Wer als Unternehmen mit Open-Source-Software verdienen will, braucht eine starke Community. Die zu organisieren ist oft keine triviale Aufgabe. Dennoch: Gerade in den letzten Jahren zeigen immer mehr Firmen, wie das gehen kann. Meist folgen die dem Geschäftsmodell des "Single vendor commercial open source"-Ansatzes, bei dem ein Unternehmen als einziger Anbieter einer Open-Source-Software alle Fäden in der Hand hält.
Über die Hälfte
Mit einer engagierten Community lässt sich viel gewinnen – wenn die Firma die Grundbegriffe der freien Softwarewelt versteht und dieses Wissen klug einsetzt. MySQL, Sugar CRM, Jaspersoft, Alfresco – die Liste erfolgreicher Unternehmen, die dieses Modell erfolgreich umsetzen, ließe sich noch verlängern.
Glaubt man Gartner [1], stammt spätestens 2012 bereits mehr als die Hälfte der mit OSS erzielten Gewinne aus Firmen, die als einziger Hersteller einer freien Software im Zentrum des jeweiligen Projekts stehen.
Theorie
Die wirtschaftswissenschaftlichen Hintergründe des Single-Vendor-Modells sind bisher nur teilweise erforscht, erste Erkenntnisse brachten die Untersuchungen von Brian Fitzgerald [2] oder das Flossmetrics-Projekt der EU (Free/Libre and Open Source Software Metrics). Es untersuchte in einer Studie 120 Firmen, die den Großteil ihrer Einnahmen aus OSS-Produkten beziehen.
Flossmetrics teilt die Unternehmen in sechs relevante Kategorien ein [3]: Die Spanne reicht von reinem Consulting über Plattform-Provider wie Suse oder Red Hat, Produktspezialisten à la Alfresco bis zu Badgeware wie Open Bravo oder Open EMM. Dazu kommen Firmen, die ihre Produkte unter verschiedenen Lizenzmodellen vertreiben (Split Releases oder Twin Licence).
Es bietet sich an, Open-Source-Projekte in kommerzielle und Community-Projekte zu unterteilen, wobei letztere den weitaus größeren Teil ausmachen. Während eine Gemeinschaft von Entwicklern Community Open Source betreibt, steht hinter kommerziellem Open Source, vor allem mit dem Single-Vendor-Modell, ein Interessenvertreter, der finanziellen Erfolg erreichen will.
Klassische Community-Projekte sind der Linux-Kernel, der Apache-Webserver oder die PostgreSQL-Datenbank. Deren komplette Software unterliegt der gleichen Lizenz, jeder darf sich der Programme in vollem Umfang bedienen und damit Geld verdienen. In zunehmendem Maße nehmen dabei Non-Profit-Stiftungen wie die Apache- oder Eclipse-Foundation die Interessenvertretung der Freiwilligen wahr und folgen bei ihren Aktionen meist auch den Vorgaben der Entwicklergemeinschaft.
Mit Community-Projekten lässt sich in der Regel auf dreierlei Art Gewinn erwirtschaften: Ein Softwarehaus mag Consulting und Support anbieten, kommerzielle Produkte basierend auf der freien Codebasis entwickeln oder OSS nutzen, um auf anderen Ebenen des Software-Stacks Einkünfte zu erwirtschaften [4], so wie das beispielsweise Provider tun.
Abbildung 1: Wer mit OSS Erfolg haben will, muss auf die Befindlichkeiten seiner Community hören.