Open Source im professionellen Einsatz

Benchmark-Ergebnisse

Die im Rahmen dieses Artikels durchgeführten Benchmarks zeigen recht unterschiedliche Ergebnisse (Abbildung 3). Zur Bildung eines aussagekräftigen Mittelwerts dienten die jeweils zehn besten Ergebnisse der einzelnen Durchläufe. Die ICC 10.0.026 zeitigte im Mittelwert eine 25 bis 29 Prozent schnelleren Code als die GCC, im Einzelfall sogar deutlich mehr. Die ICC 11.0.072-r1 erreichte im Mittelwert nur rund 10 Prozent mehr Durchsatz als die GCC und fällt somit im Vergleich zum älteren Bruder stark ab.

Abbildung 3: Die bei PostgreSQL-Benchmark zur Mittelwertbildung herangezogenen Einzelwerte der beiden Intel-Compiler liegen durchgehend über dem erreichbaren Durchsatz der GCC. Insbesondere das Kompilat der stabilen ICC-Version überzeugt.

Die Ergebnisse zeigen natürlich nur eine Tendenz auf und sind nicht auf jeden Einzelfall übertragbar – das Spielen mit Compilerflags, das Optimieren auf andere CPUs und ein Tuning der PostgreSQL-Konfiguration führten sicher zu anderen Ergebnissen. Andererseits fällt der Gewinn der stabilen ICC-Version so deutlich aus, dass er Beachtung verdient.

Fazit

Gentoo verfolgt mit dem Herunterladen der Sourcen und deren anschließendes Kompilieren einen gänzlich anderen Ansatz als der Linux-Mainstream mit seinen Deb- oder RPM-Binärpaketen. Der erfahrene Gentoo-Anwender wählt dabei die Compilervorgaben genau passend zu seiner Hardware aus. Ob das Ganze in der Praxis vor- oder nachteilig ist, mag jeder selbst entscheiden. Zumindest zum Testen der Wirksamkeit von Compilern eignet sich Gentoo Linux offenbar prima. Auch weil das Portage-System die Möglichkeit einräumt, nur einzelne Programmpakete zum Übersetzen mit einem alternativen Compiler auszuwählen.

Im Rahmen dieses Artikels geschah das für einen PostgreSQL-Server. Der gemessene Geschwindigkeitsvorteil von rund 25 Prozent ist so relevant, dass bei einer Datenbank, deren Antwortzeiten unter Last anschwellen, das Neukompilieren mit der ICC die Investition in neue Hardware hinauszögern kann. So betrachtet, sind Testläufe mit variierten Compilerflags und alternativen Übersetzern keine Spielerei, sondern helfen Kosten zu sparen. Das gilt tendenziell für alle Serverapplikationen. Die auf auf Desktopsystemen erzielbare Performancesteigerung wird zwar auch in dieser Größenordnung ausfallen, jedoch spüren PC-Anwender einen Geschwindigkeitsgewinn subjektiv erst ab rund 30 Prozent.

Infos

  1. Gentoo-Projekt: http://www.gentoo.org
  2. Deutschsprachiges Gentoo-Portal: http://www.gentoo.de
  3. Gentoo-Software-Kategorien: http://packages.gentoo.org/categories/
  4. Intel-Compiler zum nicht-kommerziellen Gebrauch: http://software.intel.com/en-us/articles/non-commercial-software-development/
  5. Anleitung zur ICC-Konfiguration auf Gentoo-Systemen: http://www.gentoo-wiki.info/HOWTO_ICC_and_Portage
  6. Inoffizielles Portage-Archiv mit Ebuilds zu den ICC-Versionen 12.X: http://gpo.zugaina.org/dev-lang/icc

Der Autor

Kay Königsmann arbeitet seit 1999 im IT-Bereich, zunächst als Datenbank- und Java-Dozent, später auch im Projektmanagement. Debian sowie IT-Security bilden die Schwerpunkte seiner heutigen Tätigkeit. Er ist Autor zahlreicher Fernlehrgänge für die Erwachsenenweiterbildung.

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