Tafelsilber
Ist die zugekaufte Software mit Oracles bestehender Middleware gut kombinierbar oder eine weltweit eingesetzte Technologie, gibt es keine Zukunftsängste. Java zählt zum Tafelsilber des Zukaufs. Oracle bemüht sich um Fortschritte in der Entwicklung und markiert gleichzeitig sein Revier, wie Klagen gegen Google wegen Verletzungen von Java-Patenten in der virtuellen Maschine Dalvik im Linux-Betriebssystem Android zeigen.
In dem Zusammenhang ist auch das Open JDK zu erwähnen, das Oracle ebenfalls ausdrücklich beibehält [5] und zu dessen Entwicklung unter anderem IBM beiträgt. Dennoch blieb es auch bei Java nicht ohne Abgang von Entwickler-Prominenz. Java-Urvater James Gosling hat sofort nach der Übernahme Anfang 2010 das Unternhemen verlassen.
Oracle hat Anfang März Version 3.1 des freien Anwendungsservers Glassfish [6] auf den Weg gebracht und die freie Umsetzung der Java-EE-Referenz besser in die eigene Middleware integriert – ein Bekenntnis zu freier Software auf der einen und zur eigenen Integrationsstrategie auf der anderen Seite. Von Virtualbox gibt es ebenfalls eine Neuauflage zum freien Download und in den Quellen. Netbeans bleibt wie bei Sun auch bei Oracle auf der Roadmap als freie Software.
Louis Suarez-Potts: Verwirrte Nutzer
Der Kanadier Louis Suarez-Potts ist seit 2007 Community-Manager von Open Office, anfangs war er Mitarbeiter bei Sun Microsystems. Nach der Übernahme durch Oracle hat er Mitte Februar 2011 gekündigt, bleibt dem freien Projekt in seiner Funktion jedoch erhalten.
Linux-Magazin: Wie ist das aktuelle Verhältnis von Oracle zu Open Office? Hat Oracle den Auftritt von Open Office bei der Cebit mitfinanziert?
Suaraz-Potts: Nein, den Stand hat Open Office bezahlt. Oracle hat ein paar Leute zur Unterstützung hier an den Stand geschickt – und die treten hier für Open Office auf, nicht als Oracle-Mitarbeiter.
Linux-Magazin: Die aktuelle Trennung von Libre Office und Open Office nach der Übernahme durch Oracle beschäftigt viele Anwender. Wie sehen Sie die Situation?
Suaraz-Potts: Meine größte Sorge nach der sehr unglücklichen Abspaltung von Libre Office ist, dass die Anwender verwirrt sein könnten, und das ist das Letzte, was ich will. Ich befürchte, dass davon vor allem proprietäre Anbieter profitieren.
Linux-Magazin: Sie haben sich vor Kurzem vom Arbeitgeber Oracle getrennt. Warum?
Suaraz-Potts: Meine Unabhängigkeit ist mir wichtig, mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen. Ich bin und war schon immer auch als Berater unterwegs, darauf konzentriere ich mich auch künftig wieder.
Linux-Magazin: Wie sehen Sie die Zukunft von Open Office?
Suaraz-Potts: Das Web 2.0 mit der Cloud hat darauf enormen Einfluss. Es wird zum produktiven Raum mit riesigen sozialen Netzen, dies wollen und müssen wir fördern. Die Anwender sollen an der Schaffung ihrer Produkte beteiligt sein, und das Tolle ist: Jeder kann Hersteller werden. Das ist die große Chance, die die Cloud wirklich bietet.
Linux-Magazin: Wo sehen Sie die Risiken der Cloud?
Suaraz-Potts: Gerade durch den Hype um Apple und die Apps per Fingertipp wird deutlich, wie wichtig die vier Rechte sind, die Open-Source-Lizenzen garantieren. Die Anwender kaufen einfach für einen Euro irgendeine App und denken nicht darüber nach, wie die Lizenz aussieht und was sie dabei aus der Hand geben.
Wir müssen den Leuten klarmachen, dass sie etwas sehr Interessantes verlieren, wenn sie auf ihre Rechte verzichten, und ein Rezept finden, wie wir diese Information mit dem Download-Prozess verbinden können. Die Leute sollen wissen, dass es bei ihnen liegt, welche Beziehung sie zu ihrer Software haben.
Infos
- OSS bei Oracle: http://oss.oracle.com/
- The Document Foundation:http://www.documentfoundation.org
- Open Solaris 11 Checker:https://www.samplecode.oracle.com/sf/projects/solaris_11_compatibility_tools/
- Jenkins-Website: http://jenkins-ci.org/
- Oracle zu Open JDK:http://openjdk.org/faq/
- Glassfish: http://www.oracle.com/us/products/middleware/application-server/oracle-glassfish-server/index.html
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