Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2011

Ein Buch über Linux-Hochverfügbarkeit

Tux liest

Wenn die Arbeit im Unternehmen von der Verfügbarkeit der IT-Systeme abhängt, wird High Availability zur Pflicht. Das Linux-Magazin hat sich ein Fachbuch angesehen, das sich mit unterschiedlichen Techniken zum Gewährleisten von Hochverfügbarkeit unter Linux beschäftigt.

 

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High Availability ist in praktisch jedem Rechenzentrum ein Thema. Wie sich Ausfallsicherheit unter Linux umsetzen lässt, beschreibt Oliver Liebel in seinem Buch "Linux Hochverfügbarkeit".

Das Fundament

Der Autor startet mit einer Begriffsklärung: Was bedeutet 99,99 Prozent Verfügbarkeit? Was steckt hinter der Abkürzung MTBF? Geschickt nutzt Oliver Liebel das Einführungskapitel, um den Leser auf das Thema einzustimmen und zu sensibilisieren. Dass Hardware ausfallen darf und das auch tun wird, ist eine zunächst ungewöhnliche Denkweise. Im Umfeld von Hochverfügbarkeit gilt sie dagegen als vollkommen normal.

Nach der Einführung geht es sofort ans Eingemachte: Auf rund 350 Seiten beschreibt der Autor, wie der Linux-Admin seine Systeme hochverfügbar macht. Die Kapitelüberschrift "HA auf Netzwerk-Ebene" ist dabei eher unglücklich gewählt, denn sie suggeriert eine thematische Einschränkung, die auf den folgenden Text gar nicht zutrifft.

Mit Heartbeat und dem Gespann aus Pacemaker, Open AIS und Corosync behandelt der Verfasser sowohl die gebräuchlichste als auch die neueste Version freier Linux-Clusterware. Schade ist allerdings, dass er die kommerziellen Pendants nicht einmal einer Erwähnung würdigt. Lösungen wie etwa die Red Hat Cluster Suite oder Symantecs VCS sind in großen Rechenzentren mit HA-Anforderungen nicht unüblich und würden das Thema vervollständigen.

Angehende DRBD-Admins finden im Buch ausreichend Material, um diese Storage-Technologie von Anfang an richtig einzurichten. Überhaupt ist das Thema Datenspeicherung stark vertreten: Der Leser kann sich über Raid-Techniken sowie über Eigenschaften und Funktionen von Dateisystemen informieren.

Ein Wermutstropfen ist, dass der Autor im Storage-Bereich das SAN nur als einen sehr teuren Single Point of Failure sieht. Dennoch beschreibt Oliver Liebel die wesentlichen Voraussetzungen für ein HA-SAN - zumindest im Prinzip und in etwas anderem Kontext.

Auch so genannte Shared File Systems in ihren verschiedenen Varianten gelten als normaler Bestandteil von hochverfügbaren Umgebungen. Schade, dass der Autor dieses Thema nur sehr kurz behandelt und sich im Wesentlichen auf Shared Storagre in Form von Cluster-Dateisystemen beschränkt. Das Network File System (NFS) taucht nur in einem Kasten auf, die neue Generation mit objektbasiertem Ansatz, etwa Lustre, fehlt völlig.

Virtuelle HA

Beim Thema Hochverfügbarkeit schwingt immer auch ein Teil Virtualisierung mit. Folgerichtig wartet das Buch mit einem umfangreichen Kapitel zum Thema Xen, KVM und Qemu auf. Dabei arbeitet es zwei wesentliche Aspekte deutlich heraus: Erstens sind virtuelle Server auch nur Applikationen und lassen sich ebenso hochverfügbar einrichten. Zweitens verschiebt Virtualisierung den HA-Stack vom Gast- zum Hostsystem. Bedauerlich ist, dass Oliver Liebel dabei auf VMware gar nicht eingeht und von voll virtualisierten Gästen in produktiven Umgebungen abrät. Gerade der zweite Punkt ist heutzutage nicht mehr zu vertreten.

Wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben, bleibt dem Admin noch die traditionelle Wiederherstellung des Service aus dem Backup. Dieses Themengebiet rundet diesen Band zum Thema Hochverfügbarkeit ab.

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