (LKML), unter der Überschrift "Linux Logo" eine Reihe von Vorschlägen, die Tiere, offene Rechnungen mit anderen Betriebssystemen (besonders Windows und Free BSD) und Textarrangements einschlossen.
Wilde Attacken bei 160 km/h
Wie es letztlich zum Pinguin als Wappentier kam, unterstreicht einmal mehr die Führung von Linus Torvalds als Primus inter Pares im Kernelprojekt: Nachdem schon viele Vorschläge präsentiert waren, schrieb Torvalds eine Reihe von Anekdoten, nach denen ein Pinguin ihn 1993 bei einem gemeinsamen Besuch mit Samba-Entwickler Andrew Tridgell im Zoo von Canberra in Australien gezwickt habe. Seither litte er unter "Penguinitis", die für schlaflose Nächte am Computer verantwortlich sei. Einwänden, der Vogel wirke zu behäbig und wenig dynamisch, konterte Torvalds mit dem Hinweis, dass die Kritiker vermutlich noch nie einen Pinguin mit über 160 Sachen auf sich zukommen gesehen hätten – nach der eindrucksvollen Anekdote fand die Suche nach dem Logo für die LKML ein rasches Ende.
Nun ging es noch um die Ausgestaltung, zu der Torvalds einige Vorstellungen hatte: Satt und zufrieden solle der flugunfähige Seevogel der Südhalbkugel aussehen, forderte er. Es ginge mehr darum, ein sympathisches, gerne auch etwas albernes Symbol zu finden, das seinen Spaß am Coden ausdrücke, weniger um ein "Linux Corporate Image".
Ruhige Hand
Ideen, wie das umzusetzen wäre, hatten viele, aber letztlich bewies Gimp-Entwickler Larry Ewing eine ruhige Hand und zeichnete mit Hilfe des von ihm mitentwickelten Grafikprogramms den klassischen Ewing-Tux [2], den die Entwickler dann ohne Gegenstimmen sogar als Grafikdatei mit dem Kernel 2.0 veröffentlichten. Bis heute zeigt die Anzahl der Pinguin-Portaits die Zahl der laufenden Linux-Kerne beim Booten an.
Torvalds verabschiedete sich mit der Ankündigung der runden Release erst einmal in den Urlaub und machte damit die Bühne frei, um einen Namen für den zufriedenen Fischliebhaber zu finden. Die smokingähnliche Zeichnung seines Federkleids, im englischen Sprachraum als Tuxedo bezeichnet, war sicherlich eine Inspiration, aber Kernelentwickler James Hughes schlug die Bezeichnung Tux als Kurzform für "Torvolds Unix" (sic!) vor. Die Bezeichnung hat sich seither durchgesetzt [3].