Open Source im professionellen Einsatz

Worlds apart

Zwischen dem Lisog Open Source Cloud Stack, Open Stack und Red Hats Application Stack liegen Welten. Open Stack ist eher ein OSS-Cloud-Computing-Fundament, auf dem der Admin seine Systeme und die darauf aufbauenden Server selbst verwaltet.

Red Hats Komplettpaket ist zwar nicht frei verfügbar, weil es proprietäre Komponenten enthält. Aber dafür integrieren die Roten Hüte vom Betriebssystem und dessen Virtualisierung fast alles bis zum mächtigen Jboss-Application-Server mit Apache und Tomcat. Das RHN im Hintergrund verspricht stets aktuelle und sichere Software, und Red Hat garantiert einheitlichen und umfassenden Support. Wer sein Business sowieso auf Red Hats Infrastruktur auslegt und das nötige Kleingeld mitbringt, findet hier die ausgereifteste und am besten integrierte Stapellösung fürs Unternehmen.

Der Lisog Open Stack kann sich immerhin damit brüsten, die umfassendste Vision zu haben. Allerdings besteht der Stack heute im Wesentlichen nur aus Versprechen, die eigentliche Integrationsleistung müssen potenzielle Kunden im Einzelfall noch selbst leisten oder zumindest bezahlen. Die weitere Entwicklung zu beobachten lohnt sich trotzdem, vielleicht springt ja irgendwann genau der Konnektor für die eigenen Server raus, auf den der Admin seit Jahren wartet.

Infos

[1] Lisog Cloud Stack: [http://www.lisog.org]

[2] Sopera: [http://www.sopera.de]

[3] Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM): [http://www.zim-bmwi.de]

[4] Open Stack: [http://www.openstack.org]

[5] Andrej Radonic, "Wolkige Aussichten": Linux-Magazin 11/10, S. 72

[6] Ramon Wartala, "Schnittstelle":ADMIN-Magazin 01/11, S. 111

[7] Open Stack Bexar: [http://www.openstack.org/projects/compute/], [http://www.openstack.org/projects/storage/]

[8] Open Stack RPM-Repository von B1-Systems: [http://download.opensuse.org/repositories/isv:/B1-Systems:/OpenStack/SLE_11_SP1/]

[9] Red Hat Application Stack: [http://www.redhat.com/f/pdf/rhappstack/Stack__to_print_EN_final_AMD.pdf]

[10] Torsten Fink, "Nichts versäumen": Admin-Magazin 03/08, S. 76

[11] Hibernate: [http://www.hibernate.org]

Admin-Erfahrungen


Horst Bräuner, IT-Leiter der Stadt Schwäbisch Hall über den Lisog-Stack:

"Wir in Schwäbisch Hall bedienen uns mehrerer Einzelkomponenten des Lisog-Stack. Von unten nach oben: Auf Pyramid-Hardware sorgt Rising Tide für die I-SCSI-Storage-Anbindung, für HA dient Linbit und ums Backup kümmert sich SEP. Die Archivierung wird demnächst Grau Data erledigen. Eine Virtualisierung oder Hypervisoren setzen wir nicht ein, abgesehen von diversen einzelnen Virtualbox- und VMware-Systemen.

Richtig spannend wird es im Mittelbau: Die Integration der Komponenten aus dem Lisog Stack ist in vertikaler Richtung kein Problem, wohl aber in der horizontalen Ebene. Sie können heute beinahe jede Datenbank mit den darüber liegenden Softwarelösungen verwenden, aber ein DMS mit der Groupware, dem Ticketsystem oder gar dem CRM zu verheiraten, das ist eine richtige Aufgabe!

Der Lisog-Stack ist da noch recht jung und im Wachstum begriffen. Wir haben beispielsweise Agorums DMS und Open Xchange als Groupware im Einsatz. Die Integration der beiden in ein gemeinsames Webfrontend haben wir zwar bezahlt. Aber von unserer Investition profitieren andere Kunden, weil die entwickelte Schnittstelle Open Source ist (im März ist es so weit), genauso werden wir von Entwicklungen anderer profitieren.

Die Mitglieder des Lisog-Stack sind zwar nicht verpflichtet gegenseitige Interoperabilität zu schaffen, profitieren aber von dem Dach des Stack, gemeinsamen Kunden und der garantierten Wiederverwendbarkeit der frei entwickelten Software bei anderen Projekten.

Größtes Manko am Lisog-Stack ist, dass es im Gegensatz zu beispielsweise Red Hats Stack keine zentrale Anlaufstelle gibt. Es gibt niemanden, der den Stack als Produkt verkauft, das sind alles einzelne Firmen mit eigenen Produktstrategien. Trotzdem glauben wir, dass auch der geplante Weg mit dem Enterprise Service Bus letztendlich zum richtigen Ziel führt."


Christian Berendt, Linux-Consultant und Developer bei B1 Systems, hat Open Stack getestet:

"Wir haben in einem internen Projekt mögliche Cloud-Lösungen evaluiert und setzen derzeitig einen Proof of Technology bei einem Kunden um. Dass eines der Ziele der Entwicklung von Open Stack die Definition eines offenen Industriestandards ist, macht ihn besonders interessant.

Als große Baustelle erweist sich dabei die Dokumentation. Zwar kristallisiert sich mehr und mehr eine offizielle Variante heraus, momentan liegt aber alles noch sehr verstreut im Wiki, den einzelnen Projektseiten, Bugreports und im Sourcecode. Und das Logging ist nicht gerade aussagekräftig, im Normalfall schreibt der Server einfach einen Trace, was die Fehleranalyse im Alltag nicht gerade erleichtert.

Für die anstehenden Cactus-Release im April 2011 haben die Entwickler ihr Hauptaugenmerk auf die Quality Assurance (QA) gerichtet. Hier erwarte ich eine Behebung vieler kleiner Bugs, die momentan noch die Installation erschweren und manuelle Eingriffe erforderlich machen. Andererseits reagiert die Entwicklergemeinde sehr schnell auf Bugreports.

Die verwendete Libvirt und die Vielzahl unterstützter Hypervisoren wie Xen und KVM erleichtern auch die Migration von bestehenden Virtualisierungslösungen. Im Distributed-Storage-Bereich unterstützt Open Stack derzeit I-SCSI, weitere Treiber sollen folgen.

Anfang Februar 2011 ist Canonical dem Projekt offiziell beigetreten, Ubuntu ist die Referenzplattform und integriert Eucalyptus in der UEC. Das klingt gut, aber der Nachteil daran ist, dass für den professionellen Betrieb notwendige Features nur in der Enterprise-Version enthalten sind, die natürlich nicht frei verfügbar ist. Das wiederspricht jedoch der Philosophie von Open Stack, von dem es nur eine Variante geben wird, und zwar unter der Apache License 2.0.

Wir erhoffen uns mit der Integration in Ubuntu 11.04 eine wachsende Open-Stack-Entwicklergemeinde, die Beseitigung von starren Vorgaben an das darunter liegende Betriebssystem und letztlich eine zunehmende Qualität der Software, die im Übrigen ohne größeren Aufwand auch unter SLES und RHEL läuft."

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