Open Source im professionellen Einsatz

Erbstreitigkeiten

Manche Probleme sind aber auch die altbekannten. Dass die Apache Foundation im Dezember den Java-Community-Prozess verlassen hat, ist kaum Oracle allein anzulasten. Schon seit Jahren kritisiert Apache die Lizenzbestimmungen der wichtigen Testsuite Java Compatibility Kit (TCK), die nötig ist, um die Kompatibilität der eigenen Java-Implementierung Harmony zu überprüfen. Neben Apache hat auch die Linux Foundation auf die Lizenzdebatte um die Test-Kits reagiert und Java aus der jüngsten Linux Standard Base 4.1 einfach entfernt. Oracles Weigerung, das TCK herauszurücken, steht dabei durchaus in der Tradition von Sun.

Alte Lizenzfragen

Tradition hat auch die Lizenzierung der Beiträge von Entwicklern zur Software. Michael Meeks, der bei Novell arbeitet und im Steering Committee der hinter Libre Office stehenden Document Foundation sitzt, bemängelt, dass freie Entwickler und auch Linux-Distributoren schon zu Suns Zeiten mit dem Copyright Assignment für ihre Beiträge zur Software Probleme hatten.

Meeks beschreibt das Resultat als Zweiklassengesellschaft: Sun und jetzt Oracle auf der einen Seite als Eigentümer, dem alles gehört und der den Code unter beliebigen Konditionen für proprietäre Projekte einsetzen und relizenzieren kann. Auf der anderen Seite alle anderen Beitragenden, die leer ausgehen. Positiv sieht Meeks dagegen, dass nun die gleiche Lizenz für alle Büropakete, auch das von Oracle, gilt (LGPLv3), schon wegen der Anti-DRM-Klausel. Dual lizenziert ist der Code mit der Mozilla-Lizenz (MPL).

Skeptisch zeigt sich Meeks aber bei Java, das auch in Libre Office zum Einsatz kommt und für die Cross-Platform-Fähigkeit wichtig ist. Dort hält sich Libre Office wegen des TCK-Streits zurück. Ein neues Feature wie den Flat-XML-Export haben die Entwickler deshalb in C++ statt Java umgesetzt. Langfristig könnten sie auf Python umsteigen, wenn es mit Java mehr juristische Probleme gibt.

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